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Drachenzauber von Patricia Briggs

Rezension von Christel Scheja

 

 

Fantasy und Drachen sind untrennbar miteinander verbunden, das beweisen die unzähligen High-Fantasy-Titel, die im Moment auf dem deutschen Markt zu finden sind.

Und es ist bewundernswert, dass den Autoren auch nach „Eragon“ und Co. immer noch neue Variationen ihres Lieblingsthemas einfallen. Nicht immer spielen Drachen auch körperlich die Hauptrolle, manchmal ist es auch ihr Geist oder ihr Vermächtnis.

 

Das ist in Patricia Briggs „Drachenzauber“ der Fall. Die amerikanische Autorin erzählt vor allem von dem jungen Ward von Hurog, der sich in den letzten Jahren in die Rolle eines geistig zurückgebliebenen Tölpels geflüchtet hat, um seinen tyrannischen Vater zu täuschen, der ihn sonst vermutlich wirklich in den Wahnsinn getrieben hätte.

Als der alte Mann endlich stirbt, lässt Ward vorsichtig seine Maske fallen und einige der treusten Gefolgsleute erfahren - unter ihnen sein väterlicher Freund Oreg - , das er alles andere als dumm ist. Er hat gelernt genau zu beobachten und messerscharf zu taktieren, weiß sehr genau, dass er nun aufpassen muss.

Denn nun tritt ein weit größerer Feind auf den Plan. Dieser hat offensichtlich auch mit den brutalen Übergriffen auf das Volk zu tun. Der König, dem die Familie von Hurog schon immer ein Dorn im Auge war, sieht seine Stunde gekommen, um die Festung und ihr Geheimnis an sich zu reißen.

Doch er hat die Rechnung nicht mit Ward gemacht, der selbst erst kurz vorher durch Oreg erfahren hat, das die Burg auf den Knochen eines Drachen erbaut ist und er selbst deren Blut in sich trägt, was ihn zu einem mächtigen Magier macht, der zwar unausgebildet ist, aber auch intuitiv richtig handelt. Zusammen mit seiner Schwester und seinen treusten Gefolgsleuten macht er sich auf, den Intrigen zu begegnen und ihr Ausmaß zu erkunden.

Weil er die heimliche Invasion und Machtergreifung eines finsteren Magiers und seiner Schergen rechtzeitig verhindern und mit Oregs Hilfe vernichten kann, gewinnt er Ansehen beim Volk und beim Adel gewinnen, doch das macht den König nur noch um so wütender. Deshalb sinnt er darauf, Ward zu zerstören, ehe dieser ihm noch gefährlicher werden kann. Da Ward immer noch als Irrer gilt, lässt er ihn von seinen Wachen abholen und unter Drogen setzen, um ihn in seinen eigenen Kerkern geistig zu zerstören, nachdem er ihm die Geheimnisse Hurogs entrissen hat.

Doch er rechnet nicht damit, dass Ward stärker ist als gedacht und seine Freunde die Festnahme ihres Gefährten nicht so einfach hinnehmen wollen...

 

Patricia Briggs lässt die mächtigen Fabelwesen in „Drachenzauber“ nur sehr kurz Auftreten. Sie sind Schatten einer Vergangenheit, die nicht noch einmal herauf beschworen werden soll, und geben sich damit zufrieden, dass die Menschen die Herrschaft über die Welt übernommen hat.

Nur denen, die mit ihnen verbunden sind gewähren sie entsprechende Hilfe und greifen dann ein, wenn es sein muss. Im Fall des Hauses von Hurog ist es eher eine Hassliebe - bis Ward sich auch ihre Achtung verdient.

Die Autorin konzentriert sich statt dessen lieber auf die Menschen. Sie schildert zunächst aus Wards Sicht, wie das Leben auf der Burg aussieht und stellt nach und nach die wichtigsten Figuren vor. Spannung entsteht vor allem dadurch, dass der Held immer wieder abwägen muss, wie viel Intelligenz er zeigt. Erst als er sich mit seinen Freunden auf die Reise macht, um die seltsamen Vorkommnisse zu ergründen und jemanden zu suchen, kommen auch Abenteuer und Magie ins Spiel.

Obwohl man die Charaktere vor allem durch die Schilderung alltäglicher Ereignisse gut kennenlernt, und sich die Welt recht gut vorstellen kann, kommt die Handlung doch nicht so recht in die Gänge und manchmal ziemlich ins Stocken. Das Buch, das im Original eigentlich aus zwei Romanen besteht ist stellenweise recht langatmig, und man muss sich schon zwingen weiter zu lesen, was den ansonsten eigentlich sehr positiven Eindruck etwas trübt.

Denn Patricia Briggs schreibt ihre eigene Geschichte fernab der meisten Klischees und variiert die Bestehenden gekonnt, so dass man eine frische neue Drachendarstellung bekommt, die ihre mythologischen Wurzeln doch nicht so ganz verleugnen kann.

Leichte Kürzungen hätten sicher Wunder gewirkt, so aber muss man damit leben, dass der Roman zwar faszinierend ist aber auch sehr langatmige Stellen besitzt.

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Drachenzauber

Autorin: Patricia Briggs

broschiert, 800 Seiten

Heyne, erschienen Juni 2007

ISBN 978-3-453-52309-8

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Regina Winter

Titelbild von Nele Schütz Design, Karte von Andreas Hancock

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 29.06.2007, zuletzt aktualisiert: 18.06.2021 20:59