Nachdem Japaner und Koreaner mit ihren „Boys Love“-Geschichten, sei es nun in Roman- oder Comic-Form das Genre im westlichen Kulturkreis hoffähig gemacht haben und eine Fangemeinde um sich versammeln konnten, legen nun schon seit einigen Jahren auch die Chinesen mit ihren „Danmei“-Geschichten nach. „Dinghai Fusheng Records“ ist eine davon.
Über eine sehr lange Zeit gehörte Magie im alten China zum Leben mit dazu und berührte alle Bereiche, aber seit drei Jahrhunderten versiegt das Qi des Himmels langsam und nur noch wenige sind in der Lage es zu nutzen. Das führt zu mehr Neid, Missgunst und Hass zwischen den Menschen. Krieg wurde unvermeidlich.
In dieser Zeit der Wirren und Auseinandersetzungen zwischen den drei Reichen Chinas sicht der junge Chen Xing nach seinem Beschützer und Ankerpunkt. Mit der letzten ihm verbliebenen Magie, der Herzenslampe, findet er diesen schließlich in einer Stadt, die kurz vor dem Untergang steht. Allerdings hat der geheimnisvolle Xiang Shu andere Pläne.
Und so entwickelt sich eine in der Boys Love sehr typische Geschichte, denn natürlich ist der Auserwählte erst einmal sehr unwillig, was er auch recht schnell zeigt. Aber das Schicksal führt die beiden Hauptfiguren natürlich wieder zusammen, die schon bald merken, dass sie zusammenbleiben müssen, um ihre Welt zu retten. Leidenschaft bleibt allerdings erst einmal völlig ausgeblendet.
Der Autor nimmt sich die zeit, die Beziehung langsam und im Kontext seines Settings aufzubauen, in dem Liebe zwischen Männern zwar nicht üblich, aber auch nicht verpönt ist und es sogar entsprechende kulturelle Möglichkeiten gibt. Inwieweit das historisch ist, sei allerdings dahin gestellt.
Es ist aber dennoch interessant, wie der Autor die Vergangenheit mit deutlichen Fantasy-Elementen und Mythologie vermischt. Er legt sehr viel Wert darauf, die damalige Zeit vor allem für die einheimischen Leser lebendig zu machen. Daher ist die Übersetzung auch mit vielen Fußnoten und Erklärungen gespickt.
Die Spannung bleibt trotz einiger Actionszenen auf einem mittleren Niveau, denn Beschreibungen, aber auch Dialoge nehmen einen breiten Raum ein und die Handlung schreitet so nur langsam voran.
Das ist auch gut so, bekommt man so doch auch als westlicher Leser einiges mehr von der Kultur und den Gebräuchen mit, hat vielleicht selbst Lust bekommen, sich die Epoche der Zeit der drei Reiche einmal genauer anzuschauen. Heraus kommt so eine Geschichte, die vor allem durch das atmosphärische Setting überzeugt, die Figuren entwickeln allerdings erst nach und nach mehr Eigenleben. Das ein oder andere Klischee wird natürlich auch nicht ausgespart, aber das gehört auch zum Genre mit dazu. Der Roman selbst findet einen vorläufigen Abschluss. Man merkt aber, das viele Fragen offen bleiben.