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Die Toten

Reihe: B.U.A.P. Bd. 3

Rezension von Christian Endres

 

Die weiteren Entwicklungen um die Froschplage rücken in »Die Toten« zunächst ein wenig in den Hintergrund. Dafür erfreut uns das Autoren-Duo Mignola/Arcudi mit zwei zwar äußerst unterschiedlichen, aber jeweils sehr schönen (und in der Summe fast schon wieder kongenialen) Handlungssträngen: Auf der einen Seite ist da Hellboy-Altmeister und B.U.A.P-Oberhaupt Mike Mignola, der in den Atempausen von Arcadis Geschichte in Abes Vergangenheit wühlt und eine sehr ruhige, atmosphärische Story zwischen der tobenden See und dem peitschenden Regen schafft, die überdies von einer sehr schaurigen Spukhaus-Romantik á la Poe geprägt ist; auf der anderen Seite ist da John Arcudi, der ein cleveres Abenteuer in bester Pulp-Manier vorlegt, als er die B.U.A.P. in ein neues, imposantes Hauptquartier in den Bergen umsiedelt und Liz, Roger, Johann und den neuen Teamleader »Captain Zombie« dort wiederum erst einmal mit einer Ausgeburt des altbekannten okkulten Erbes der multidimensionalen Welten-Eroberungspläne des Dritten Reichs konfrontiert...

 

Langsam aber sicher tritt der vielbeschäftigte Mike Mignola bei B.U.A.P. immer mehr in den Hintergrund. Der vielleicht befürchtete Schaden, der dadurch entstehen könnte, hält sich allerdings in Grenzen: Nachfolger John Arcudi macht einen erstklassigen Job und liefert ausgezeichnet gute Arbeit ab, die vom ersten Moment an überzeugt und Mignolas Skripts in nichts nach steht. Seine Art des Storytellings begeistert, wenn auch geringfügig anders und lockerer denn das von Mignola, hat aber - genau wie Guy Davis’ Visualisierung - darüber hinaus zudem einen stark cineastischen Touch. Ganze Passagen der Story in den Eingeweiden des neuen Hauptquartiers wirken wie filmisch umgesetzt oder für eine Leinwand-Adaption auserkoren: temporeich, mit knackigen Dialogen und sehr schönen Perspektiven, guten dramaturgischen Wendungen und genau der richtigen Mischung an Action, Atmosphäre, Horror und Humor.

 

Guy Davis’ Artwork ist dabei ebenfalls eine Klasse für sich. Wahrscheinlich ist er nach wie vor nicht jedermanns Geschmack, und wahrscheinlich beschreiben Worte wie unkonventionell oder kantig seinen Stil am Besten – so oder so passt er jedoch wie »die Faust [des Schicksals] aufs Auge« zu dieser Art Horror-Geschichten mit einem ausgeprägten Hintergrund in den Pulps. Flashbacks in die Zeit des Dritten Reichs, sich windende Monsterwürmer der Marke Lovecraft, Feuerwalzen in unterirdischen Gewölben und nicht zuletzt eben auch die ruhigen Szenen mit Abe und seiner verblichenen Liebe gehören hier einfach dazu und gehen Davis scheinbar mühelos von der Hand, während Dave Stewart ihm mit seiner wieder einmal schlichtweg genialen Kolorierung zur Seite steht und das außergewöhnlich gute Artwork seines Kollegen vervollständigt.

 

Abgerundet wird der durch und durch gute Eindruck des dritten Bandes mit den Geschichten der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen einmal mehr durch die Aufmachung des Hardcover-Kleinbands von Cross Cult: Vor- und Nachwort der Autoren, ein Interview mit Guy Davis, ein Sketchbook von eben diesem und eine durchgehend schöne Gestaltung des Innenteils wissen ebenso wie das schlichte, aber schöne Buchrückenmotiv zu gefallen.

 

Somit ist »B.U.A.P.: Die Toten« der bisher beste Band der Reihe – und mindestens auf Augenhöhe mit den meisten Hellboy-Abenteuern. Ein gigantisch-pulpiger Horrorspaß mit einem großartigen Artwork und einer wunderbaren Aufmachung – und damit eigentlich der perfekte Comic.

 

 

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Comic:

Die Toten

Reihe: B.U.A.P. Bd. 3

Autoren: Mike Mignola,

John Arcudi

Zeichner: Guy Davis

Hardcover-Kleinband, 160 Seiten

Cross Cult, Juli 2007

ISBN-Code: 3936480222

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.07.2007, zuletzt aktualisiert: 15.02.2020 14:05