Als mehrere Handwerker entführt werden, entschließt sich ein Stadtrat von Dunthrak, auf eigene Faust Braahak Rabenauge zu engagieren. Der merkt mit seiner Erfahrung schnell, dass das eigentliche Problem erheblich tiefer liegt. Er tauscht tief in die Eingeweide der Stadt ein, die im wörtlichen Sinn tief im Untergrund verborgen liegen. Er begegnet Leuten, bei denen unklar ist, ob sie Gegner oder Verbündete sind.
Mit seiner Reihe um Braahak Rabenauge präsentiert Vitor O. D. Pielgream eine ungewöhnliche Kombination aus Steampunk, Detektivgeschichte und Verschwörungsstory. Auch die Handlungswelt entspricht nicht den ›üblichen Verdächtigen‹. Ist Steampunk meist in einer alternativen Geschichte unserer Welt angesiedelt, handelt es sich hier um eine ganz eigene Welt, deren Bevölkerung sich aus Menschen, Zwergen, Goblins und Orks zusammensetzt, womit auch ein typisches Fantasy-Element einfließt. Magie in jeglicher Form fehlt jedoch zumindest bisher gänzlich. Der Protagonist selbst ist ein Zwerg. Die konkreten körperlichen Unterschiede zwischen den humanoiden Charaktergruppen werden bisher nicht thematisiert, sodass offen bleibt, ob Braahak von seiner Körpergröße den üblichen Vorstellungen von Zwergen entspricht, zumal ein junger Goblin, der wohl zu seinem Assistenten wird, eindeutig kleiner als er zu sein scheint.
Der Autor entwickelt eine ganz eigene Ausdrucksweise, wie ich sie so noch nie in einem anderen Werk gelesen habe, die aber gut zu dieser Welt passt. Vergleiche basieren meist auf mechanischen Vorgängen. Ausgiebig thematisierte akustische und olfaktorische Eindrücke spielen eine große Rolle. Allerdings kann man den Schlussfolgerungen des Protagonisten oft nicht vollständig folgen. Der Band endet weitestgehend offen, weshalb Auflösungen erst in Band 2 zu erwarten sind. Auf den (hoffentlich nicht zu lange) zu warten, dürfte sich definitiv lohnen.