Drachenwacht von Naomi Novik

Reihe: Die Feuerreiter seiner Majestät Band 5

Rezension von Christel Scheja

 

Überraschenderweise erscheint der neue Band der Serie „Die Feuerreiter seiner Majestät“ nicht wie die anderen in der Fantasy-Taschenbuchreihe von Blanvalet, sondern als großformatiges Paperback bei dem noch jungen Label Penhaligon. Ob das eine so gute Idee war, bleibt abzuwarten, denn ein Einstieg in die Reihe ist nicht unbedingt so einfach, wie es zunächst aussieht.

Naomi Novik hat ihre Serie in einem ungewohnten Setting angesiedelt, dem frühen 19. Jahrhundert. Bis auf die Tatsache, dass es Drachen gibt, die sich zum Teil mit den Menschen angefreundet haben, gleicht vieles im Verlauf der irdischen Geschichte. Auch hier rüstet sich im Jahr 1806 Napoleon Bonaparte zur Eroberung des alten Kontinentes und allein England hat ihm bisher stand gehalten.

In diese Wirren ist der junge Kapitän William Lawrence geraten. Durch einen dummen Zufall ist er der Gefährte des jungen chinesischen Kaiserdrachens Temeraire geworden, der eigentlich für Bonaparte selbst bestimmt gewesen war und hat lange um sein Recht kämpfen müssen – was ihn und seinen Drachen noch enger zusammen geschmiedet hat.

Allerdings konnte er auch nicht mit ansehen, wie eine Seuche nach und nach die Drachen in Kontinentaleuropa umgebracht hat. So stellte er das in Afrika entdeckte Heilmittel nicht nur seiner eigenen Regierung zur Verfügung, sondern auch Frankreich.

 

Das macht Lawrence in den Augen seiner Landsleute zu einem Hochveräter. Er wird zum Tode verurteilt und Temeraire schickt man in ein Zuchtgehege nach Schottland. Während der junge Drache dort vor sich hin grollt, wird die Hinrichtung allerdings aufgeschoben. Denn Napoleon fällt bei Nacht und Nebel in England ein und beginnt sich langsam von der Küste ins Landesinnere vorzuarbeiten. Weil die Admiralität auf einen so mächtigen Drachen wie Temeraire nicht verzichten kann, darf Lawrence am Leben bleiben. Man schickt ihn sogar in den Norden. Doch als er in dem Lager im Norden ankommt, findet er es leer und verlassen vor.

Voller Sorge macht sich der ehemalige Kapitän auf die Suche nach seinem Freund.

Er ahnt noch nicht, dass Temeraire des Wartens und Ausharrens müde geworden, seine Mitdrachen aufgestachelt hat, nicht länger nur untätig herum zu sitzen sondern selbst etwas zu unternehmen. Warum sollten sie nicht auch ohne Menschen gegen die Franzosen kämpfen können? Schließlich sind sie keine dummen Tiere, die der Führung von Männern auf ihrem Rücken bedürfen? Und so können sie sich selbst entsprechende Prisen verdienen.

Tatsächlich führt dieser Schachzug zum Erfolg.

Und so muss Lawrence, als er endlich zu seinem Freund aufschließt, feststellen, dass Temeraire erwachsen geworden ist und durchaus auch in seinem eigenen Recht handeln kann. Das hat aber nichts an der Liebe des Drachen zu seinem Gefährten verändert.

 

Der fünfte Band der Reihe schließt nahtlos dort an, wo „Drachenglanz“ aufgehört hat. Da auch eine Zusammenfassung der vorherigen Bände fehlt, werden es Neueinsteiger anfangs schwer haben, sich in der Handlung zurecht zu finden, auch wenn sich das später etwas bessert.

Nach den exotischen Abenteuern des letzten Bandes, gibt es jetzt wieder handfeste Kriegsschilderungen. Dabei fallen vor allem die Drachen durch ihren interessanten Umgang mit den Kampfhandlungen auf und neben Temeraire entwickeln nach und nach auch andere eine sehr eigene Persönlichkeit. Man erfährt mehr über ihr Denken und Fühlen.

Lawrence tritt hingegen etwas in den Hintergrund, auch wenn er seine eigene Probleme ausfechten muss und manchmal mit seinen Gewissen, dann wieder mit seinem Ehrgefühl hadert. Hier kommt wieder sehr schon seine durch strenge Erziehung und Regeln geprägte Persönlichkeit zu Tage, durch die er ein spannender Gegensatz zum eher freigeistigen Temeraire ist, der überwiegend nach seinem Instinkt handelt.

Das alles wird in eine spannende und abwechslungsreiche Handlung verpackt, denn die Geschichte beschäftigt sich nicht nur mit der Beziehung der beiden, sondern auch mit den Kriegshandlungen in England, auch wenn die Autorin darauf verzichtet, sich in Schlachtenschilderungen zu ergehen.

 

Auch „Drachenwacht“ weiß durch eine augenzwinkernde und durchweg spannende Geschichte mit so mancher Überraschung zu überzeugen. Allein die Tatsache, dass man mehr Spaß an den Geschehnissen hat, wenn man die vorherigen Bände bereits kennt, trübt den guten Eindruck ein wenig.

 

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zuletzt aktualisiert: 25.07.2021 14:15 | Users Online
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