Im England des viktorianischen Zeitalters gibt es eine Stadt, die anders ist: Rustgate. Hier öffnete sich vor Jahren ein Riss im Boden, aus dem Chimären kamen, die teilweise wie Tiere, teilweise beinahe menschlich aussehen. In dieser Stadt lebt die 14-jährige Nelly, die kürzlich von einer reichen Familie aus dem Waisenhaus geholt wurde, um ihr als Dienstmädchen zu dienen. Doch Nellys Leben ändert sich bald, als sie in den Besitz eines Eis gerät, aus dem eine Chimäre schlüpft.
Kira Gembris Jugend-Fantasy-Mehrteiler ist in einem alternativen 19. Jahrhundert angesiedelt, in dem in einer englischen Stadt magische Wesen freigesetzt wurden. Diese Wesen werden einerseits verfolgt, andererseits zum Vergnügen der Bevölkerung als Bestien ausgestellt. Protagonistin ist das Waisenmädchen Nelly, das ihre Anstellung als Dienstbotin verliert und nur im Zirkus, der hauptsächlich menschliche Chimären präsentiert, Unterschlupf finden kann. Schnell erkennt sie, dass diese nicht gerecht behandelt werden. Bald zweifelt sie, ob sie nicht sogar selbst zumindest teilweise chimärisch ist.
Das Buch beginnt recht ruhig und entwickelt erst etwa ab seiner Mitte Spannung. Ab da wird die Geschichte allerdings wirklich gut. Der Teil davor, in dem es primär um Nellys Leben als Bedienstete in einer wohlhabenden Familie geht, wirkt dagegen leider etwas zäh. Das Ende des Bandes in einem Cliffhanger macht dafür jedoch Lust auf die Fortsetzung.
Die Autorin lässt ihre Protagonistin in der 1. Person erzählen. Der Text wir durch Illustrationen von Tobias Goldschalt geschmückt. Allerdings ist ein Wort zum Cover angebracht: Im Text wird erwähnt, dass nur niedliche zarte blonde Mädchen die Chance hatten, als kleine Kinder aus dem Waisenhaus geholt zu werden. Dunkelhaarige wie Nelly hatten dagegen erst dann eine Chance, wenn sie als Dienstboten zu gebrauchen waren. Auf dem Cover wird die Protagonistin allerdings eindeutig blond und auch körperlich zart dargestellt.