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Die Tage des Hirsches von Liliana Bodoc

Reihe: Die Grenzländersaga Bd.1

Rezension Ingo Gatzer

 

Der renommierte Suhrkamp-Verlag ist eigentlich weniger für sein Engagement in Sachen Fantasy-Literatur bekannt. Doch nun hat man sich entschieden die Grenzländer-Trilogie der argentinischen Autorin Liliana Bodoc ins Deutsche zu übertragen und zu verlegen. Dem ersten Band, “Die Tage des Hirsches“, für den die Südamerikanerin bereits den Preis der Buchmesse von Buenoes Aires erhielt, werden “Die Tage des Schatten“ (Januar 2009) sowie “Die Tage des Feuers“ (Mai 2009) folgen. Kann die in Buenos Aires lebende Schriftstellerin auch die hiesige Leserschaft überzeugen?

 

Ambivalente Zeichen beunruhigen die Völker der Fruchtbaren Länder. Deshalb senden die Obersten Astronomen Boten aus, um die Vertreter von sieben Völkern zu einer Konferenz in die Sternenstadt Beleram zu rufen. Denn eine geheimnisvolle Flotte von Schiffen wird bald die Fruchtbaren Lande erreichen. Doch wer da über das Meer kommt ist noch unklar. Entweder sind es die freundlich gesinnten Ahnen oder aber die Invasionsarmee des finsteren Misaianes, der Sohn des ewigen Hasses. Der auserwählte Krieger Dulcancellin vom Stamm der Husihuilke reist mit dem Boten Cucub zur Sternenstadt. Aber der Verrat gedeiht bereits in den Fruchtbaren Landen.

 

Bevor die eigentliche Handlung in Gang kommt, beschreibt Liliane Bodoc ausführlich das Volk der Husihuilke. Durch die detaillierte und realistisch wirkende Schilderung sorgt die Autorin dafür, dass die Leser in die Welt der Fruchtbaren Länder regelrecht eintauchen. Gerade die Schilderungen von Bräuchen und Mythen, die an reale amerikanische Naturvölker erinnern, sorgen dafür, dass ein farbenfrohes, facettenreiches und ansprechendes Gesamtbild entsteht.

 

Die Autorin schafft es die Personen überzeugend darzustellen und dabei ihre Unterschiede zu akzentuieren. Am besten gelingt ihr dies bei ihren beiden Hauptfiguren: dem wortkargen, auf die Ehre bedachten Krieger Dulcanellin, der sichtbarer Teil der Kultur der Husihuilke ist und dem völlig gegensätzlichen schwatzhaften Cucub vom Stamm Zitzahay, der anfangs eher wie ein „Bruder Leichtfuß“ wirkt.

 

Der Roman besticht durch seine an Sagen und Legenden erinnernde und teils fremdartig wirkende Sprache, die eine gewisse Poetizität und einen besonderen Charme besitzt. An dieser Stelle muss auch die Leistung des Übersetzers Matthias Strobel hervorgehoben werden, der bereits für die Übertragung der Werke anderer spanisch schreibender Autoren wie Sergio Olguín oder Alfredo Bryce Echenique verantwortlich war. Durch das behutsame Zusammenfügen von Magie, Mythen und Menschen, erschafft Liliana Bodoc eine Welt, die an den Magischen Realismus anderer südamerikanischer Autoren gemahnt. Streckenweise stellt das Buch zudem eine Liebeserklärung an die Fabulierkunst dar, etwa wenn Cucub in seiner Binnenerzählung genüsslich nach allen Regeln der oralen Literatur seine Reise schildert.

 

Einige Leser wird an “Die Tage des Hirsches“ möglicherweise stören, dass die Handlung recht langsam in Gang kommt und actionlastige Sequenzen recht spärlich und eher im letzten Teil des Buches zu finden sind. Zudem wirken einige Erklärungen der allwissenden Erzählerin teilweise deplatziert, wenn sie den Fluss der Handlung ohne Not behindern. Auch wäre es wünschenswert, dass die Bezeichnungen auf der Landkarte der Fruchtbaren Lande, die am Anfang des Buches zu finden ist, vom Spanischen ins Deutsche übertragen würden. Da der Rezension allerdings ein unkorrigiertes Leseexemplar zu Grunde lag, wird dies möglicherweise bei der Buchhandelsaushabe ohnehin geschehen.

 

“Die Tage des Hirsches“ kann somit allen Fantasy-Fans empfohlen werden, die nicht die nächste Abwandlung von “Herr der Ringe“, sondern etwas Originelles und Eigenständiges suchen. Für Anhänger actionlastiger “Sword-and-Sorcery“-Bücher ist das Werk von Liliana Bodoc hingegen nicht geeignet. Wer sich aber auf eine sagenhafte, liebevoll gestaltete und vom Magischen Realismus erfüllte Welt einlassen will, der sollte zu die „Die Tage des Hirsches“ greifen.

 

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Die Tage des Hirsches

Reihe: Die Grenzländersaga Bd.1

Autor: Liliana Bodoc

Verlag: Suhrkamp

Erscheinungsdatum: 14. Mai 2008

Taschenbuch - 320 Seiten

Sprache: Deutsch

Übersetzer: Matthias Strobel

Umschlagillustration: Björn Wirtz

ISBN-10: 3518459791

ISBN-13: 978-3518459799

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.05.2008, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35