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Die Zwillinge von Highgate von Audrey Niffenegger

Rezension von Markus Mäurer

 

Rezension:

Ich habe mich von Anfang an in diesem Buch zu Hause gefühlt. Es beginnt mit dem Tod einer geliebten Person, und diese morbid melancholische Grundstimmung zieht sich bis zum Ende durch. Das sagt wohl einiges über mich aus, aber ich habe mich tatsächlich als ein weiterer Bewohner dieses Hauses voller Exzentriker gefühlt, das direkt an Londons berühmtem Highgate Friedhof liegt. Vielleicht sogar eher wie ein Gespenst, das in formloser Materie durch die Zimmer geistert, ohne von den lebendigen Bewohnern gesehen zu werden. Genau wie Elspeth, an deren Tod wir zu Beginn des Romans Anteil nehmen. Unsichtbar begleiten wir ihren jüngeren Freund und Liebhaber Robert, der von Trauer gezeichnet, Touristen über den Friedhof führt und dabei Material für seine Doktorarbeit sucht. Wir statten Martin einen Besuch in seiner, mit unzähligen Kartons vollgestellten, Wohnung ab, die er niemals verlässt, sie ständig putzt, dabei zählt, um sich zu beruhigen und vom Erstellen von äußert schwierigen Kreuzworträtseln lebt. Im Stillen begrüßen wir die lebhaften Zwillinge Valentina und Julia, denen Elspeth die Wohnung vererbt hat, und die ebenso unzertrennlich sind, wie einst Elspeth und Edith – die Mutter der Zwillinge. Und zu guter Letzt spielen wir mit dem schneeweißen Todeskätzchen, das sich, nach anfänglichen Schwierigkeiten, in der Wohnung sehr wohl fühlt.

Es ist keine besonders originelle Geschichte, die Niffenegger hier erzählt. Genau genommen ist es eine klassische Schauergeschichte in einem typischen Londoner Setting. Viel wichtiger ist, wie sie die Geschichte erzählt. Mit wenigen Sätzen gelingt es ihr, den Figuren Leben einzuhauchen, und ihnen mit ihren skurrilen Eigenschaften einen unverwechselbaren Charakter zu geben. Es ist ein Buch über die Liebe und das, was der Liebe am nächsten ist – den Tod. Geschickt verknüpft sie die einzelnen Leben und Tode der Figuren zu einer unaufgeregten aber sympathischen Geschichte über Menschen, die um Liebe und Freiheit kämpfen.

Auf den letzten 100 Seiten erreicht Niffenegger allerdings einen Punkt, ab dem ich mich nicht mehr in der Geschichte wohl gefühlt habe. Nicht nur der Verstand einiger Protagonisten entwickelt sich in bedenklicher Weise, auch die Geschichte nimmt einige tragische Wendungen und die Pointe wirkt leider überkonstruiert. Trotzdem macht das den positiven Gesamteindruck nicht zunichte.

Die Autorin versteht es, den Leser, aus ihrer amerikanischen Perspektive nach London zu führen, ihn im Groben mit der Stadt und im Detail mit Highgate vertraut zu machen. Ihre große Stärke liegt in der Beschreibung der symbiotischen Beziehung der Zwillinge, die trotz ihrer 20 Jahre immer noch im selben Bett schlafen und alles gemeinsam unternehmen. Es ist die Geschichte einer Trennung, die ein tragisches Ausmaß annimmt.

 

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Roman:

Die Zwillinge von Highgate

Reihe: -

Autor: Audrey Niffenegger

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten

Verlag: Fischer, S. (Oktober 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3100524071

ISBN-13: 978-3100524072

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 30.11.2009, zuletzt aktualisiert: 20.08.2019 17:14