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Die Spur ins Schattenland von Jonathan Stroud

Rezension von Nina Horvath

 

Charlie und Max sind die besten Freunde und gehen zusammen durch dick und dünn. Doch eines Tages, als die beiden eine Radtour zusammen machen, geschieht etwas Schreckliches: Max klettert auf einen Baum, dessen Äste über dem Mühlteich sind und fällt ins Wasser. Dort sieht Charlie, wie ihr Freund von seltsamen Wesen, die aussehen wie Nixen, in die Tiefe gezogen wird. Sie versucht vergebens, ihn zu retten, es gelingt ihr aber nicht, da sie bald schon keine Luft mehr bekommt. Sie muss aufgeben.

Weil sie wegen ihrer Rettungsaktion einen Lungenschaden erlitten hat, muss sie ins Krankenhaus. Auf die Frage der Ärzte und ihrer Mutter hin, was geschehen sei, versucht sie erst, ihnen das zu erzählen, was sich wirklich ereignet hat. Doch sie glauben ihr nicht, da sie glauben, dass Charlie Halluzinationen wegen des traumatischen Erlebnisses, selbst beinahe ertrunken zu sein und dem Tod ihres besten Freundes hat, weil sie dies nicht verkraftet. Sie sind felsenfest der Meinung, Max wäre im Mühlteich ertrunken, doch Charlie weiß es besser. Diese seltsamen Wesen waren es, die Max in eine andere Welt, in das so genannte Schattenland, entführt haben und nur Charlie ist dazu in der Lage, ihrem Freund zu helfen und ihn wieder in die richtige Welt zu holen. Das ist das, woran sie fest glaubt.

Als sie vom Krankenhaus entlassen wird und wieder nach Hause darf, träumt sie jede Nacht von einem Ort, von dem sie fest glaubt, dass es sich um das Schattenland handelt, der Ort, an den Max entführt wurde. Sie beginnt, jede Nacht in ihren Träumen nach Max zu suchen und trifft dort bald auf einen jungen Mann, der etwas Licht ins Dunkel bringt: Max befindet sich auf einer langen Reise. Auf der Reise zur Großen Kirmes, einer riesigen Kirmes im Schattenland. Dort möchte er sich dem Großen Tanz anschließen, was dazu führen wird, dass er vollkommen ins Schattenland übergeht und er seine Vergangenheit vergisst. Charlie versucht, Max zu folgen. Das stellt sich aber als gar nicht so einfach heraus und es ist schier unmöglich, dass es Charlie gelingt, Max noch rechtzeitig einzuholen, denn Max läuft auch tagsüber weiter, wenn Charlie gerade nicht im Schattenland nach ihm sucht. Charlie ist entmutigt, gibt aber nicht auf. Kit versucht ihr zu helfen und gibt ihr den Tipp, auch tagsüber nach Orten zu suchen, die Max früher gerne besucht hat und dort auch tagsüber nach ihm zu suchen. Bald schon gelingt es ihr und sie fühlt sich Max nicht nur näher, sie rückt damit auch jedes Mal einen großen Teil ihres Weges weiter vor. Jedoch muss sie sich trotzdem beeilen, denn die Große Kirmes ist schon bald und wenn sie zu spät kommt, ist Max für immer verloren…

 

Charlie versucht immer verbissener, ihren Freund zu finden und ihr Bruder James macht sich immer noch mehr Sorgen um sie. Er glaubt, dass Charlie einfach nicht verstehen will, dass Max tot ist und den Gedanken nicht verkraftet. Erst als James in ihrem Traumtagebuch liest und merkt, dass sich seine kleine Schwester immer noch seltsamer verhält, merkt er, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht... doch bis er merkt, was mit seiner Schwester los ist, ist es schon fast zu spät…

 

 

In Die Spur ins Schattenland wandelt Charlie zwischen der Realität und der Fantasiewelt hin und her und irgendwann verschwimmt die Grenze zwischen der Realität und der Fantasie immer mehr. Anfangs glaubt man Charlie, dass Max wirklich von Nixen in eine andere Welt entführt wurde, doch später beginnt man sich immer und immer öfters die Frage zu stellen, ob Charlie dies nun wirklich erlebt oder ob sie es sich doch nur einbildet, weil sie den Tod ihres besten Freundes nicht verkraftet. Dadurch, dass Charlie immer verbissener und verzweifelter nach Max sucht und einfach nicht aufgibt, sieht der Leser, wie sehr Charlie an ihrem besten Freund Max hängt. Gibt es nun das Schattenland wirklich und ihr Freund Max wurde dorthin entführt oder entspringt ihre Suche und das komplette Schattenland nur ihrer Fantasie?

Nicht nur dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit irgendwann, sondern auch richtig. Charlies Welt und das Schattenland werden für sie eins, sie sieht beide Welten auf einmal. Bäume, die normalerweise im Schattenland stehen, sind auf einmal vor ihrem Fenster und sogar in ihrem Zimmer und die Große Kirmes und ein normales Volksfest in ihrer Stadt werden für sie zu ein und demselben Fest.

 

Anfangs versucht sie noch, ihrer Mutter, ihrem Bruder und den Ärzten vorzugaukeln, mit ihr sei alles in Ordnung. Erst später merkt ihr Bruder James wegen Charlies Albträumen und ihrem seltsamen Verhalten, dass mit seiner kleinen Schwester etwas nicht stimmt und macht sich zunehmend Sorgen um sie.

 

Auf den ersten Blick scheint es so, als könnte das Buch rein gar nichts Neues bieten und sei absolut nichts Besonderes. Wirklich viel Handlung gibt es in dem Buch nicht. Eigentlich lebt die ganze Geschichte nur von ihren Charakteren und der Frage, ob Max wirklich in eine andere Welt entführt wurde oder ob Charlie sich das bloß einbildet. Am Schluss spitzt sich die Situation immer mehr zu und der Leser weiß bald schon nicht mehr, was nun wirklich und was Halluzination ist, was gut und was böse.

 

Die Charaktere sind glaubwürdig, tiefgründig und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Charlie scheint in James’ Augen in einer völlig anderen Welt zu leben, in einer, die sie für sich selbst erfunden hat. Sie will mit niemandem reden, weil sie weiß, dass ihr sowieso niemand Glauben schenkt. James macht sich große Sorgen um seine Schwester und versucht, ihr zu helfen, auch wenn er ihr Verhalten nicht versteht. Charlies Mutter dagegen scheint nicht recht zu wissen, wie sie mit ihrer Tochter umgehen soll. Zwischen ihr und Charlie bestand noch nie ein besonders gutes Verhältnis und sie scheint nicht recht zu wissen, ob sie sich um ihre Tochter sorgen soll oder ob sie der Meinung sein soll, dass alles in Ordnung ist. Sie will ihr eigenes Leben und ihren neuen Lebensgefährten nicht vernachlässigen, fühlt sich aber dennoch verpflichtet, für ihre Tochter da zu sein. Dann wäre da dann noch Kit. Er ist von Anfang an sehr freundlich zu Charlie und scheint ihr bei ihrer Suche helfen zu wollen. Dennoch beschleicht einem immer wieder das Gefühl, dass Kit auch irgendetwas im Schilde führt und seine eigenen Pläne verfolgt…

 

Der Schreibstil ist durchgehend in Ich-Form und es wechselt ständig zwischen Charlies und James’ Sicht. Dadurch erfährt man, wie Charlie und James ein und dieselbe Situation erleben und sie doch völlig anders erleben. Das ist in dem Buch sehr wichtig, vor allem am Schluss, wo es drauf ankommt, dass man die verschiedenen Sichten von beiden gegenüberstellen kann. Erst dadurch stellt sich die Frage, was nun Fantasie und was Wirklichkeit ist, richtig.

 

 

Fazit:

Die Spur ins Schattenland ist ein schönes Buch, das von seinen Charakteren lebt und zum Nachdenken bringt. Es handelt sich dabei um nichts Besonderes, aber es lohnt sich auf jeden Fall, mal einen Blick zu riskieren.

 

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Die Spur ins Schattenland

Autor: Jonathan Stroud

Broschiert: 320 Seiten

Verlag: Omnibus TB (Dezember 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3570218473

ISBN-13: 978-3570218471

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.12.2007, zuletzt aktualisiert: 03.01.2020 12:37