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Kolumne: Die Sache mit ... den LKZL

Autor: Holger M. Pohl

 

 

Die erste Frage, die sich dem geneigten Leser stellen wird: Was zur Hölle sind LKZL? Nun, die Antwort darauf ist zunächst einmal: LKZL ist kein offiziell anerkannter Begriff. Noch nicht. Aber was ist, kann ja bekanntlich noch werden.

Jeder - oder fast jeder - weiß, was DKZV sind. Druckkostenzuschussverlage, Pseudoverlage. Die verdienen mit der Eitelkeit der Autoren ganz schön viel Geld. Leider. Und nein, falls das jemand immer noch nicht begriffen hat, die verdienen dieses Geld nicht damit, dass sie Bücher verkaufen. Das ist nur eine angenehme und gerne mitgenommene Nebenerscheinung. In erster Linie verdienen sie ihr Geld damit, dass sie Illusionen verkaufen. Und trotz aller Warnungen gibt es immer noch viel zu viele Autoren, die darauf hereinfallen. Oder sich ihre Eitelkeit damit befriedigen lassen. Die Geschäftsmodelle sind vielfältig und manchmal ganz schön ausgebufft.

 

Aber was hat nun ein LKZL damit zu tun? Und was ist ein LKZL überhaupt? Gemach, geneigter Leser, gemach. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Es gibt sogar Zungen, die behaupten, das Rom aus einem Ei schlüpfte.

Mit Autoren Geld verdienen zu wollen ist grundsätzlich eine legitime Angelegenheit. Und wenn man dieses mit streng auslegt, so ist es immer ein gemeinsam. Doch DKZV und LKZV wollen im Zweifelsfall nicht mit, sondern durch Autoren Geld verdienen. Wenn der Autor keines verdient, dann stört sie es nicht besonders. Nicht jeder kann Profit machen in der Welt des Schreibens.

Es ist auch legitim, seine Dienstleistung anzubieten. Wenn man das auf faire Art und Weise macht und nicht trickreich durch die Hintertür. Oder mit unehrlichen Lobhudeleien. Manchmal muss man deutlich und klar Stellung beziehen und sagen: Sorry, die Geschichte ist nichts. Schreib sie neu, schreib sie besser! Oder lass es bitte einfach sein! Such Dir ein anderes Hobby, etwa Politiker. Die müssen nichts können.

Und hier kommen nun langsam aber sicher die LKZL ins Spiel. Denn viele Autoren machen gerne eines: Sie laden irgendwo ihre Geschichte ganz oder in Teilen hoch und stellen sie einer kleinen lesenden Öffentlichkeit zur Begutachtung zur Verfügung. Etwa in einer magischen Facebook-Gruppe. Wenn nun ein Kommentar kommt wie “Toll! Klasse! Nichts, was man nicht mit ein bisschen Lektorat in Griff bekommen könnte! - Übrigens bin ich Lektor!”, dann stellt sich für den Autor nicht die Frage, ob dieser Kommentar ehrlich gemeint ist. Denn er kann nur ehrlich sein, weil er ja von einem Lektor kommt. Und Lektoren sind Personen, die etwas von der Sache verstehen. Sagen sie jedenfalls. Also arbeitet man weiter an der Geschichte, stellt immer wieder Leseproben ein und bekommt vom Lektor immer wieder ein “Daumen hoch! Weiter so!”

 

Irgendwann ist man dann fertig und nun will man ja das Ding auch veröffentlichen. Und da fällt einem dieser “so voll des Lobes über meine Geschichte”-Lektor ein. Der kann doch …

Natürlich kann er. Und natürlich wird die Geschichte anschließend so gut sein, dass kein Verlag sie ablehnen kann. Sie ist ja bereits lektoriert und das erhöht die Chancen ungemein, dass sie angenommen wird. Garantien gibt es natürlich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit … und weil man ein erfahrener (wenn auch völlig unbekannter) Lektor ist … und überhaupt … und sowieso … und die Lektoratskosten bekommt man durch den Buchverkauf locker wieder rein …

 

Wie? Halt! Stopp! Lektoratskosten?

Ja, klar, ein Lektor arbeitet ja nicht umsonst. Das muss man verstehen, doch wie schon gesagt, die Geschichte hat so viel Potential und es ist wirklich nicht viel Lektorat notwendig und die Kosten amortisieren sich schnell und es kommt viel besser bei einem Verlag an, wenn die Geschichte bereits lektoriert also quasi druckreif ist …

Na gut, dann mache ich es halt.

Sehr schön. Aber nur zur Sicherheit, hier bitte unterschreiben. Die Kosten kannst du übrigens von der Steuer absetzen …

 

Ist nun jedem klar, was LKZL sind? Nein? Ist doch ganz einfach:

Lektoratskostenzuschusslektoren.

Sie argumentieren oft auf ähnliche oder sogar dieselbe Weise wie ein DKZV.

Natürlich gibt es sehr viele Lektoren, die fair und ehrlich mit ihrer Klientel umgehen. Sie sind Dienstleister und sie sagen das ganz offen: Du wolle Lektorat - ja, kostet das und das. Keine Garantie für irgendwas!

Was sie nicht sagen und auch nicht sagen müssen, denn jeder, der ein bisschen Ahnung hat, der weiß das: Ein lektoriertes Werk hat keine höheren Chancen von einem Verlag angenommen zu werden. Ein Verlag veröffentlicht, wovon er überzeugt ist, nicht weil ein Autor sein Werk im Vorfeld bereits hat lektorieren lassen.

So etwas reden die LKZL ihren Opfern … äh den Autoren nur gerne ein. Wie DKZV ihren Opfern … ich meine Autoren gerne einreden, dass ihr Werk genau das ist, worauf die Welt gewartet hat; dass jedes Manuskript es verdient, veröffentlicht zu werden; dass die anderen (und seriösen - was man aber nicht sagt) Verlage neuen Autoren keine Chance geben … und … und … und …

 

Ich habe mehrere Verleger befragt und alle meinten sinngemäß unisono: Ich muss Lektor UND Autor kennen, damit ein bereits lektoriertes Werk die Chance auf eine höhere Wahrnehmung hat. Die Annahme ist damit noch lange nicht garantiert.

Trotzdem gibt es Lektoren (und ich meine damit auch immer Lektorinnen) die auf dieser Masche reiten. Sie schleichen sich in Gruppen oder Foren, machen erst mal auf freundlich und hilfsbereit, loben jede Leseprobe, die ihnen in die Finger fällt oder vors Auge kommt über den grünen Klee, lassen immer wieder eine Bemerkung fallen, dass mit ein bisschen Lektorat die Sache geritzt wäre und Mann respektive Frau ja Lektor wäre - so nebenbei gesagt. Und spielen auf diese Weise mit den Träumen der Autoren genauso wie DKZV es tun. Ein Verleger erzählte mir von so einen Fall. Ein Autor hatte sin Werk vorab für 1800 Euro auf eigene Kosten lektorieren lassen. Aber das Lektorat war so mies, dass der Verleger das Werk noch einmal richtig lektorieren lassen musste. Autor geknickt, Geld futsch für nichts - LKZL halt. Viel heiße Luft, herzlich wenig dahinter. Außer Spesen nichts gewesen …

 

Wenn man ungestraft zu einem DKZV Pseudo-Verlag sagen darf, dann muss man solche Lektoren und Lektorinnen auch Pseudo-Lektoren nennen dürfen. Wer sein Werk als SP veröffentlichen will, der braucht natürlich ein Lektorat. Dafür gibt es gute Lektoren als seriöse Dienstleister. Wer daran denkt, sein Werk einem Verlag anzubieten, der braucht zunächst kein Lektorat. Seriöse Verlage sorgen bei Annahme nämlich schon selbst dafür.

Nur die Pseudos – ob DKZV oder LKZL – spielen mit der Eitelkeit und den Illusionen der Autoren. Und damit lässt sich bekanntlich gut verdienen und gut leben. Was interessiert die, was am Ende für die Autoren dabei herauskommt. Hauptsache die eigene Kasse stimmt! Ein wirklich tolles neues Geschäftsmodell.

Es gibt ja die Seite NEIN zu Druckkostenzuschussverlagen. Vielleicht sollte ich auch eine Seite eröffnen:

 

NEIN zu Pseudolektoren

 

 

 

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Eure Meinung:

Holger M., 28.01.2018, 18:52:
Vielen Dank für Dein Feedback!
Petra, 28.01.2018, 17:42:
Hallo, ich habe von einem relativ unbekannten Autoren ein Buch bekommen. Die Geschichte war gut und unterhaltsam, die Fehlerzahl sehr hoch und auch an der Rechtschreibung mangelte es etwas. Ich habe dem Autor das so geschrieben. Er meinte, er habe extra eine professionelle Firma beauftragt, sein Werk zu lektorieren und er war sich sicher, dass sie es gut gemacht hätten. Auf Grund meiner Rezension und der fehlerliste, die ich ihm per Mail geschickt habe (das wollte er) hat er das Lektorat gewechselt und die Hälfte der gezahlten Kosten erstattet bekommen. Wenn die schon horrende Summen nehmen, sollten sie es auch richtig machen. ich empfehle jedem Rezensenten, ehrlich und fair zu den Autoren zu sein, auf mieses Lektorat hinzuweisen und so vielleicht die schwarzen Schafe vom Markt zu bekommen. Autoren haben es eh schwer, Fuß zu fassen, ein Dank an die Kleinverlage, die das Lektorat mit übernehmen, wenn die Geschichte überzeugt.
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Erstellt: 28.01.2018, zuletzt aktualisiert: 28.01.2018 10:21