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Die Schuld von John Grisham

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Clay Carters Leben ist geprägt von latenter Mittelmäßigkeit. Seine Karriere als Anwalt beim OPD scheint entgegen der persönlichen Erwartungen nicht den Übergang zur eigenen Kanzlei zu gewährleisten, aber auch sein Privatleben an der Seite von Rebecca van Horn ist äußerst problematisch, da Carter wegen seiner mittelständigen Herkunft nicht ins Schema seiner potenziellen Schwiegereltern hineinpasst. Als die Beziehung schleichend zu Ende geht, bekommt Carter dann jedoch ungeahnt die Möglichkeit, seine Misere zu durchbrechen. Ein mysteriöser Unbekannter namens Max Pace verschafft ihm Unterlagen für die Klage gegen einen Pharmakonzern, der dem jungen Anwalt in Windeseile ein Vermögen von 15 Millionen Dollar einbringt. Nach der Errichtung der eigenen Kanzlei und weiteren Gewinnen in dreistelliger Millionenhöhe wird Carter über Nacht zum Staranwalt unter den Sammelklägern und wird selbst von Washingtons kritischer Presse gefeiert. Doch im Bann seines neuen Vermögens wird der einst bodenständige Clay leichtsinnig. Millionen werden in die Werbung für einen noch größeren Fall gesteckt, während im Hintergrund schon die ersten Zweifel ob der Aufrichtigkeit der eigenen Methodik aufkeimen. Und tatsächlich soll ihm die plötzliche Gier alsbald zum grausamen Verhängnis werden…

 

 

Rezension:

Mit „Die Schuld“ wagt sich Starautor John Grisham nach einiger Zeit wieder an einen Plot heran, der sich deutlich an den Wurzeln des schreibenden Juristen orientiert. Einige prägnante Elemente aus seinem Durchbruchsbuch „Die Firma“ verschmelzen in der erschreckenden Story um den naiven Anwaltsjüngling Clay Carter mit Versatzstücken aus „Die Jury“, werden jedoch mit noch mehr juristischen Fakten und einer inhaltlichen Rundum-Modernisierung neu und erneut spannend aufgearbeitet.

Die Story nimmt dabei einige sehr rasche, überraschende Wendungen auf, beginnend mit den Einstellungen der zunächst spärlich, später aber mit scharfem Blick fürs Detail beschriebenen Charakteren über den Wechsel der betrachteten Fälle bis hin zum Radikaleinschnitt, mit dem die beispiellose Pleitenserie eingeläutet wird. Ähnlich wie beim jüngsten Bestseller „Der Gefangene“ baut Grisham die Story hierbei sehr bedächtig auf, nimmt sich Zeit für einen Haufen schier unwichtig erscheinender, nachher jedoch umso bedeutsamerer Details, bedient sich wieder einer gewisser Ironie beim Gedankenspiel seiner Hauptfiguren und schildert die Tragödie mit einer Mischung aus emotionaler Härte und nüchterner Gefühlskälte, deren Raffinesse und Eleganz wahrscheinlich auch nur von diesem Autor ausgehen können.

Dabei ist die Erzählung auf den ersten Blick gar nicht mal so unglaublich spannend, da sie sich prinzipiell nur auf einer dramatischen Aneinanderreihung von unfassbaren Fakten stützt. Carter kommt als genervter Pflichtverteidiger für mittellose Drogenabhängige mit einem unverhofften Ruck an die finanzielle Spitze der amerikanischen Strafverteidiger, wagt auf Basis von Fakten eines nebulösen Unbekannten ein Spiel mit unschätzbaren Geldmitteln, setzt letztendlich alles auf eine Karte und gewinnt immer und immer wieder. Nie jedoch verlässt den Protagonisten dabei die ihm anheim wohnende Naivität, die sich später als sein größtes Problem herausstellen soll und ausschlaggebend dafür ist, dass ihm nicht nur das Ende seiner Glückssträhne droht, sondern auch Gefängnisstrafen und Gegenklagen in Millionenhöhe. Dies alles bleibt unumstößlich und somit das Grundgerüst der Handlung, die ihren Reiz schließlich einmal mehr aus der präzisen Darstellung des amerikanischen Justizwerkes gewinnt, welche wiederum von Grisham in einer lebhaften Infotainment-Tragödie absolut vollkommen aufbereitet wird. Und überdies hat er mit Clay Carter mal wieder eine Figur erschaffen, wie man sie in der Tat seit „Die Firma“ nicht mehr in seinen Romanen bewundern durfte, sondern stattdessen in ähnlich gelagerter Form schmerzlich vermisste.

 

 

Fazit:

„Die Schuld“ ist letztendlich sozusagen das Bindeglied zwischen Grishams Debütwerken und seinen moderneren Inszenierungen, als solches aber definitiv ein weiteres Meisterwerk aus der Feder des prominenten Bestseller-Autors. Gerade diejenigen Leser, die den Jura-Schriftsteller für Arbeiten wie „Die Firma“ und „Die Jury“ schätzen, werden an diesem neuen Drama ihre helle Freude haben.

 

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Die Schuld

Autor: John Grisham

Broschiert: 448 Seiten

Verlag: Heyne (1. April 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453721721

ISBN-13: 978-3453721722

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.06.2008, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18