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Die silbernen Ströme

Reihe: Die Saga vom Dunkelelf Bd. 5

Rezension von Christian Endres

 

Bruenor Heldenhammer macht sich auf, die Silbernen Ströme zu finden, das Erbe und Vermächtnis seiner Familie. Mit dem titelgebenden Dunkelelfen Drizzt Do’Urden, dem starken Barbaren Wulfgar und dem cleveren Halbling Regis an seiner Seite, gilt es für den schlagkräftigen Zwergenkönig in bester Rollenspiel-Marnier, allerhand Gefahren abzuwenden und Questen zu bestehen, während auf dem Weg vor und hinter dem Quartett nicht weniger Gefahren oder Feinde lauern, die allesamt ihr eigenes Spiel spielen und ihre eigenen, finsteren Ziele verfolgen...

 

Ist der das? Der Stoff, aus dem abenteuerliche Rollenspiel-Fantasy gemacht ist? Vielleicht. Und vor allem vor 15 Jahren. Inzwischen haben sich sowohl die Romane von R. A. Salvatore, als auch folglich die Adaption seines eher rustikal-klassischen Dunkelelf-Stoffes etwas abgenutzt und viel von ihrer einstmaligen Frische verloren. Das liegt vor allem aber auch daran, dass die Suche nach dem unterirdischen Nachlass eines alten Zwergenkönigreichs samt besonderem Silbererz stark an Tolkiens Moria erinnert - und so gleich ein schon viel zu oft bemühtes Fantasy-Klischee aus dem Herrn der Ringe verarbeitet.

 

Was eigentlich nicht zwingend nötig wäre. Drizzt und seine Kameraden haben genügend eigene Möglichkeiten und Motivationen, auch ohne Anleihen bei Altmeister Tolkien interessante Abenteuer zu bestehen. Das zeigen sowohl Salvatore, als auch Dabb (der da natürlich nur wenig für kann) leider viel zu selten. Wenn sie es tun, ist das dafür wiederum gut gemacht und bringt dem Band gerade in der ersten Hälfte glücklicherweise einige gute Szenen ein. Überhaupt punktet Dabbs Adaption in diesem Teil des deutschen Sammelbandes im schönen Paperback über eine sehr gute Atmosphäre. Gerade die Episode in der Stadt Luskan überzeugt in dieser Hinsicht durch Gassen- und Wirtshausromantik, wie man sie auch in zeitgenössischen Werken der Fantasy noch gerne sieht. Leider nimmt auch diese Atmosphäre zum sprunghaften und lediglich noch auf schnelle Action ausgelegten Ende des Bandes immer mehr ab, sodass die Geschichte erneut hinter ihren Möglichleiten zurück bleibt und im Nirvana der Bedeutungslosigkeit versinkt.

 

Gleiches gilt für Val Semeiks Artwork, das ebenfalls sehr unausgeglichen wirkt: Mal überzeugt er durch ein paar wirklich sehr schöne Panels oder Seiten am Stück, mal entsetzt er den Betrachter förmlich durch eine sträfliche, dilettantische Reduzierung von Gesichtern oder Details. Einige Seiten wirken fast, als seien sie unter großem Zeitdruck und nur mit minimalistischem Aufwand entstanden. Schade! Denn nicht nur im Vorgänger-Band, sondern gar im selben Paperback beweist Semeiks, dass er es eigentlich besser kann - und somit zusammen mit Autor Dabb wirklich eine gelungen atmosphärische und handwerklich sehr solide Adaption der Dunkelelf-Romane auf die Reihe bekommen könnte.

 

Vielleicht ist das Problem der Silbernen Ströme aber auch einfach, dass es ohnehin eine eher schwache Dunkelelf-Episode ist, dazu mit sehr wenig Playtime von Drizzt; die Stärken des Dunkelelf-Charakters kommen in diesem Band so gut wie gar nicht zur Geltung.

 

Was bleibt, das ist ein bestenfalls mittelprächtiges Fantasy-Comic-Machwerk, das eindeutig hinter den letzten Bänden der Saga vom Dunkelelf zurück bleibt. Etwas mehr Sorgfalt hätte der ohnehin schon recht dünnen Geschichte sicherlich gut getan - und vor allem dabei geholfen, dass Dabb und Semeiks ihr Potential sowie das des Dunkelelfs vollständig abrufen.

 

 

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Comic:

Die silbernen Ströme

Die Saga vom Dunkelelf Bd. 5

Autor: R. A. Salvatore

Skript: Andrew Dabb

Zeichnungen: Val Semeiks

144 Seiten, Paperback m.

Klappenbroschur

Panini, September 2007

ISBN: 978-3-86607-475-0

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 12.11.2007, zuletzt aktualisiert: 23.06.2019 12:39