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Die Wurmgötter von Brian Keene

Rezension von Carina Schöning

 

Tag 43. Immer noch regnet es in Strömen und der über achtzigjährige Witwer Teddy Garnett erzählt von seinen letzten Tage in der amerikanischen Kleinstadt Punkin´Center in West Virginia. Während er mit gebrochenen und geschwollenen Beinen kurz vor dem Tod steht, kritzelt er das Wichtigste für die Nachwelt auf eine lose Blattsammlung. So hat alles begonnen…

 

Plötzlich fing es zeitgleich in allen Ländern der Welt an zu regnen. Wissenschaftler und Meteorologen wussten keine Erklärung und der Regen wurde nicht weniger. Tag für Tag sammelte sich mehr Wasser in den Tälern und ganze Küstenabschnitte verschwanden unter den Wassermassen. Schnell wurden Evakuierungsprogramme aufgestellt, doch wohin sollte man fliehen? Länder verschwanden auf der Landkarte, Kommunikationsmöglichkeiten brachen zusammen und es herrschte überall Chaos. Viele Menschen ertranken oder starben an den Spätfolgen. Krankheiten breiteten sich aus und ein eigenartiger weißer Schimmel fing an Fauna und Flora anzugreifen. Einige wenige Menschen versuchten zu überleben und wollten sich bestmöglich dem neuen Leben anpassen.

So auch in der überschwemmten Stadt Baltimore. Eine kleine Gruppe von Halbstarken und jungen Erwachsenen hat sich dort in den oberen Etagen des Trade Centers eingenistet und kämpft nun gegen die allgemeine Hoffnungslosigkeit an. Tag für Tag fahren Kevin Jensen und sein Freund Jimmy mit selbst gebastelten Booten zu anderen Wolkenkratzer und plündern die verlassenen Appartements. Alles kann nützlich sein. Trinkwasser, Medikamente, Spielzeug sogar alte Pornohefte und Topfpflanzen nehmen die beiden mit und verteilen sie gerecht unter dem Rest der Gruppe. Bis auf einmal Jimmy verschwindet und nur noch sein abgerissener Kopf von den Wellen angespült wird. Sofort fällt der Verdacht auf die geheimnisvollen Satanisten, die den Nachbar-Wolkenkratzer bewohnen und bei Einbruch der Nacht mysteriöse Messen und Opferungen veranstalten. Angeblich versuchen sie mit menschlichen Opfern den Meeresgott Leviathan ruhig zu stellen, doch Kevin will seine Rache…

 

Teddy Garnett dagegen hatte der Regen anfangs weniger gestört. Die Evakuierung hatte er abgelehnt und sich lieber in seinem Haus in den Bergen verschanzt. Einige Nachbarn, darunter auch sein bester Freund Carl Seaton und der verrückte Einzelgänger Earl Harper sahen dem Ganzen erstmal genauso gelassen entgegen. Bis plötzlich die Stromversorgung zusammen brach und im Radio nur noch statisches Rauschen zu hören war. Scheinbar abgeschnitten von der Außenwelt machte sich langsam Verzweiflung bei dem Bewohner breit und als dann noch der weißer Schimmel sich immer mehr ausbreitete und eigenartige Würmer sich in Teddys Garten und Keller rührten, ahnte er was ihm bevorstehen würde. Behemoth ist erwacht…

 

Der erfolgreiche Bestsellerautor und zweifacher Bram-Stoker-Award Gewinner Brian Keene erschafft in „Die Wurmgötter“ eine genauso beklemmende und düstere Atmosphäre wie in „Das Reich der Siqquism“. Seine Endzeitversion ist wieder einmal sehr düster und beängstigend realistisch gehalten. Hauptfrage ist wie man (über)lebt, wenn der Großteil der Zivilisation gar nicht mehr existiert? Dabei bleibt während der ganzen Handlung offen, was wirklich zu dem gravierenden Wetterumschwung geführt hat. Gottes Rache, schwarze Magie, Umweltverschmutzung, eine unbekannte Mutation? Ober aber der Cthulhu Mythos war gar keiner und die Alten sind irgendwie geweckt worden? Die Anleihen zu Lovecraft und H.G. Wells sind hier unverkennbar und die Wesen sind auch ähnlich gestaltet wie die geheimnisvollen Alten. So bleibt man als Leser genauso unwissend wie die Figuren in dem Roman und kann nur über Gründe und Ursachen spekulieren.

Besonders interessant in dem Roman ist die Figur des Teddy Garnett: Aus einfachen Verhältnissen kommend, sind ihm nach dem Tod seiner großen Liebe Rose nur noch wenige Freuden geblieben. Sympathisch und persönlich sinniert er nun über das Leben an sich, die Liebe, das Älterwerden und letztendlich auch über dem Tod, der anscheinend immer näher kommt. Das Gegenstück zu ihm ist Kevin Jensen, der klassische junge und gut aussehende Held. Seine Geschichte ist wesentlich einfacher und plakativer gehalten, aber genauso eindringlich und intensiv wie Teddys.

 

Die Ausstattung und Verarbeitung des Romans ist wirklich sehr gut: gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Zusätzlich gibt es ein kurzes Personenregister sowie eine Innenillustration von Michael Krug. Das gemalte Cover von Abrar Ajmal hat einen edlen Glanzdruck und macht den Roman so zu einem kleinen Schmuckstück im Regal.

 

Insgesamt ist „Die Wurmgötter“ eine interessante und spannende Mischung aus Horror und Mystery Elementen. Die düstere Zukunftsvision überzeugt durch ein realistische Setting und sympathische Figuren. Alle Freunde von atmosphärischen Endzeitgeschichten oder Lovecrafts Cthulhu Mythos können bedenkenlos zugreifen.

 

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Die Wurmgötter

Autor: Brian Keene

Gebundene Ausgabe: 280 Seiten

Verlag: Otherworld Verlag; Auflage: 1 (31. Oktober 2007)

Sprache: Englisch, Deutsch

ISBN-10: 3950218599

ISBN-13: 978-3950218596

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.12.2007, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57