Drachentotem von Aner Cui

Rezension von Christel Scheja

 

Da im Jahr 2009 China das Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse war, erschienen naturgemäß einige Werke mehr als sonst von chinesischen Schriftstellern in Deutschland. Auch Ueberreuter entschied sich dazu, diesmal auch einen ausländischen Preis zu verleihen und wählte dafür „Drachentotem“, den Debut-Roman von Aner Cui aus. Der 1985 in Guangdong geborene Autor studierte Sinologie und arbeitet heute in einem chinesischen Kinderbuchverlag als Lektor. 2007 erhielt er den dritten Preis für Lyrik chinesischer Studenten.

 

In den Tagen der Schöpfung versuchte Chiyou, der böse Gott der Zerstörung bereits all das zu vernichten, was der große Pangu geschaffen hatte, auch die Welt Xiaer und ihre Bewohner. Damals gelang es dem Gottvater das Böse zurückzudrängen und Chiyou in einen tiefen Schlaf zu versetzen. Doch nun mehren sich die Zeichen, dass der Finstere langsam aber sicher erwacht. Und wenn dies geschieht, geraten alle Lebewesen erneut in Gefahr.

Aus diesem Grund muss ein neuer Held her, der alles dafür tun wird, die Welt zu retten. Die Weisen finden ihn in dem jungen Shaodian, der bereits mit siebzehn Jahren über alle Maßen klug und beredt ist, zudem vom Blute Pangus ust und die Drachenperle trägt. Er wird nun von König Dayu gebeten, den großen Drachen wieder zu finden, ehe Chiyou ganz bei sich ist. Dieser soll mit anderen Pangu-Menschen in ein anderes Land und Zeitalter gezogen sein. Um seine Mission zu erfüllen, sammelt der junge Mann einige tapfere Helden um sich. Da ist zum einen der zehn Jahrtausende alte Weise Bors, der listige Zauberer-Dieb Het, der mutige Krieger Babuduo. Auch die beiden Kinder von König Dayu, Prinz Maihan und Prinzessin Anta schließen sich ihm an, letztere aus Liebe.

Gemeinsam machen sie sich auf die lange und entbehrungsreiche Reise, auf der sie feststellen müssen, dass das Böse bereits seine Anhänger um sich schart. Denn ausgerechnet vor dem entscheidenden Schritt in eine andere Zeit – vor der Pagode der Erdgeister – werden sie von den Schergen Chiyous angegriffen. Gerade noch mit dem Leben davon gekommen müssen sie feststellen, dass auch in einer anderen Epoche die Gefahren und Feinde nicht minder gering sind.

 

„Drachentotem“ zeigt sehr deutlich, wie anders chinesische Fantasy gegenüber der westlichen ist. Inhaltlich wie stilistisch ist das Buch sehr der Tradition verbunden. Der Erzählstil ist märchenhaft-episch, manchmal recht naiv, dann wieder wird mit Superlativen um sich geworfen um deutlich zu machen, wie mächtig oder bedeutend die Figur ist.

Die Helden und Schurken sind keine Individuen sondern Archetypen, die ihre Rolle in einem lange vorher festgelegten Stück spielen. Keiner von ihnen hat wirkliche Schwächen, vor allem Shaodian wirkt absolut fehlerlos, da ihm immer das Rechte zur richtigen Zeit einfällt und er niemals den Mut verliert. Wirklich menschliche Züge besitzt er nicht.

Seine Begleiter bleiben zu blass, um wirklich eine Persönlichkeit zu entwickeln. Sie ergänzen den Helden mit ihren Fähigkeiten und gleichen dort aus wo ihm noch die Erfahrung fehlt. Der einzige weibliche Charakter des Buches ist auch nur dazu da, um Shaodian anzuhimmeln.

Wer sich ein wenig in der chinesischen Mythologie auskennt, wird immer wieder Versatzstücke aus den großen Mythen wie der „Reise nach Westen“ wieder erkennen, viele der Fabelwesen und Spuren der klassischen Helden.

Doch ob das Buch wirklich Jugendliche und Kinder fesseln kann, sei dahin gestellt. Die Erzählweise ist äußerst hölzern und trocken, das Verhalten der Figuren oft nicht so nachvollziehbar, wie es sein sollte und die Superlativen könnten auch ein wenig zu viel sein.

 

Letztendlich ist „Drachentotem“ ein interessanter Versuch, die phantastische Literatur des fernen Ostens nach Deutschland zu bringen, aber gerade das Buch zeigt auch die Schwierigkeiten und Unterschiede auf, die es dabei gibt. Wer nicht ohnehin schon ein Faible für China hat, wird das Buch nicht mögen, da er den symbolhaften Charakter vieler Beschreibungen nicht erkennen kann und es vermutlich eher übertrieben und langweilig zugleich finden.

 

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Buch:

Drachentotem

Autor: Aner Cui

Ueberreuter, erschienen September 2009

Gebunden, 431 Seiten

Übersetzung aus dem Chinesischen von Anna Stecher und Weiyi Zhang

Titelbildgestaltung unter Verwendung eines Bildes von corbis

ISBN-10: 3800055031

ISBN-13: 978-3800055036

Erhältlich bei Amazon

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zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49 | Users Online
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