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Die verschlossene Stadt von Michales Warwick Joy

Rezension von Christel Scheja

 

Normalerweise konzentrieren sich deutsche Kleinverlage auf die Herausgabe von Werken junger Autoren aus dem eigenen Land. Das erstmals auch eine Übersetzung erscheint ist ungewöhnlich. „Die verschlossene Stadt“ stammt von dem amerikanischen Autor Michales Warwick Joy und erschien unter dem Titel „Season of Peril“ erstmals 2004 in einem kleinen amerikanischen Verlag. Er entwirft in seinem Roman ein Szenario, das ganz und gar nicht den aktuellen Trends entspricht.

 

Seit vielen Jahrhunderten bestimmen eherne Gesetze das Leben in der Verschlossenen Stadt. Sie ist ein sicherer Hafen und nimmt jeden auf, der in ihr Zuflucht sucht - verlassen aber darf man sie nie mehr, wenn man einmal ihre Mauern betreten hat. Durch ein Dekret des Stadtfürsten ist Magie streng verboten. Alle die es wagten, sie auszuüben wurden durch den Rotmanteljäger Margar getötet.

So leben die Bewohner abgeschieden von der Welt und wissen nur wenig von dem, was jenseits der Mauern vor sich geht. Sie haben einen Weg gefunden, halbwegs friedlich miteinander zu leben und eine gewisse Ordnung zu bewahren.

Bis zu dem Tag, an dem die ersten Menschen zerfleischt auf den Straßen gefunden werden. Als es auch noch einige der Stadtoberen trifft, beschließt die Regierung endlich etwas zu unternehmen.

Sie heuern den alten und erfahrenen Krieger Margar an, der vor einigen Jahren noch die letzten Magier zur Strecke brachte, sich aber eigentlich mit seiner Familie zur Ruhe gesetzt hat. Er soll zusammen mit der Stadtwache heraus finden, wer die Morde begeht.

Sehr schnell wird klar, dass sie es mit grausamen Bestien zu tun haben, die sich nicht so einfach besiegen lassen, schon gar nicht von unerfahrenen Wachen.

Margar erhält die Hilfe von Spezialisten. Auch wenn er den Neuankömmlingen zunächst nicht traut, so merkt er doch bald, dass sie eine unschätzbare Unterstützung sind. Mit ihrer Hilfe kommt er dem Geheimnis der Bestien auf die Spur, das in der Vergangenheit der Stadt selbst begründet liegt. Während er und seine Kameraden in alten Schriften wühlen und so manche Lüge aufdecken, droht der Stadt allerdings ein weiteres Unheil. Denn jenseits der Mauern zieht ein Heer auf, dessen Anführer die Öffnung der Tore im Namen seines Königs fordert. Nun ist guter Rat teuer - denn welche Bedrohung ist eigentlich größer und welche gefährlicher?

 

In seinem Roman „Die verschlossene Stadt“ entwirft Michales Warwick Joy ein realistisch-nüchternes Szenario, das eher an einen Historienroman erinnert, als an Fantasy. Auch wenn er offen im Raum stehen lässt, wie sich die Stadtbevölkerung eigentlich mit dem Lebensnotwendigen versorgt, ohne in Not zu geraten, greift er nicht zu den üblichen Klischees und Elementen der Fantasy, die heute so beliebt sind. Magie wird nur äußerst verhalten eingesetzt und ist so gut wie kein Thema, vor allem nicht das Allheilmittel. Die Helden müssen sich eher auf ihren Verstand, ihre Kombinationsgabe und ihre Kampfesfähigkeiten verlassen. Auch die Bestien wirken weniger wie Zauberkreaturen. Erst zum Ende hin - als die Helden durch eine unwirkliche Welt voller Illusionen stolpern kommt der mystische Aspekt mehr zum Tragen.

Margar und seine Gefährten sind bewusst als Menschen mit Stärken und Schwächen angelegt. Auch wenn sie ihre Aufgabe erfüllen, so können sie sich nicht von Charakterfehlern, Ängsten und Vorurteilen freisprechen, hängen an ihren Familien und sehen vieles eher nüchtern und skeptisch als hoffnungsvoll. Leider ist die Rollenverteilung eher klassisch, so dass weibliche Figuren kaum eine Rolle spielen.

Von der Handlung her lässt „Die verschlossene Stadt“ eigentlich nichts zu wünschen übrig. Die Spannung steigert sich von der eher ruhigen Einführung bis zum actionreichen Countdown, es werden immer genug Geheimnisse enthüllt, um neugierig aufs Weiterlesen zu machen. Abenteuer und Hintergrund sind ausgewogen verteilt, wenngleich auch manches an ein Rollenspielszenario erinnert.

 

Damit ist „Die verschlossene Stadt“ vielleicht kein innovatives Werk, das der Fantasy eine neue Richtung weist, aber dennoch erfrischend anders als der High-Fantasy-Einheitsbrei der großen Verlage und damit einen Blick wert.

Eure Meinung:


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Die verschlossene Stadt

Autor: Michales Warwick Joy

Taschenbuch im Großformat - 260 Seiten

Atlantis, Stolberg, erschienen April 2007

ISBN 978-3-936742-76-3

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Dirk van den Boom

Titelbild von David Deen

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.05.2007, zuletzt aktualisiert: 13.07.2019 19:34