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Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Der junge Jim Hawkins gerät an eine Schatzkarte und bildet mit seinen Freunden Dr. Livesey und Squire Trelawney sofort ein Expeditionsteam, um den verborgenen Schatz des Piratenkapitäns Flint zu finden. Doch die frühere Piratenmannschaft Flints ist ebenfalls hinter dem Geld her und heuert unerkannt auf dem Expeditionsschiff an. Auf der Insel angekommen, beginnt der Kampf der Piraten gegen den Rest der Besatzung um den begehrten Schatz.

 

Rezension:

Die Literaturgeschichte kennt eine Menge Mythen, an deren Anfang ein ganz besonders Buch steht. Seien es Vampire, Indianer oder Piraten, die grundsätzliche Vorbelegung erfolgte spontan durch ein Buch, dessen Verbreitung zur Meinungsbildung beitrug und über viele Ländergrenzen hinweg dafür sorgten dass sich das Bild ganzer Kulturen prägte.

So ist es mit der Schatzinsel geschehen. Ein Buch mit Piraten, dass für Generationen festlegte, wie wir uns sie und ihr Leben vorstellen - wer daran zweifelt sollte sich die Fluch der Caribik-Filme ansehen und mit dem Jugendbuch von Robert Louis Stevenson vergleichen.

Als er 1881 Die Schatzinsel als Fortsetzungsgeschichte in einer Jugendzeitschrift veröffentlichte, bediente er nicht nur eine junge und durch die wenige Jahre zuvor durchgesetzte allgemeine Schulpflicht, wachsende Leserschaft, er schrieb auch entgegen der gängigen Mode.

Das viktorianische Zeitalter stand für Realismus ohne damit auch wirklich die Realität abzubilden. Zwar beschrieb man in den Romanen der Zeit die Gegenwart im Detail, überging aber das menschliche Wesen, dass diese Details berührte, ihnen Sinn und Bedeutung gab.

Stevenson wollte nicht Realist sein, er nannte sich Romancier. Und so stürzte er seine Hauptfigur Jim Hawkins in ein großes Abenteuer durch einen spontanen Einfall des Jungen. Von Höhepunkt zu Höhepunkt folgt der Junge seinen Instinkten, seinem Gefühl, handelt spontan nach Lust und Laune.

Am Ende steht der jugendliche Held als der große Gewinner dar, trotz aller Übermächtigkeit der Erwachsenen oder der Umstände. Gleichwohl ist die Schatzinsel kein Bildungsroman. Keine der Figuren ändert sich im Laufe der Handlung. Zwar wechselt John Silver einige male die Seiten, jedoch ist das der Kern seines Wesens, seine Überlebensstrategie. Genau hier setzt auch ein anderer wesentlicher Zug an Stevenson Roman an: Es gibt keine pauschalen Verurteilungen. Jim beurteilt stets die Situation und erkennt, warum die anderen so handeln, wie er es sieht. Da auch viele seiner Handlungen spontan erfolgen, sind die Konsequenzen oft gar nicht vorhersehbar und damit auch ein Urteil verfrüht. In der Gestalt des Ben Gunn zitiert Stevenson jenen berühmten Vertreter der Vorsehung, Robinson Crusoe, der seine Erlebnisse als eine Strafe ansieht, als Folge eines göttlichen Urteils. In der Schatzinsel wird niemand tatsächlich bestraft. Man bringt sich gegenseitig um, stirbt im Kampf oder erliegt Verletzungen und Krankheiten, obwohl oft über das Hängen erzählt wird.

Stevenson sprach davon, dass die Lektüre seiner Bücher über das Lesen hinaus bewegen sollen, dass sich das Erleben festsetzen und nachwirken soll.

Ohne Zweifel gelang ihm das.

Bei ihm waren Jugendliche einfach Kinder und konnten ihren Drang nach Abenteuer ausleben. Die Suche nach erregender Gefahr, das Bestehen durch Mut und die Belohnung von Neugierde eröffneten Auswege aus der strengen Erziehung.

Stevenson wusste, wovon er da schrieb. Schon früh zwang ihn ein Lungenleiden dazu, auf seine Gesundheit Rücksicht zu nehmen und das fordernde Abenteuer zu meiden. Aber er spürte, dass es wichtig war. Wenigstens in seinen Büchern überwand er die Schranken der eigenen Schwäche und trat den Herausforderungen des Kampfes von Gut und Böse entgegen.

Auch beim Schreiben begann alles mit einer Karte, fast wie im Buch selbst. Wenn heute Kinder auf eine Schatzsuche gehen, haben auch sie diese Karte und das unbändige Drängen der Kindheit in sich.

 

Wer sich noch tiefer mit dem Wesen der Schatzinsel beschäftigen will, dem sei das vorzügliche Essay von Uwe Böker im Nachwort empfohlen, dass er bereits 2000 für die Patmos-Ausgabe verwendete. Ergänzt wird der Anhang wie gewohnt durch eine werkspezifische Zeittafel – dtv glänzt hier stets bei seinen Klassikerausgaben.

 

Fazit:

Einer der berühmtesten Abenteuerbücher ist Die Schatzinsel, wer das leicht lesbare, tempo- und spannungsreiche Original noch nicht gelesen hat, kann mit dieser formidablen und preiswerten Ausgabe nichts falsch machen. Ein Buch, dass nie altert.

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Otto
Samstag, 27. November 2010 13:03 Uhr
Ich möchte Mr. Stevenson von Herzen danken. Ohne seine Geschichte wäre ich vielleicht nie zum Lesen gekommen. Das Klopfen des Stumpfens von John Silver ging mir bis in meine Träume nach, was habe ich nicht mit dem jungen Jim Hawkins gelitten, bin in meinen Träumen (zugegeben...nicht nur in meinen Träumen) in seine Rolle, in sein Leben geschlüpft. Ach ja...die Schatzinsel und Robinson Crusoe....und natürlich der gute Tom Sawyer brachten mich zum Lesen. Gut so...

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Buch:

Die Schatzinsel

Original: Treasure Island, 1883

Autor: Robert Louis Stevenson

Übersetzer: Richard Mummendey

Nachwort: Uwe Böker

Taschenbuch, 256 Seiten

Cover: Frederic Edwin Church

 

ISBN-10: 342313884X

ISBN-13: 978-3423138840

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.11.2010, zuletzt aktualisiert: 04.10.2018 15:58