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Drachenlied von Anne McCaffrey

Reihe: Harper Hall-Trilogie, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Bereits 1981 erschien das vorliegende Buch unter dem Titel „Drachengesang“ im Heyne-Verlag. Seither ist er immer wieder neu aufgelegt worden – manchmal auch in anderen Verlagen. Der Roman ist Teil der „Drachenreiter von Pern“-Saga und Start einer Trilogie um die junge Menolly, die trotz ihres großen musikalischen Talentes mit vielen gesellschaftlichen Problemen zu kämpfen hat.

 

Von alters her ist es Sitte, das nur Männer in die Harfnergilde aufgenommen werden, die auf Pern in den Burgen und Weyr die Kinder unterrichten und das Wissen um Ereignisse in früherer oder heutiger Zeit in Balladen bewahren. Da das Mädchen auch noch aus einer konservativen Familie stammt, ist es nicht gerne gesehen, dass sie sowohl beim Musizieren als auch beim Singen sogar den alten Harfner der Burg übertrifft. Allein Petiron hält seine schützende Hand über sie und versucht ihr so viel mitzugeben, wie er kann.

Dann stirbt der alte Barde und Menolly muss sich der Realität stellen. Ihre Familie versucht sie mit allen Mitteln (selbst einer bewusst falsch zugenähten Wunde auf der Hand) davon abzuhalten, Musik zu machen. Denn der von der Harfnerhalle neu angeforderte Meister, der Petirons Stellen einnehmen soll, darf nichts von ihrem Talent erfahren, da das sonst Schande über die Familie bringt.

Als Menolly die Repressalien der älteren Verwandten, die sie zum teil mit Gewalt auf ihren Platz als Frau verweisen wollen, nicht mehr länger aushält, läuft sie davon und versteckt sich über Wochen und Monate in einer Höhle am Strand. Dort lernt sie das Geheimnis der kleinen Verwandten der Drachen – der Feuerechsen – kennen.

Was sie nicht weiß ist, dass der alte Harfner noch vor seinem Tod einen Brief an Meisterharfner Robinton geschickt hat, in dem er von ihr erzählte, ohne jedoch das Geschlecht des talentierten Schülers zu erwähnen. Und so hat der auf die Burg geschickte Harfner auch noch einen anderen Auftrag zu erfüllen...

 

In den 1970ger Jahren war das Thema der weiblichen Emanzipation und Selbstbestimmung in aller Munde. Es eroberte nach und nach auch die Unterhaltungsliteratur, auch die Science Fiction und nicht zuletzt die Fantasy. Menolly musste wie viele Mädchen in anderen Büchern nun auch gegen gesellschaftliche Konventionen und althergebrachte Konventionen kämpfen, die jedem seinen Platz zuwiesen, egal, welche Talente und Fähigkeiten er hat. Deshalb ist die Handlung von Drachenlied nicht ganz so ungewöhnlich wie man denkt.

Zunächst bekommt sie Härte und Feindseeligkeit zu spüren, dann aber findet sie endlich die Menschen, die sie so mögen wie sie ist und in erster Linie das sehen, was sie kann und dann erst ihr Geschlecht.

All das ist in eine jugendgerechte aber spannende Handlung eingebettet, die zugleich mehr über die Welt Pern und ihre menschlichen Bewohner in den Burgen und auf den Weyren verrät. Der Roman kann mit einer Vielzahl von sympathischen Figuren und lebendig geschilderten Alltagssituationen aufwarten, ohne dass die Beschreibungen all zu sehr ausgewalzt werden.

Die klug aufbereitete und atmosphärisch dichte Geschichte gehört seit ihrem Erscheinen zu den Klassikern des Genres, weil sie viele von den Elementen enthält, die gute Fantasy haben muss – sich entwickelnde Charaktere und eine tiefgründigere Handlung.

Wer die sonst übliche Erwähnung von Magie und Göttern vermisst, sollte wissen, dass – auch wenn in der „Harper Hall“-Trilogie nicht viel davon zu merken ist, der gesamte „Drachenreiter von Pern“-Zyklus der „Science Fantasy“ zugerechnet wird, dem Grenzbereich zwischen den Genres, in dem meist eine archaische Gesellschaft die Vermächtnisse ihrer Vorfahren wieder zu entdecken beginnt.

 

„Drachenlied“ ist damit nicht nur für junge Mädchen interessant, sondern ist als „All Age“-Fantasy auch für Erwachsene interessant. Wer das Buch noch nicht hat und abenteuerliche Geschichten mit Tiefgang und sympathischen Charakteren mag, sollte jedenfalls ruhig zugreifen.

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Drachenlied

Reihe: Harper Hall - Trilogie

Autorin: Anne McCaffrey

broschiert, 206 Seiten

cbt, erschienen April 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Birgit Reß-Bohusch

Titelillustration von Christophe Madura

ISBN-10: 3570306127

ISBN-13: 978-3570306123

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.04.2009, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53