Wer/was ist/war ein Germane? Schon diese Frage ist komplizierter, als sie scheint. Wahrscheinlich hat nie jemand gesagt, ein Germane zu sein. Mit »Ich bin ein Germane« hat sich wahrscheinlich nie jemand vorgestellt. Das liegt nicht nur daran, dass der Begriff eine römische, also lateinische Benennung ist, sondern nach viel mehr daran, dass die Römer mit diesem Begriff eine ganze Anzahl an Völkern/Stämmen bezeichnet haben, die nicht mal eine gemeinsame Sprache und auch sonst nicht viele kulturelle Gemeinsamkeiten hatten. Die nie auf die Idee gekommen wären, sich als eine Einheit zu betrachten.
Karl Banghard, Prähistoriker und Direktor des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen im Teutoburger Wald, räumt in seinem Buch mit einer ganzen Reihe Irrtümer und Fehleinschätzungen auf. Er zeigt dabei auch, dass vieles, was wir auch heute noch über die Germanen zu wissen glauben, auf dem NS-Germanen-Bild aus den 1930er Jahren fußt. Wieso der Autor dieser Falschinterpretation allerdings ein ganzes Kapitel widmet, statt nur die Tatsachen darzustellen, ist mir nicht klar. Er hätte sich auch nur auf die gesicherten Tatsachen beschränken können. Denn die sind durchaus interessant. Schon die archäologisch nachweisbaren Fakten bergen einige Überraschungen, die weit über das verbreitete Geschichts-(Un-)Wissen hinausgehen. Einige römische Darstellungen stellen sich dabei als falsch oder zumindest höchst zweifelhaft heraus. Wer hier mal mehr als die oft anzuzweifelnden Geschichtskenntnisse erfahren möchte, dem kann ein Blick in dieses Buch empfohlen werden.