Die Teufelsinsel

Reihe: Dorian Hunter 15

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Als der französische Journalist Armand Melville zuhause ankommt, erlebt er eine böse Überraschung: Sein Bruder ist nach einem 'Besuch' des Henkers im Krankenhaus gelandet und dafür ist ein grober Kerl vom Secret Service da, der Antworten hören will. Dieser Brite ist Dorian Hunters Kollege Marvin Cohen – oder sollte man sagen: "Exkollege?" Schließlich ist der Service immer noch ungehalten. Cohen überzeugt Melville von den Vorteilen einer Kooperation und erfährt, dass Melville und Hunter auf eine griechische Insel gefahren seien. Anhand der Video-Aufzeichnungen lassen sich die Erlebnisse mehr oder minder klar nachvollziehen. Zum Beispiel das Treffen mit den Leuten der Cosa Nostra, das Hunter anleierte, nachdem Helnwein sich nicht mehr meldete. Es gab eine ganze Reihe von heiklen Vorkehrungen zu treffen, denn Hunter war immerhin hinter Asmodis, dem Herrn der Schwarzen Familie selbst, her und sein Refugium ist gut gesichert – und wer auch immer die Sicherung betreibt, ist nicht an den Ladungen der Cosa Nostra, sondern nur an den Männern interessiert …

 

Nach der sehr schnellen und gradlinigen Folge Jagd nach Paris nimmt Regisseur Marco Göllner sehr viel Tempo heraus und dazu eine verschachtelte Erzählhaltung ein: Im Kern ist es die Geschichte von Hunter, der zusammen mit Melville ein paar Vorbereitungen trifft, um Asmodis auf seiner Insel zutreffen. So weit ist es eine Art Heist-Plot: Die Protagonisten planen eine illegale Aktion und führen diese später durch. Hier findet sich auch ein grundlegender Fehler: Der Heist-Plot bezieht seine Spannung zunächst aus dem gewitzten Plan, mit dem die Protagonisten die scheinbar unüberwindlichen Hindernisse zu umgehen suchen, und später aus dem Improvisationstalent, wenn trotz sorgfältigster Planung Dinge schieflaufen und aus dem Stegreif Lösungen gefunden werden müssen. Dazu müssen aber die zu überwindenden Hindernisse vorgestellt werden und eben dies geschieht hier nicht; so tappt der Zuhörer die ganze Zeit weitgehend im Dunkeln.

Soweit, so simpel. Doch die Geschichte wird immer wieder unterbrochen, da Melville und Cohen darüber sprechen, und auch dieses Gespräch ist eigentlich nur eine Rückschau, denn die aktuelle Ebene ist die Sichtung des Materials vonseiten der Secret Service- Einheit.

Diesem Handlungsstrang wird nun ein zweiter, eine Art episodische Entwicklungsgeschichte, beigefügt: Der afrikanische Sklavenjunge Agasu, der zum ersten Mal in Wolfshochzeit aufgetaucht war, wurde verraten und auf Haiti als Sklave verkauft. Als erwachsener Mann heißt er Francois Mackendal und beginnt einen Rachefeldzug gegen die weißen Herren. Jetzt hat er den Zorn, den es braucht, und Asmodis bietet ihn einen Platz in der schwarzen Familie an. Doch da ist noch die faszinierende Valiora.

Das Skript gehört zu den schwächeren der Reihe: Es ist zwar keineswegs als ärgerlich zu bezeichnen, doch Spannung kommt aufgrund des erwähnten Fehlers kaum auf.

 

Die Anzahl der Sprechrollen ist durchschnittlich hoch für die Reihe – das Booklet zählt siebzehn auf. Dieses Mal sind sehr viele Bekannte dabei – fast das gesamte Hunter-Team: Thomas Schmuckert als Dorian Hunter, Konrad Halver als Trevor Sullivan, Frank Gustavus als Marvin Cohen, Claudia Urbschat-Mingues als Coco Zamis und vermutlich spricht der nicht aufgeführte Frank Felicetti den Zwerg Donald Chapman; sie alle machen ihre Sache gewohnt gut. Relativ neu ist Marco Sand als Techniker Steve Powell – er war schon in der vorherigen Folge aufgetreten. Sands Stimme kann man aus Reihen wie Sieben Siegel oder Lady Bedfort kennen, allein in dieser Folge bleibt seine Performanz eher blass. Aber es sind nicht nur Bekannte aus dem Hunter-Team dabei, auch Oliver Kalkofe als Armand Melville und Schurkensprecher wie Stefan Krause als Olivaro und Klaus Dieter Klebsch als Asmodis sind mit guter Darbietung dabei.

Doch es sind auch ein paar neue Sprecher dabei: Der schwer einzuschätzende Francois Mackendal wird von Bernd Vollbrecht gesprochen, den nun jeder Gabriel Burns-Hörer kennen wird; außerdem hat der Vollprofi an Reihen wie John Sinclair oder Point Whitmark mitgewirkt. Besonders hat mir die Performanz von Daniela Hoffmann gefallen; die Sprecherin der bezaubernden Valiora muss ihr Oeuvre nicht hinter dem Vollbrechts verstecken: Titania Mediens Gruselkabinett, John Sinclair oder meine Lieblingsserie Schattenreich gehören dazu. Schließlich will ich noch Luise Lunow nennen, die die Voodoo-Hexe Mama-Loi Jorubinia ihre Stimme leiht; man kann sie aus Point Whitmark, John Sinclair und vor allem aus den Live-Hörspielen Der drei ??? kennen – oder aus früheren Dorian Hunter-Folgen.

Alles in allem eine gute bis sehr gute Performanz der Sprecherriege.

 

Die Inszenierung fällt wie üblich aus: Sie ist modern, kommt ohne Erzähler aus, die Geräusche stehen stets für sich selbst und werden zum Teil dramaturgisch verwendet. Eine kluge Hilfe markiert die Übergänge zwischen den Erzählebenen: Wenn das Hunter-Team oder Melville sich den Video-Aufzeichnungen zuwenden, werden die Geräusche für einen Augenblick verzerrt – die Stimmen klingen dumpf etc. Die Musiken sind dieses Mal besonders schwer zu beschreiben: Beim Hunter-Strang werden ungewöhnliche Stücke gespielt, die gut zu Psycho-Thrillern oder dergleichen passen würden, beim Mackendal-Strang sind langsame, tiefe Bläser, vielleicht irgendeine Art Horn, zu hören, die gut zur unheimlichen Atmosphäre des Verfalls passt.

An der Inszenierung gibt es nichts auszusetzen.

 

Fazit:

Via Video-Aufzeichnungen verfolgt das immer noch erboste Hunter-Team den Weg des Dämonenkillers, der in das Refugium des Herrn der Schwarzen Familie selbst eindringen will. Die fünfzehnte Folge schwächelt, was an einem Fehler des Skriptes liegt: Da die Verteidigungsmaßnahmen Asmodis' nicht nachvollziehbar dargestellt werden, können die Vorbereitungen des Heist-Kernplots nicht wirken. Die anderen Aspekte – Sprecherriege und Inszenierung – sind allerdings auf gewohnt hohem Niveau.

 

 

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Hörspiel:

Die Teufelsinsel

Reihe: Dorian Hunter 15

Produzent: Dennis Ehrhardt

Regie: Marco Göllner

Label: Folgenreich

Erschienen: August 2011

Umfang: 1 CDs, ca. 80 min

ASIN: B004Q45P88

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher

Thomas Schmuckert

Oliver Kalkofe

Bernd Vollbrecht

Daniela Hoffmann

Frank Gustavus

Klaus Dieter Klebsch

 

 

 

 

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 23.06.2019 11:34 | Users Online
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