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Die tiefen Wälder von Yves Swolfs

Reihe: Legende Bd.2

Rezension von Olaf Kieser

 

Rezension:

Lehrjahre sind keine Herrenjahre, das muss der junge Tristan feststellen. Sein Ziehvater, der berühmt berüchtigte Herr der Wölfe, hat den Jungen in die Obhut des Banditenführers Abel gegeben. Der schuldet dem Herrn der Wölfe noch etwas und erklärt sich deshalb bereit, das Mündel zu einem Mann zu erziehen. Was alle nicht wissen ist, dass Tristan, den sie nur Wolfsjunge nennen, in Wahrheit der letzte Überlebende des Adelsgeschlechts derer zu Halsburg ist. Seine wahren Eltern wurden vor Jahren von Matthias dem Hageren bei einem Putsch getötet. Seitdem suchen der Thronräuber und sein finsterer Ratgeber Milos Shaggan nach dem Jungen, der die einzige Bedrohung für ihre Herrschaft ist. Doch das Leben in der Räuberbande ist auch alles andere als angenehm. Fast alle halten Tristan für einen dummen Feigling, da er nicht töten will. Allerdings finden Abels Judith, deren Namen allerdings nicht in Band 2 erfährt, und die junge Blanche an dem Jungen gefallen. So schmeichelhaft das für Tristan ist, es bringt ihm aber auch die Feindschaft eines Nebenbuhlers einbringt. Glücklicherweise nimmt sich der erfahrene Schwertkämpfer Akunai des Jungen an. Zur gleichen Zeit macht Milos Shaggan weitere Züge seines Plans. Auch Floraine, die Frau des Herzogs und Milos Cousine, erfährt, dass sie ihren Cousin lieber nicht reizen sollte.

 

Legende: Die tiefen Wälder ist der zweite Band einer mehrteiligen Comicreihe, die den Leser in das europäische Mittelalter führt. Man darf jedoch keinen historisch genauen Comic erwarten. Vielmehr wird eine dramatische Handlung vor einem recht diffusen historischen Hintergrund erzählt und mit ein paar Fantasy-Elementen angereichert. Beim Lesen stößt man schnell auf einiges, was einem irgendwie bekannt vorkommt: der Name Tristan, ein mit einem auffälligen Muttermal versehener Held, eine gefürchtete Räuberbande in einem Wald und einiges mehr. Nimmt man dann noch den bösen Gegenspieler, der mit finsteren Mächten im Bunde zu stehen scheint, muss man feststellen, dass das alles nicht wirklich neu ist. Autor Yves Swolfs gelingt es auch im zweiten Band die Schwächen des ersten Bandes völlig abzustellen. So beginnt die Handlung, als Tristan schon ein erwachsener Mann und ein gefürchteter Ritter ist. Dies ist jedoch nur eine Rahmenhandlung. Bald setzt in einer ausführlichen Rückblende die eigentliche Geschichte ein. Darin geht es, wie oben beschrieben, um die Jugendjahre des Helden. Warum dies so angelegt wurde ist einigermaßen rätselhaft, beraubt Yves Swolfs seine Geschichte doch so eines gewissen Teils ihrer Spannung. Auch sind viele Figuren recht oberflächlich und schematisch geraten. Das beginnt bei ihrem Verhalten und endet bei ihrem Aussehen. Die Bösen begehen nur böse Taten. Beispielsweise wird Floriane, die ihre Reize für ihre ehrgeizigen Ziele einsetzt, an einer Stelle von einem Baron Kurtz vergewaltigt. Während man der Herzogin mit Wohlwollen noch eine gewisse Ambivalenz zugestehen kann ist der Baron ein ganz offensichtlich schlechter Mensch. Er hat eine tiefe Narbe im Gesicht, huldigt heidnischen Götzen und verhält sich auch sonst niederträchtig. Oft bleiben die einzelnen Figuren auch lange Zeit ohne Namen, so dass man sich bei der Identifizierung einzig auf die Zeichnungen verlassen kann.

 

Dennoch entwickelt das alles eine gewisse Spannung. Spannend wird es dadurch, dass man natürlich wissen will, was der fiese Milos eigentlich plant und wie Tristan zu dem Ritter wurde, der er als erwachsener Mann ist. Die insgesamt ordentlichen und oft sehr detailreichen Zeichnungen bereiten dem Auge beim Lesen Freude. Sophie Swolfs ist für die Farbgebung verantwortlich, die man getrost als gelungen bezeichnen kann. Auch die Übersetzung von Harald Sachse scheint gelungen zu sein.

 

Es scheint sich bei der Veröffentlichung um eine Neuauflage durch Carlsen Comics zu handeln. Schaut man im Impressum nach, so entdeckt man die Jahreszahl 2004. Und forscht man ein wenig im Netz nach, so findet man tatsächlich frühere Ausgaben der Geschichte.

 

Fazit

Legende: Die tiefen Wälder ist ein solider Comic, in dem historisches mit Fantasy gemischt werden. Die Geschichte wird zunehmend rauer, doch gewisse inhaltliche Schwächen sind nicht von der Hand zu weisen. Zeichnungen und Farbgebung überzeugen dagegen. Bleibt zu hoffen, dass die vorhandenen erzählerischen Schwächen in den weiteren Bänden doch noch abgestellt werden können.

 

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Comic:

Legende: Die tiefen Wälder

Reihe: Legende Bd.2

Autor: Yves Swolfs

CARLSEN COMICS, Juli 2005

FORMAT: Broschiert, 46 Seiten

ISBN-10: 3551779228

ISBN-13: 978-3551779229

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 03.03.2010, zuletzt aktualisiert: 10.12.2019 18:33