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Die Tribute von Panem 3 – Mockingjay, Teil 1

Rezension von Christel Scheja

 

Schon die Romantrilogie um die “Tribute von Panem” zeichnete sich dadurch aus, dass nicht nur eine weitere seichte Liebesgeschichte vor düster-dystopischem Hintergrund erzählt wurde, sondern eine konsequent durchkomponierte Story in der jedes Erlebnis die Helden zeichnete und deutliche Spuren hinterließ – bis zu einem Ende, dass es ebenfalls in sich hatte. Der Filmreihe gelang es bisher genau diese Stimmung zu übernehmen und dabei entsprechenden Eindruck zu hinterlassen. Und so steht „Mockingjay“ vor einem schweren Erbe.

Wie bei anderen Romanserien entschied man sich auch hier dazu, das letzte Buch in zwei Teilen zu präsentieren. Und so kommt in diesem Herbst nur der erste Teil des letzten Bandes der Trilogie in die Kinos, die Fortsetzung folgt 2015.

 

Katniss Everdeens und Peeta Mellarks Verhalten in den vierundsiebzigsten Hungerspielen haben in den Menschen der zwölf Distrikte Funken geschürt, den Präsident Snow rasch wieder zum Erlöschen bringen will – Hoffnung auf ein freieres und selbstbestimmtes Leben und die damit verbundenen Gedanken an Rebellion gegen das Kapitol.

Doch die nächsten Hungerspiele, die dafür sorgen sollen, dass die Aufstände abnehmen, enden im genauen Gegenteil, denn sein neuer Spielmeister Plutarch Heavensbee manipuliert die Geschehnisse nicht nur in eine ganz bestimmte Richtung, er zeigt kurz vor dem Ende auch sein wahres Gesicht – ist er doch ein Mitglied des geheimen Widerstands.

Ihm und einigen Getreuen gelingt es, Katniss schwer verletzt aus der Arena zu retten und sie in den seit vielen Jahren zerstört geglaubten Distrikt 13 zu bringen, in dem sich die Überlebenden in einem unterirdischen Bunker verstecken und sich schon seit einer Generation auf den Krieg vorbereiten.

Die Rache des Präsidenten folgt auf dem Fuß – Distrikt 12 wird in Schutt und Asche gelegt. Nur wenigen, unter ihnen Gale, Primrose und Katniss' Mutter, gelingt es zu fliehen und eine neue Zuflucht bei den Rebellen zu finden.

Diese warten unter ihrer Anführerin Alma Coin darauf, endlich gegen das Kapitol vorzugehen und Panem von der Tyrannei Snows und seiner Handlanger zu befreien, scheint die Gelegenheit doch günstig zu sein, jetzt wo die anderen Distrikte durch die Vorfälle in Aufruhr sind.

Katniss soll nun als „Mockingjay“ zur Galionsfigur des Widerstands werden – hat sie doch mehr als einmal bewiesen, dass sie durchaus dazu fähig ist, mit wenigen Worten und Gesten die Massen mitzureißen und dazu zu bringen, sich gegen das Kapitol zu erheben.

Doch die Hoffnungsträgerin ist am Ende ihrer Kraft. Sie reagiert auf alle Anfragen mit Distanz und Ablehnung, weil sie sich verraten und verkauft fühlt, hat man doch Peeta, der eigentlich überleben sollte, einfach in der Gewalt des Kapitols zurückgelassen und nicht gleich mitgenommen. Deshalb verweigert sie sich zunächst allen Bitten, egal von wem sie kommen.

Erst der Besuch in ihrer zerstörten Heimat und die dort zurückgelassene, unverhohlene Drohung Snows in Form einer weißen Rose, bringt sie zum Umdenken, eine erschütternde Propagandasendung des Kapitols in der Peeta die Hauptrolle spielt zu einem Entschluss.

Katniss erklärt sich bereit, Präsidentin Coin zu unterstützen und das Symbol des Widerstand zu werden, das man sich wünscht, wenn man in Gegenzug Peeta und die restlichen gefangenen Tribute aus der Gefangenschaft befreit.

Doch sie ist nur mit halben Herzen dabei. Der Besuch im – nach einem Aufstand zerbombten Distrikt 8 entzündet jedoch endlich wieder die Flamme des Zorns und Widerstandes in ihr. Denn als sie miterlebt, wie gnadenlos und kaltblütig Snow sein kann, wenn man ihn herausfordert, weiß das junge Mädchen, dass auch sie in der Verantwortung steht, gegen ihn zu kämpfen, egal, wie hoch der Preis für sie und ihre Freunde sein wird …

 

„Mockingjay“ beginnt dort, wo „Catching Fire“ aufgehört hatte. Katniss wurde zwar gerettet, ist aber schwer an Leib und Seele angeschlagen. Während sie sich körperlich schnell wieder erholt, sieht es mit ihrer Psyche anders aus, denn sie schafft es einfach nicht, die letzten Ereignisse zu verarbeiten und die Tatsache zu schlucken, dass Peeta noch immer in der Gewalt von Präsident Snow, dessen Drohung sie nicht vergessen hat, befürchtet sie doch das Schlimmste.

Jennifer Lawrence stellt gelingt es die Verletzlichkeit und Stärke ihrer Figur überzeugend darzustellen, ohne dabei zu übertreiben. Der Zuschauer wird von ihrer Verzweiflung und ihrer Wut, der Mutlosigkeit in Momenten des Verlustet und der immer wieder in ihr erwachenden Entschlossenheit mitgerissen, ohne sich überfordert zu fühlen.

Katniss ist jedoch nur das Zentrum einer ganzen Gruppe anderer Figuren, die die Handlung über tragen, angefangen mit Julianne Moore, die Präsidentin Coin, als bewusst kalkulierende und manipulierende Politikerin darstellt, die in manchem ihrem Gegenspieler nicht einmal unähnlich ist. Der jüngst verstorbene Philipp Seymour Hoffmann spielt Plutarch Heavensbee so undurchsichtig wie eh und je, so dass man immer noch nicht recht weiß, ob er nun ein gutes Herz hat oder Spaß daran, andere zu manipulieren. Woody Harrelson kitzelt aus seinem Haymich Abernathy neue Facetten heraus, ist er doch nicht mehr der haltlosen Trinker, dem alles egal war, sondern jetzt mehr denn je ein väterlicher Freund.

Elizabeth Banks als extravagante Effie Trinket, die auch im Einheitslook ihre persönliche Note besitzt, muss man einfach gerne haben, ist sie doch ein stimmungsvoller Lichtblick in der unterirdischen Welt von Distrikt 13, bewahrt sie sich doch auch äußerlich Individualität.

Die Handlung wirkt gelegentlich in die Länge gezogen.Wie im Mittelteil einer Trilogie darf man hier und jetzt keine wirklichen Entscheidungen erwarten – nur die Vorbereitungen auf das große Finale. Der Film genießt aber den Vorteil, detailliert auf die Figuren und ihre Entwicklung einzugehen und damit die Weichen für das Ende zu stellen. So darf auch Donald Sutherland als Präsident Snow einmal mehr zeigen, warum er so ein furchteinflößender Gegenspieler ist.

Schließlich bekommen nun auch die geheimnisvolle Rebellion und Distrikt 13 ein Gesicht – die Männer und Frauen, die nur dafür leben, der Herrschaft des Kapitols ein Ende zu machen und dabei selbst nicht ganz ohne Tadel sind. Hier scheint man die ersehnte Demokratie und Gleichheit in der Gesellschaft bereits zu leben, doch sieht man einmal genau hin, merkt man aber auch hier, das es genug Schattenseiten in der Bunkergemeinschaft gibt. Das Szenario erinnert nicht von ungefähr in einigen Szenen fatal an die Einheitsgesellschaft kommunistischer Staaten.

Action wird nur sparsam eingesetzt, denn es geht nicht darum, die Helden ein weiteres Mal durch einen inszenierten Kampf um Leben und Tod zu jagen, sondern mit den Facetten der grausamen Realität eines totalitären Regimes zu konfrontieren und so auf das vorzubereiten, was sie noch erwarten wird. Katniss kämpft ausgesprochen wenig, dafür zeigen Massenszenen, dass der Wunsch nach Freiheit ungebrochen ist, egal, wie viele Menschen dabei ihr Leben verlieren.

So wie die beiden ersten Filme findet auch „Mockingjay“ einen guten Mittelweg, die mit dem Terrorregime Gewalt und Grausamkeit nicht zu verschleiern und all zu sehr zu beschönigen, auf der anderen Seite aber in einem jugendfreien Rahmen zu belassen, der die Altersfreigabe ab 12 rechtfertigt. Nicht alles wird in letzter Konsequenz gezeigt, aber allein schon die Andeutungen reichen aus, um kalte Schauder über den Rücken rinnen zu lassen.

Alles in allem wird man in den zwei Stunden Laufzeit gut unterhalten, auch wenn die Handlung des Films weniger actionreich ist, als die Vorgänger und einige Aussagen zu oft wiederholt werden. Dafür haben die Figuren Gelegenheit, sich weiter zu entwickeln und das Szenario gewinnt durch die neuen Schauplätze und Ereignisse an Tiefe.

Natürlich wird die romantische Seite der Geschichte ebenfalls nicht vergessen – aber das Dreiecksverhältnis Gale-Katniss-Peeta ist nur die Würze in einem Film, der wieder einmal das Abenteuer, die Charakterentwicklung und die vielen Facetten eines Terrorregimes in den Vordergrund stellt und nicht allein die Liebe.

 

 

Fazit:

 

„Mockingjay – Teil 1“ erzählt die Geschichte der „Tribute von Panem“ überzeugend . Man merkt dem Film zwar an, dass er das eigentliche Finale nur vorbereitet, die dadurch entstehenden Schwächen werden aber durch die überzeugenden Darsteller und die eindringliche Inszenierung mehr als ausgeglichen. Auch Genre-Fans werden zufrieden sein, wird doch ein vielschichtiges Abenteuer geboten, in dem auch die dystopischen Elemente an ihrem richtigen Platz sind und so eine intensive Atmosphäre schaffen.

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Eure Meinung:

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Kino:

Die Tribute von Panem 3 – Mockingjay

Kinostart: 20.11.2014

Produktionsort, -Jahr: USA, 2014

Lionsgate/MGM/Studiocanal

Produktion: Nina Jacobson, Jon Kilik

Regie: Francis Lawrence

Drehbuch: Simon Beaufoy

Autor des Originals: Suzanne Collins

In 2D

Laufzeit: ca. 122 min

FSK: 12

 

Webseite zum Film

Darsteller:

  • Jennifer Lawrence
  • Josh Hutcherson
  • Liam Hemsworth
  • Woody Harrelson
  • Elizabeth Banks
  • Philip Seymour Hoffman
  • Julianne Moore
  • Stanley Tucci
  • Donald Sutherland
  • Jeffrey Wright
  • Willow Shields
  • Sam Claflin
  • Mahershala Ali
  • Nathalie Dormer
  • und andere

Eintrag in der PhilmDB:

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Erstellt: 19.11.2014, zuletzt aktualisiert: 23.04.2019 17:16