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Die Saat der Yôkai von Martin und Maho Clauß

Rezension von Christel Scheja

 

Noch vor zwanzig Jahren war die japanische Kultur und Mythologie etwas, das nur sehr wenige Menschen interessierte. Inzwischen hat sich das durch Mangas und Animes geändert. Auch Jugendliche kommen nun durch die Bildergeschichten in Berührung mit der Sagenwelt und den Gebräuchen aus dem Land der aufgehenden Sonne und wissen daher mit Begriffen wie Oni oder Tenno etwas anzufangen. Deshalb bedarf es auch keiner großen Erklärungen mehr, um eine spannende Geschichte zu erzählen wie Martin und Maho Claus mit „Die Saat der Yôkai“ beweist.

 

Angst erfüllt die Menschen im Land der Aufgehenden Sonne, denn ein unheimlicher Schatten zieht durch das Land und erweckt gefährliche Geister zum Leben, die in ihrem Zorn nicht vor Unschuldigen halt machen. Die Yôkai, bizarre Zauberwesen, greifen harmlose Reisende an, überfallen Dörfer und fordern immer wieder einen hohen Blutzoll.

Doch wer ist es, der sie freisetzt, und warum? Will er das Reich ins Chaos stürzen, wie einst die Entscheidung des Kaisers, die Hauptstadt von seinem angestammten an einen anderen Ort zu verlegen, handelt er aus Rachsucht oder Weisheit?

Um das heraus zu finden werden kleine Gruppen von Wagemutigen ausgeschickt, die dem Treiben der bösen Geister Einhalt gebieten, den Schuldigen ergreifen und seine Motive heraus finden sollen. Dazu gehören die Onmyôji, Angehörigen des Amtes für Wahrsagerei und Magie, die sonst für den Kaiser die Zukunft lesen oder dessen Entscheidungen unterstützen oder als Warner auftreten, ebenso wie Männer und Frauen aus dem Volk. Um Abenteuer zu erleben, schließt sich auch der junge Taugenichts Hayate, der lieber den ganzen Tag lang Go gegen sich selbst spielt als ein Handwerk zu erlernen, einer solchen Gemeinschaft an.

Zusammen mit dem angeberischen und unmäßigen Onmyôyji Tatsurô und der so naiven wie dummen Urara zieht er durch das Land. Sie fragen in den Dörfern nach unerklärlichen oder unheimlichen Vorkommnissen und dem Auftauchen von Yôkai. Wenn es sein muss, stellen sie sich den gefährlichen Kreaturen und versuchen sie so schnell und gut wie möglich auszuschalten.

Hayate fragt sich jedoch schon bald, ob er mit solchen Gefährten überhaupt eine Überlebensschance hat, denn einerseits muss die meisten Ideen liefern, obwohl er der unerfahrenste der Schar ist und zum anderen erweist sich Tatsurô bald als ebenso unfähig wie Urara. Doch dann lernt er auch die Vorzüge seiner Wegbegleiter kennen und richtig einzusetzen.

Es ist auch der junge Mann, der schließlich den Schatten ausfindig macht, der so viel Ärger über das Land bringt. Durch ihn erfährt er, dass vieles anders ist, als es scheint und hinter allem ein wohl überlegter Plan steckt, der vor noch größerer Gefahr schützen soll.

 

Ganz so geradlinig erzählt ist die Geschichte nicht. Maho und Martin Clauß werfen zunächst unzusammenhängend scheinende Episoden in den Raum. Je weiter man jedoch im Roman kommt, desto schneller erkennt man, wie fein die Geschehnisse miteinander verwoben sind. Plötzlich ergibt jede Szene ihren Sinn. Nach und nach fügt sich ein erstaunlich komplexer Hintergrund zusammen, der viel von der Lebensart und Weisheit des alten Japan wiedergibt. Es gibt keine klar definierten Grenzen, denn immer wieder erfährt man zusammen mit den Held neue Aspekte des Konfliktes, der eigentlich tobt, und in dem die Yôkai eigentlich nur eine kleine Rolle einnehmen.

Auch in die Figuren wächst man nur langsam. Selbst Hayate, der auch die Stelle des Erzählers einnimmt, bleibt dem Leser erst einmal fremd. Dich wenn das Eis erst einmal gebrochen ist, beginnt man seine freche und selbstbewusste Art zu schätzen. Und seine Fähigkeit weitaus flexibler zu sein als der Rest der Figuren, die entweder in ihre festgefügte Rolle gezwungen wurden wie zum Beispiel Urara oder aus freien Stücken gewählt haben, wie der teefarbene Schatten.

Von vorne herein stimmt aber die Atmosphäre. Das Autorenehepaar benötigt keine großen Worte, um die exotische und geheimnisvolle Stimmung des Landes zum Leben zu erwecken. Es sind Details, die der Szenerie Leben geben, schlichte und einfache Erklärungen, die die Geschichte voran treiben und in eine fremdartige aber wundersame Welt entführen.

Darüber hinaus vergessen sie aber auch nicht eine spannende Geschichte zu erzählen. Immer wieder müssen die Helden mit List, Verstand und Geschicklichkeit gefahren überwinden und sich manchmal auch Kämpfen stellen. Dass sie dabei leiden und Schmerzen und Furcht empfinden macht sie sehr menschlich und lebendig.

 

„Die Saat der Yôkai“ ist durch seine versponnene Erzählweise, ein Werk, auf das man sich erst einlassen muss. Ist das aber gelungen bekommt man eine Geschichte präsentiert, die eine exotische Atmosphäre, lebendige Figuren und von Anfang bis Ende spannende Handlung bietet.

 

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Die Saat der Yôkai

Autoren: Martin und Maho Clauß

gebunden, 400 Seiten

Ueberreuter, erschienen Januar 2008

ISBN 978-3-8000-5400-8

Titelbild von Paolo Barbieri

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.03.2008, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54