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Dolmen. ... vergessen sollst du nie von Nicole Jamet und Marie-Anna Le Pezennec

Rezension von Goswin

 

Inhalt:

Die Polizistin Marie Kemeur ist nach Hause, auf eine abgeschiedene Insel vor der bretonischen Küste, zurückgekehrt, um dort zu heiraten. Doch bereits am Vorabend der Hochzeit stört ein böses Omen die Vorbereitungen.

Am nächsten Morgen findet Marie die Leiche eines ihrer Brüder am Strand. Als sie beginnt, den Tod ihres Bruders zu klären, stößt sie bei den Inselbewohnern und auch bei ihrer Familie auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung. Es scheint, als hätten alle etwas zu verbergen…

 

Rezension:

Im August 2006 erschien im Knaur-Verlag der französische Roman "Dolmen … vergessen sollst du nie". Für knapp 20€ kann man das 500 Seiten dicke, gebundene Buch mit Schutzumschlag kaufen.

In Frankreich erschien das Buch im Jahr 2005 unter dem Titel "Dolmen". Gleichzeitig wurde die Geschichte als TV-Serie im französischen Fernsehen gezeigt. Beides war ein großer Erfolg, der nun in Deutschland fortgesetzt werden soll, evtl. auch durch die Fernsehserie.

Das Autorenduo Nicole Jamet und Marie-Anna Le Pezennec arbeitet bereits seit mehreren Jahren zusammen, allerdings produzierten die beiden bislang Drehbücher.

Als Ergänzung des Romans findet man in den Buchdeckeln eine Übersichtskarte der Insel, auf der der Roman spielt. Die Karte ist allerdings recht grob und widerspricht in Teilen auch dem Inhalt des Romans. Weiterhin gibt es eine Liste der handelnden Personen, welche durchaus hilfreich ist, da man bei der Menge der handelnden Figuren und ungewohnten bretonischen Namen schnell mal den Überblick verlieren kann.

Das Cover zeigt einen Blick aufs Meer, welches sich an einigen Klippen bricht. Durch eine metallisch glänzende Beschichtung des Schutzumschlages erscheint die Szenerie wie bei Mondlicht aufgenommen.

Der Titel des Buches verweist auf einen mythischen Bezug des Romans hin, auch wenn dieser nicht soweit in der Geschichte zurückgeht, wie man vielleicht ahnt.

Alles in allem ist die Aufmachung und Ausstattung des Romans durchaus gelungen.

 

Der Klappentext, der sich nur sehr kurz über die Autorinnen auslässt, beinhaltet doch eine sehr wichtige Information. Das Autorenduo schreibt eigentlich Drehbücher…

Genau diese Tatsache merkt man dem Roman beinahe auf jeder Seite an. Zwar ist das Buch nicht ein simples umgeschriebenes Drehbuch, aber die Autorinnen hatten offensichtlich nicht die Phantasie des Lesers im Kopf, sondern eine Fernsehkamera.

 

So kommt es, dass sie viele Stilmittel nutzen, die ein reiner Romanautor wohl nie verwenden würde.

Es beginnt damit, dass sie die handelnden Figuren nicht durch ihre Handlungen charakterisieren, sondern dem Leser in Kurzform mitteilen, was für einen Menschen man grad vor sich hat. Dies hat zwar einen schnellen Effekt und der Leser ist schnell im Bilde, aber es tötet auch Phantasie.

Es geht damit weiter, dass der Blick in die Gedanken einer Person, mit dem man als Leser dem Geschehen folgt, innerhalb eines Satzes von einer Person auf die andere wechselt. Solche ansatzlosen Sprünge zwischen Figuren und Szenen mögen visuell funktionieren, aber in einem Roman sind sie fehl am Platze.

Auch die Beschreibung der Örtlichkeiten ist in Anbetracht der eigentlich wohl sehr reizvollen Landschaft in der der Roman spielt, sehr dürftig ausgefallen. Hier muss man als Leser schon viel Phantasie aufbringen, um sich die felsige Insel auszumalen.

Doch auch wenn die Autorinnen all diese "Fehler" gemacht haben, ist der Roman trotzdem gelungen. Man muss als Leser letztlich die ersten knapp 100 Seiten überstehen. Dann hat der Roman trotz allem Leben bekommen, die Figuren erwachen und die Handlung wird spannend.

Die Figuren, die anfangs recht lieblos charakterisiert wurden, erwachen zum Leben und teilen dem Leser durch ihre Handlungen mit, wer sie sind. Das funktioniert im Laufe des Romans immer besser, denn die Situationen, denen die Figuren ausgesetzt sind, werden immer extremer und enthüllen Charaktere.

Die Handlung, die recht langsam beginnt, kommt mit der Zeit immer mehr in Fahrt. Dabei ist nicht nur die reine Kriminalhandlung gut gelungen, sondern auch die zahlreichen zwischenmenschlichen Tragödien und Konflikte, die sich aus der weiblichen Hauptfigur und ihrer Beziehung zu ihrer Familie und den anderen Bewohnern der Insel ergeben.

Von einem Thriller erwartet man als Leser in erster Linie spannende Unterhaltung. Dies ist dem Autorenduo zweifellos gelungen. Die beiden haben sich dafür komplizierte, aber trotzdem noch glaubwürdige Verstrickungen ausgedacht. Die Handlung entwickelt sich von einem einzigen Todesfall hin zu einer ganzen Serie von Morden, deren Verbindung den Polizisten erst langsam klar wird.

Wenn man einen Krimi liest, dann möchte man natürlich auch gern mitraten, wer denn der Mörder ist. Dies kann man in diesem Buch wunderbar. Die Personenliste am Anfang lädt dazu auch geradewegs ein. Allerdings ist es keine allzu schwere intellektuelle Herausforderung, die Hintergründe der Morde schon weit vor den Polizisten zu erahnen. Das liegt aber nicht an der Dummheit der Figuren, sondern daran, dass man als Leser natürlich mehr Informationen geliefert bekommt.

 

Der Titel lässt vermuten, dass keltische Mythen im Roman eine Rolle spielen, das tun sie zwar, aber nur eine Untergeordnete. Vielmehr bezieht sich der Titel auf einen Ort auf der Insel. Niemand sollte sich das Buch also aus Interesse an keltischer Mythologie besorgen.

 

Fazit:

"Dolmen … vergessen sollst du nie" ist ein spannender Thriller, der zwar einige stilistische Mängel hat, aber trotzdem den Leser spannend zu unterhalten weiß. Hat man den etwas holprigen Anfang überwunden, entwickelt sich das Buch zu einem jener Romane, die man kaum aus der Hand legen kann.

 

Eure Meinung:


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Dolmen. ... vergessen sollst du nie

Autorinnen: Nicole Jamet und Marie-Anna Le Pezennec

Knaur, August 2006

Gebundene Ausgabe, 512 Seiten

ISBN: 3426662213

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 21.08.2006, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57