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Die Zwölf von Justin Cronin

Reihe: Passage-Trilogie, Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

Der amerikanische Autor Justin Cronin stammt aus Neuengland und studierte in Harvard. Später besuchte er den berühmten Iowa Writer’s Workshop und begann zu schreiben. Seine beiden ersten Romane wurden bereits mit Preisen ausgezeichnet. Nun arbeitet der inzwischen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Houston, Texas, lebende Autor an der „Passage-Trilogie“ zudem ihn seine Tochter inspirierte. Nach „Der Untergang“ ist mit „Die Zwölf“ nun der zweite Band der Endzeit-Saga erschienen.

 

Zwölf zum Tode verurteilte Männer haben sich für ein medizinisches Experiment zur Verfügung gestellt, bei denen ihnen ein gefährliches Virus injiziert wurde. Auch ein sechsjähriges Mädchen wurde entführt, um für die Testreihen herzuhalten. Doch damit besiegelt die Menschheit ihren Untergang. Eine Epidemie breitet sich rasend schnell aus und löscht große Teile der Menschheit aus. Wer trotzdem überlebt verändert sich wie die Männer und wird seinerseits zu einem Überträger der Krankheit.

Nur Amy überlebt und mutiert zu einer ganz besonderen Person. Sie scheint immun gegen den Virus zu sein und wird zur Freundin und Beschützerin einer Gruppe von Menschen, die ebenfalls dem schleichenden Tod entkommen sind.

Im Verlauf der nächsten sechsundneunzig Jahre wird die Welt weitestgehend entvölkert. Das geschieht nicht nur durch die Infizierten, auch das Militär versucht alles, um die Epidemie aufzuhalten – auch wenn dafür Bomben auf Unschuldige geworfen werden.

Nur noch an wenigen Orten der Erde halten sich im Laufe der Zeit Enklaven von freien und gesunden Menschen, die ihre Freiheit erbittert verteidigen. Ansonsten durchziehen die sogenannten „Virale“ das Land, Menschen, die angesteckt wurden und sich wie die Zwölf verändert haben, nun genau so wie diese auf der Suche nach frischem Fleisch sind. Doch wenn sie einmal in ihrer Wachsamkeit nachlassen, kommt sie das teuer zu stehen. Doch werden sie auf Dauer bestehen können.

Denn es gibt leider auch einige Menschen, die quasi Nutznießer des Grauens geworden sind und den Virus nutzen, eine Stadt mit einer Gesellschaft aufzubauen, in der die „Normalen“ nur noch Arbeitssklaven und Nahrung sind ...

 

Anders als im ersten Band seiner düsteren Endzeit-Saga, bewegt sich Justin Cronin nicht nur in einer Zeitebene, sondern holt das nach, was er vernachlässigt hat. Während die Geschichte von Amy und ihren Gefährten nur wenig weitererzählt wird, erfährt der Leser nun, wie es eigentlich zu der endzeitlichen Welt voller Zerstörung gekommen ist.

Minutiös bereitet er auf, wie sich die Infektion ausbreitet und Durchschnittsamerikaner plötzlich damit konfrontiert werden, dass sich ihre Nachbarn in fleischhungrige Monster ohne Verstand verwandeln. Er erzählt von der Kaltschnäuzigkeit des Militärs, das Kolalateralschäden in Kauf nimmt, um Virusquellen auszuschalten und nicht zuletzt auch von den Menschen, die einfach nur versuchen, zu überleben und sich dabei selbst zu den Sklaven der Virals machen.

Alles in allem wird so der Hintergrund abgerundet, die Atmosphäre der Geschichte noch dichter. Gleichzeitig stellt er die Weichen für den abschließenden Band, arbeitet Hinweise in die Geschichte ein, die den Helden vielleicht das Überleben ermöglichen können.

Alles in allem muss man schon einiges an Geduld mitbringen, um die Geschichte genießen zu können. Durch die vielen Handlungsebenen und Figuren kann man schon einmal den Überblick verlieren und braucht einige Zeit, um sich in neuen Szenen zu orientieren, auch scheint die Handlung über weite Strecken des Buches dahin zu plätschern.

Erst zum Ende hin bekommt der Leser eine Ahnung, dass viele Entwicklungen nicht nur als Füllstoff dienen, sondern sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen und die Geschichte auf ihre weise voran treiben.

Durch ihre Vielzahl bleiben viele Charaktere eher blass und dienen mehr dazu, einen Schauplatz zu bevölkern und auf die Ereignisse zu reagieren, als selbst aktiv zu handeln oder gar tiefere Einblicke in ihr Wesen zu gewähren. Viele bleiben reine Archetypen.

Alles in allem bedient sich der Autor in seinem Endzeitthriller beliebter Bilder und Handlungsmuster. Mehr als einmal hat man ein Westernszenario im Kopf, wie es in vielen Endzeitgeschichten zu finden ist. Auch die Horrorelemente fügen sich sauber ein.

Kennt man den ersten Band nicht, ist es schwierig, sich am Anfang in die Geschichte einzufügen, auch wenn die Ereignisse auf sehr interessante Weise zusammengefasst wurden. Erst mit der Zeit vergeht dieser Eindruck.

 

Alles in allem ist „Die Zwölf“ ein atmosphärisch dichter Endzeitthriller, der durchaus seine actionreichen Momente hat. Insgesamt muss man aber einiges an Geduld mitbringen, um den Zusammenhang in den akribisch geschilderten Szenenfolgen zu erkennen und die wahre Spannung im Hintergrund zu erkennen. Leichte und kurzweilige Lektüre bietet der schwergewichtige Wälzer nämlich nicht unbedingt.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Die Zwölf

Reihe: Passage-Trilogie, Band 2

Autor: Justin Cronin

Original: The Twelve, USA 2012

Goldmann, München, erschienen Januar 2013

Gebunden, 832 Seiten

Übersetzung: Rainer Schmidt

Titelbildgestaltung: Uno Werbeagentur

ISBN-10: 3442311799

ISBN-13: 978-3442311798

Erhältlich bei: Amazon

Kindle-Edition:

ASIN: B009IZII34

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 22.01.2013, zuletzt aktualisiert: 30.04.2019 14:17