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Leseprobe: Die Saat der Hexe

Die Saat der Hexe

Die Saat der Hexe

Autor: Alan Blake

Homepage: www.alanblake.de

Taschenbuch - 204 Seiten - Asaro Vlg

Erscheinungsdatum: Februar 2003

ISBN 3-934625-31-2

Der Roman kann hier bezogen werden: Amazon

 

Disclaimer:

Freigabe zur Weiterveröffentlichung der Leseprobe besteht, soweit vom Autor nicht anders angegeben nur für "FantasyGuide.de". Für alle weiteren Veröffentlichungen ist die schriftliche Zusage des Autors erforderlich.

 

 

Leseprobe:

 

XVIII

DIE HEXE

Das Geräusch von schweren Stiefeln, die über glatten Steinboden marschierten, drang dumpf an Thorkars Ohr. Langsam, sehr langsam erlangte er sein Bewusstsein wieder. Er versuchte sich zu erinnern, was geschehen war, wo er sich befand, doch es wollte ihm nicht gelingen. Irgendjemand sprach einige Worte zu einem anderen. Diese Stimme...

Schlagartig überkam den Fenriker die Erinnerung, was ihm, Karon und Maedanon widerfahren war. Er riss die Augen auf und blickte in einen großen, aber düsteren Raum. Die Wände bestanden aus grob behauenem Felsgestein. Sie glitzerten feucht, und an einigen Stellen wuchs schimmliges Moos. Die kuppelförmige Decke des Gewölbes erhob sich mehrere Schritte über seinem Kopf. Kein Tageslicht konnte hier eindringen, denn es gab nicht ein einziges Fenster. Lediglich einige rechteckige Löcher in der Decke sicherten die Luftzufuhr.

Unzählige Fackeln und Kerzen, die allesamt auf mannshohen Kandelabern angebracht waren, spendeten ein unheimliches und stetig flackerndes Licht, das tanzende Schatten, unruhigen Geistern gleich, an die Wände warf. Sie waren quer über den gesamten Raum hinweg verteilt. Etwa in der Mitte durchzog eine kleine Treppe, die von einer Wand bis zur anderen reichte, das Gewölbe und schuf so einen Absatz. Darauf stand, umgeben von einer schmalen kreisförmig angelegten Rinne, ein großer und rechteckiger Stein. Altäre? fragte sich der Fenriker. Keine Frage, schwarze Magie verlangte nach Blutopfer.

Nun aber befand sich ein nachtschwarzer Rabe darauf, der über den Stein hüpfte. Das Tier blickte zu Thorkar und schien ihn verhöhnen zu wollen. Der Vogel erhob sich und flog quer durch den Raum.

Thorkar drehte seinen Kopf in die Richtung, in die der Rabe davonflog und aus der er die Stimme vernommen hatte. Dort befand sich eine schwere Holztür – die einzige Möglichkeit, dieses Gewölbe zu betreten oder zu verlassen. Der Rabe flog geschickt durch sie hindurch. Bei der Tür standen zwei Schwarze und ihr Anführer, der dem Fenriker den Rücken zugewandt hatte. Er musste seinen hasserfüllten Blick wohl gespürt haben, denn er wandte sich nun zu Thorkar um und setzte ein breites, freundliches Grinsen auf.

»Wie geht es uns denn?«, fragte er höhnisch. Thorkar starrte ihn nur böse an. Er konnte sich nicht bewegen, denn er war an einen Pfahl gefesselt worden. Seine Hände waren ihm hinter dem Pfahl zusammengebunden worden, und auch an seine Füße hatten sie Fesseln angelegt.

»Wer hätte gedacht, dass ihr drei es bis hierher schafft«, sagte der Anführer, kam langsam zu Thorkar und blickte höhnisch auf ihn herab. »Wir haben uns solche Mühe gegeben, euch zu töten. Aber so unmöglich es auch erscheinen mag, ihr seid allen Widrigkeiten zum Trotz bis zu mir vorgedrungen. Ihr habt sogar einen Gegenzauber für die Furcht gefunden und damit noch mehr meiner Männer bezwungen. Euch habe ich schwere Verluste zu verdanken.« Wütend schlug der Anführer Thorkar nun ins Gesicht, in dessen Mund sich daraufhin etwas Blut ansammelte. Schließlich floss es in einem dünnen Rinnsal aus seinem Mundwinkel heraus. Doch der Fenriker blieb stumm und starrte seinen Widersacher nur finster an, der daraufhin wieder das Wort ergriff.

»Wenn ich mit euch hier endlich fertig sein werde, wird es mir ein Vergnügen sein, dieses kleine aufständische Dorf selbst zu überfallen und jeden darin zu töten.« Er drehte seinen Kopf nach links. »Natürlich auch den Händler und seine süße kleine Tochter, in die du so verliebt bist, kleiner Krieger.«

»Nein!« schrie Karon verzweifelt. Thorkar drehte überrascht seinen Kopf herum. Rechts von ihm waren der Jäger und der junge Krieger ebenso wie er an Pfähle gebunden worden. Karon musste gerade eben erwacht sein und auch Maedanon öffnete in diesem Moment benommen die Augen. Der schwarze Armbrustbolzen, von dem der junge Krieger auf dem Innenhof getroffen worden war, steckte noch immer in seinem Bein.

»Worüber machst du dir Sorgen, Kriegerlein?«, verhöhnte ihn der Anführer. »Es wird dich ohnehin nicht mehr lange kümmern, was mit deiner kleinen Freundin geschieht.«

»Wenn du ihr auch nur ein Haar krümmst«, schrie Karon hasserfüllt, »dann werde ich... «

»Was wirst du dann?«, fiel ihm der Anführer ins Wort. »Deine Fesseln aufreißen und mir an die Kehle springen? Willst du mich mit bloßen Händen erwürgen? Dazu wärst du nicht einmal fähig, wenn du ein Schwert in der Hand hieltest. Also lass deine unsinnigen Drohungen sein oder du wirst den Tag deiner Geburt verwünschen. Es gibt seit einiger Zeit eine hübsche kleine Folterkammer in diesem Schloss und meine Folterknechte sind die besten, die man sich nur wünschen kann. Sie verstehen sich darauf, dir tagelang die unsäglichsten Schmerzen zu bereiten, ohne dich das Bewusstsein verlieren zu lassen. Also, halte deinen Mund, bevor ich sie rufe!«

Karon sagte tatsächlich nichts mehr und starrte den Anführer an. Er wirkte auf Thorkar wie ein trotziges Kind, das seinen Willen nicht durchsetzen konnte. Aber außer brennendem Zorn hatte sich auch Verzweiflung in seinen Blick geschlichen.

»Hast du mir auch etwas zu sagen, Jäger?«

Maedanon blickte seinem Gegenüber ruhig in die Augen. »Nein«, sagte er.

»Wo ist Myrka?« sagte der Fenriker. »Kann sie mir nicht einmal jetzt unter die Augen treten, wo ich hier bin?«

Der Anführer wandte sich überrascht zu Thorkar um. »Wo Myrka ist, willst du wissen?« Er sah an sich hinab und lachte leise. »Verzeih mir, starker Fenriker«, sagte er, und dann veränderte er sich. Sein markantes, männliches Gesicht alterte schnell, seine Haare wuchsen rasch, wurden grau und spröde, seine Nase verlängerte sich, ebenso sein Kinn. Einige Zähne fielen ihm aus, und die restlichen färbten sich faulig gelb. Auch seine Kleidung blieb von der Verwandlung nicht verschont. Seine schwarze Rüstung veränderte sich in ein langes, schlichtes Kleid. Schließlich stand ein unsagbar hässliches, altes Weib vor ihm: Myrka.

»Du bist jetzt noch bezaubernder als damals«, sagte der Fenriker mit beißendem Spott in der Stimme. Der faulige Atem der Hexe schlug ihm ins Gesicht.

»Danke«, kicherte Myrka. »Und du bist noch armseeliger, starker Mann. Ja, sieh mich an. Alles hat seinen Preis, vor allem der Pakt mit einem mächtigen Dämon. Ich bin vielleicht hässlich, doch im Gegensatz zu euch werde ich leben und meine Macht wird bald schon grenzenlos sein.«

»Du warst die ganze Zeit über der Anführer der Schwarzen?«, rief Karon schreckenserfüllt; sein Gesicht hatte die bleiche Farbe eines Toten angenommen.

»Ja«, sagte Myrka und kicherte wieder. »Ich war es, die euch immer auf den Fersen war. Ich habe euch durch den Wald und in die Schlucht hinab gehetzt und ich habe mit dir, kleiner Krieger, in der nebelverhangenen Schlucht gekämpft.« Sie stieß ein wildes Lachen aus. »Weißt du, wie nahe du daran gewesen bist, mich zu töten? Du hättest mir nur den Kopf abschlagen müssen, dann wäre es vorbei gewesen.«

»Aber der Totenkopf...«, stammelte Karon.

»Was soll denn damit sein?«, rief Myrka und ihr Kopf verwandelte sich in den bleichen Skelettschädel mit den böse glitzernden roten Augenhöhlen. Die Gefangenen stießen ein überraschtes und erschrecktes Keuchen aus. »Nichts weiter als eine lumpige Illusion.« Sie beendete die Zauberei wieder.Thorkar erholte sich am schnellsten wieder. »Wie ist es dir gelungen, uns immer wieder in deine Träume hineinziehen?«, fragte er. Wut und Hass schwangen in seiner zitternden Stimme mit...

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Erstellt: 28.04.2005, zuletzt aktualisiert: 24.02.2015 09:00