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Die unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B. von Steve Bürk

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Felix steht auf genau drei Dinge: seine Freundin Silke, FoF-Zocken mit seinem besten Kumpel Larry und Gras. Sein Leben ist einfach und entspannt.

Als ihn aber völlig unverhofft der Göttliche Funke trifft, ist es vorbei mit seiner Ruhe. Ununterbrochen prasselt ein Informationsstrom auf ihn ein: In seiner Kloschu?ssel schwimmen 157.875 Bakterien, an seinem Fernseher haften 2.375 Staubkörner, seine Nachbarin hat ihre Katze umgebracht …

Plötzlich stehen auch noch zwei Mönche vor der Tür und wollen den Göttlichen Funken fu?r sich beanspruchen. Und auch die mysteriösen Männer in Schwarz haben es auf Felix und seine neuen, hellseherischen Fähigkeiten abgesehen.

Das Einzige, was ihm jetzt noch helfen kann, ist Gras. Verdammt viel Gras …

 

Rezension

Wenn man sich ein chilliges Leben wie der Dude wünscht, vergisst man schnell, dass es da ja auch noch das Problem mit dem Teppich gab und nicht jeder Tag fröhliche Seligkeit mit sich bringen muss.

Felix Bernholz jedenfalls rechnet nicht mit komplizierten Veränderungen als sich der göttliche Funke in ihn und nicht in Lin-Lin niederlässt, dem buddhistischen Mönch, der in seiner siebten Inkarnation sehnsüchtig darauf wartet.

Doch das Universum neigt zu komischen Scherzen. Schnell merkt Felix, dass Allwissenheit ziemlich nervig sein kann und Kiffen zwar den Empfang ungewollter Umgebungsdaten eindämmt, das Problem aber nicht löst.

Wie gut, dass Lin-Lin und ein seltsamer Mann in Schwarz bereit sind, Felix von diesem Übel zu befreien …

 

Steve Bürk ging durch die harte Schule der Seifenoper-Texterei um sein Drehbuch-Studium massenwirksam anzuwenden. Seine Leidenschaft für Film und Fernsehen flossen ungebremst in die Tiefen von Die unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B. ein. Das betrifft nicht nur eine große Fülle von Anspielungen auf Kino- und Serien-Klassikern, auch die Inszenierung seines kleinen Felix-Evangeliums samt jeder Menge großartiger Dialoge, legt davon Zeugnis ab.

 

Die Handlungszutaten sind ein wenig Buddy-Komödie, Nerd-Parodie, Mysterie-Thriller und ARD-Fernsehkrimi. Auch die schräge Soap-Klamotte findet ihren Eingang und führt im Finale zu einer witzigen Allmachtsphantasie. Und genau in jenem Punkt, wenn man sich fragt, wohin die ganzen skurrilen Fäden hinfort rollen werden, dreht Steve Bürk den Philosophieknopf auf volle Stärke. Tatsächlich verbergen sich hinter der zunächst oberflächlich erscheinenden Kifferklamotte, die ganz großen Themen wie das Leben, das Universum und auch der ganze Rest.

 

Zunächst ist Felix gar nicht mehr so glücklich, als er mit dem echten Leben konfrontiert wird. Wie der Dude. Von jedem Menschen alles zu wissen, auch von seiner Freundin, ist kein Zuckerschlecken. Gras und Tiefkühlpizza sind eben nur die eine Seite der Realität.

Doch mit dem Loswerden des göttlichen Funkens ist es weder einfach, noch garantiert es eine Rückkehr in das beschauliche Kifferleben und es ist spannend, mitzuerleben, wie Steve Bürk das Problem der Allmacht löst ohne in religiöse Klischees zu verfallen oder die Glaubwürdigkeit seiner Hauptfigur zu verlieren. Zwar gibt es Hinweise auf eine mögliche Fortsetzung, aber gerade der zentrale Plot scheint auserzählt.

In den Nebenhandlungen tut sich derweil auch eine ganze Menge. So gibt es neben dem kleinen Satanistenorden, der sich mit deutscher Gründlichkeit und spießigen Mitgliedern zwischen Horror und Vereinsmeierei bewegt auch einen Zollbeamten, der die rätselhaften Ereignisse als persönlichen Affront gegen seine Berufsehre versteht.

Auch unter den buddhistischen Mönchen darf ein Außenseiter nicht fehlen. Das geheime Kloster bemüht sich zwar seit Jahrhunderten, ganz fix ihre reinkarnierten Mitglieder aufzufinden und heim ins Klosterleben zu führen, aber manchmal dauert es etwas länger, bis man zum Beispiel auf eine bayrische Alm gelangt. So schlägt Jinpa etwas aus der Art und gibt Steve Bürk genügend Gelegenheit, mit bayrischer Gemütlichkeit zu spielen. In Kombination mit dem auf durchgeknallt, sexistisch und ultra-ängstlich getrimmten Larry bietet sich so Raum für Slapstick und jede Menge Courage der vermeintlich kleinen Leute.

Auf der Seite der Bösewichter geht es etwas geruhsamer zu. Während der Satanistenchef sehr blass bleibt, darf sich Oberpriester Lin-Lin als Fanatiker erweisen, der zunehmend seiner Machtgier zum Opfer fällt. Das zeichnet Steve Bürk in wenigen, aber effizient eingesetzten Momenten, die besonders im Kontrast mit dem gutmütigen Jinpa die Gefährlichkeit von Allmachtsansprüchen religiöser Ideen aufzeigt. Jinpa wird so zur zentralen, alles irgendwie ausgleichenden Figur.

Die einzige weibliche Figur hat es hingegen etwas schwerer, sich zu profilieren. Aber immerhin darf sie, die bodenständige Krankenschwester, als Führungsoffizierin große Karriere machen.

 

Die Mischung macht’s und so liest sich »Die unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B.« tatsächlich munter und vergnüglich bis zum erleuchteten Ende. Gegenwartsfantasy, die sich hervorragend in die Reihe der Edition Drachenfliege neben Schneewittchens Geister von Hanna-Linn Hava und Robert Rescues Intimitätendieb einreiht.

 

Das comicartige Cover von Alex Hese fängt die Stimmung des Buches und ihrer Figuren sehr schön ein.

 

Fazit:

»Die unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B.« von Steve Bürk ist eine rasante Fantasykomödie im Hier und Jetzt, voller Nerds, Unwahrscheinlichkeiten und typisch deutschen Zutaten. Bürk mixt neben Klamauk und Genre-Anspielungen auch genügend Nachdenklichkeit hinein um mehr als einen einfachen Pageturner zu fabrizieren. Ganz ohne Teppich aber mit sehr viel Dudenes.

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Eure Meinung:

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Buch:

Die unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B.

Autor: Steve Bürk

Cover: Alex Hese

Broschiert: 246 Seiten

Periplaneta, 1. Oktober 2015

 

ISBN-10: 3943876950

ISBN-13: 978-3943876956

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B015D0U61Y

 

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Erstellt: 30.11.2015, zuletzt aktualisiert: 16.04.2019 10:17