Die Schwarze Trilogie
 
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Die Schwarze Trilogie

Rezension von Christian Endres

 

Passend zum 100. Geburtstag des französischen Krimi-Autors Léo Malet (1909-1996) erscheint nach den Comic-Adaptionen von Jacques Tardi (dt. bei Carlsen und der Edition Moderne) wieder einmal eine neue Comic-Interpretation von Malets umfangreichen Schaffen auf Deutsch.

 

Autor Philippe Bonifay und Zeichner Youssef Daoudi nahmen sich für den frankobelgischen Verlag Casterman Malets berühmter »Trilogie noire« an. Die drei Bücher der » Schwarze Trilogie« wurden im Original zwischen 1948 und 1949 als »Das Leben ist zum Kotzen« (»La vie est dégueulasse«, 1948), »Angst im Bauch« (»Sueur aux tripes«, 1949) und »Die Sonne scheint nicht für uns«, (»Le soleil n'est pas pour nous«, 1949) veröffentlicht. Wie gut diese Romane immer noch sind, zeigt allein die Tatsache, dass sie bis heute stets im Druck bleiben konnten (in deutscher Übersetzung aktuell als Taschenbücher bei der Edition Nautilus). Ehapa nun hat die Comic-Version dieser scheinbar unvergänglichen Trilogie dankenswerterweise in einem schön aufgemachten All-In-One-Hardcover komplett zusammengefasst – und damit einen der bis dato besten Bände dieses ehrgeizigen Formats vorgelegt.

 

Bonifay und Daoudi gelingt es nämlich, die Essenz der meisterhaft düsteren, oft ziemlich tragischen Geschichten von Malet - über vom Leben angewiderte Raubmörder auf scheiternder Sinnsuche; über in der Armut und den Fährnissen des Lebens versumpfende und verzweifelnde Jugendliche; und über einen heimgesuchten Trickbetrüger - in ihren drei Adaptionen einzufangen. Manchmal mag ein Panel auf der Meta-Ebene nicht ganz funktionieren, ist das Buch-Original dem eingedampften Comic also überlegen. Im Großen und Ganzen destilliert das Künstler-Duo Malets Romane über unterschiedliche, aber durchgehend unglücklich zappelnde und am Ende immer fallende Ganoven aber zu intensiven, guten Comic-Adaptionen.

 

Malet ging es in seiner meisterhaften »Schwarzen Trilogie« nicht primär um kriminalistische Aspekte. Wie in den meisten richtig guten und entsprechend zeitlosen Noir-Werken ging es ihm vor allem um Menschen und ihre Schicksale – ihre Träume, ihre Sehnsüchte, ihr ewiges Strampeln und ihre bitteren Niederlagen. Das erweitert den Krimi gerade in der Literatur um eine weitere Ebene und Dimension.

 

Umso schöner, dass diese Ebene auch in der Comic-Interpretation erhalten geblieben ist und von Bonifay und Daoudi mit Gespür für die Vorlage und das Genre erkundet wird. Angst im Bauch wirkt als schwächstes Glied der Kette am Ende des Bandes hier und da ein bisschen gehetzt, hat aber genauso seine Momente wie die richtig guten ersten beiden Geschichten aus Malets tragischen Milieustudien.

 

Ein ganz starker Band.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202406251022360fe2cfdf
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Comic:

Die Schwarze Trilogie

Reihe: all in one

Autor: Léo Malet

Adaption: Philippe Bonifay

Zeichner: Youssef Daoudi,

Ehapa, September 2009

Hardcover, 168 Seiten

ISBN: 3770432606

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 26.10.2009, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 9449