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Die Welt des Kunsthandwerks – Lokale Traditionen, globale Inspirationen von Bryan und Polly Sentance

Rezension von Christel Scheja

 

Wer ist nicht schon in anderen Ländern über die Märkte, durch die traditionellen Viertel und Läden ihre geschlendert, um das dortige Kunsthandwerk zu bestaunen und sich vielleicht sogar den ein oder anderen Gegenstand mitzunehmen um zu Hause eine Erinnerung an die Fremde zu haben.

Andere wieder erwerben importierte Kunstgegenstände, um ihrer Wohnung eine besondere Atmosphäre zu verleihen. Und nicht zuletzt gibt es in den Fachabteilungen und Läden für Dekoration manch ein industriell gefertigtes Stück, dass genau diesen kunsthandwerklichen Gegenständen nachempfunden ist.

In ihren eigenen Ländern gehören viele Gegenstände freilich zum Alltag oder werden zumindest noch zu besonderen Gelegenheiten benutzt und getragen.

 

Bryan und Polly Sentance stellen in ihrem Buch „Die Welt des Kunsthandwerks – Lokale Traditionen, globale Inspirationen“ eine Vielzahl dessen, was fleißige Hände in der Welt schaffen vor. Dabei mussten sie laut eigener aussage eine Auswahl treffen, so dass man davon ausgehen kann, dass es noch weit mehr künstlerische Traditionen gibt als hier genannt und vorgestellt werden.

In einer ausführlichen Einleitung beschreiben sie übersichtlich, wie es überhaupt dazu kam, dass sich eine Handwerkerschicht herausbilden konnte, und warum diese auch anfingen, funktionale Gegenstände herzustellen. Sie benennen die Einflüsse und Entwicklungen über die Jahrhunderte bis heute.

Dann stellen sie verschiedene Handwerker quer über die Kontinente vor, beginnend mit Nordamerika. Dabei wird nicht nur die Kunst der Ureinwohner – Eskimos und Indianer betrachtet, sondern auch die der Siedler. Was hat es mit den sogenannten „Shaker-Schachteln“ der Quäker auf sich. Woher stammt eigentlich das Quilten. Man erfährt, dass die Silberarbeiten mancher Stämme gar nicht einmal so alt sind und die ersten Materialien Münzen der Einwanderer waren.

Auch die Bearbeitung von Leder und Holz, die Bearbeitung von Ton und Fertigung von Stoffen wird nicht vergessen.

In Mittel- und Südamerika sind neben einheimischen auch spanische und portugiesische Einflüsse sichtbar. Die Indio-Mützen wurden erst durch die Europäer eingeführt und stammen nicht aus der Inka-Zeit.

Auch Europa wird bedacht, hat sich doch auch dort ein sehr lebendiges Kunsthandwerk entwickelt. Interessant sind hier vor allem die Inspirationen untereinander und die Wanderung diverser Einflüsse quer durch den Kontinent.

Auch Afrika, Asien, Australasien und Ozeanien werden bedacht. Dabei sind gerade dort noch viele der Gegenstände, die wir als Kunst betrachten, Kult und Alltagsgegenstände, seien es nun Taschen aus Pflanzenfasern, in denen man auch Wasser (!) transportieren kann, Lack-, Pappmache- und Stoff- oder Metallarbeiten.

 

Die Autoren geben einen kurzen Überblick über die verwendeten Materialien und seine Herkunft, die regionale Verbreitung auf dem Kontinent und nicht zuletzt die Einflüsse aus der ganzen Welt, die zur Entwicklung dieser Form des Kunsthandwerks geführt haben.

Sie erzählen aber auch von den Mythen und Legenden, die sich um das Handwerk spinnen und noch heute den Aberglauben der Menschen beherrschen.

Oft haben Götter und Heroen den einfachen Menschen diese Kunst beigebracht und nicht selten dienen die Gegenstände oder die aufwendigen Verziehrungen darauf auch heute noch zur Abwehr böser Geister und Dämonen.

Sie knüpfen Querverbindungen, zeigen wie kulturelle Einflüsse der Eroberer dafür gesorgt haben, dass ganz neue Dinge entstanden, weil die Einheimischen die fremden Kulturgegenstände wie selbstverständlich in ihr Leben integriert haben, seien es nun Muster, Farben und Symbole oder auch Kleidung und Möbel.

Ebenso sind viele der beschriebenen Gegenstände gerade in Ländern der dritten Welt noch im täglichen Gebrauch und werden zum Transport von Lebensmitteln und Werkzeigen benutzt, man denke nur an die zahlreichen Kalebassen, Körbe und Taschen, sie dienen bei Festen zur Zierde und Darstellung des Reichtums oder haben einen religiösen Hintergrund wie die Sandbilder, die oft nur ein paar Stunden nach ihrer Fertigstellung leben dürfen.

Interessant ist die Vielzahl der Kunsthandwerke, die es auf der Erde gibt nicht nur für den kunstinteressierten Leser, sondern auch für einen Schriftsteller, der einer fremden Kultur so ein wenig mehr Leben und Atmosphäre einhauchen möchte.

Nur Leser, die auch eine Beschreibung des Fertigungsprozesses erwartet haben, werden enttäuscht, denn dieses Thema spielt in diesem Sachbuch keine Rolle.

 

So ist „Die Welt des Kunsthandwerks – Lokale Traditionen, globale Inspirationen“ in erster Linie ein interessantes Nachschlagewerk für alle, die sich für Themen der Kunstgeschichte interessieren, die über die üblichen hinaus gehen – aus welchem Grund auch immer, nicht aber für die, die selbst aktiv werden wollen.

 

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Die Welt des Kunsthandwerks – Lokale Traditionen, globale Inspirationen

Autoren: Bryan und Polly Sentance

Craft Traditions of the Word. Locally Made, Globally Inspired, England 2009

Haupt Verlag, Bern/Stuttgart/Wien, erschienen September 2009

Gebunden mit Schutzumschlag, 240 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Waltraud Kuhlmann & Elke Schröter

Titel und Innenfotos von diversen Quellen

ISBN-10: 325807464X

ISBN-13: 978-3258074641

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.05.2010, zuletzt aktualisiert: 12.01.2020 13:58