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Drachenzorn von Naomi Novik

Reihe: Die Feuerreiter seiner Majestät Band 3

Rezension von Christel Scheja

 

Mit „Drachenzorn“ setzt Naomi Novik ihren Zyklus um die „Feuerreiter seiner Majestät“ fort.

Sie hat dabei ein ungewohntes Setting gewählt, mit dem man Drachen sonst nicht in Verbindung bringt. Ihre Romane sind in einem alternativen Europa angesiedelt, in dem sich Napoleon Bonaparte genau so entschlossen zum Kaiser gekrönt hat und nun daran macht, ganz Europa unter seine Kontrolle zu bringen. Doch anders als im irdischen Jahr 1806 werden die Kriege nicht nur mit Bajonetten, Schwarzpulver und Kanonendonner geführt, sondern auch mit Drachen, die zu einem unverzichtbaren Teil der Armeen geworden sind.

 

William Laurence ist eher unfreiwillig und zufällig der Gefährte des chinesischen Kaiserdrachen Temeraire geworden. Denn er hat die Fregatte aufgebracht, die das kostbare Drachenei an den Hof Napoleon Bonapartes gebracht, für den Temeraire eigentlich bestimmt gewesen war.

Da das nicht verborgen geblieben ist, ist eine Delegation aus dem fernen Osten aufgetaucht und hat von den Engländern Rechenschaft gefordert. Nach zähen Verhandlungen hat man sich darauf geeignet, Laurence und Temeraire nach China zu schicken, um sich dort einem Schiedsspruch des erhabenen Kaisers und seines Drachenrates zu stellen.

Und dort hält sich Laurence gerade auf, nachdem er eine Intrige am Kaiserhof aufgedeckt, beherzt eingegriffen und den Verrat eines Pan seinem Oberherrn verhindert hat. Gerade sein vorgehen hat ihm dabei geholfen, seine eigenen Probleme zu klären.

Er ist in das chinesische Kaiserhaus adoptiert worden, um dem Recht genüge zu tun, nachdem man sich dort damit zufrieden gezeigt hat, dass Laurences Vorfahren selbst aus einem Königshaus stammen.

Nun hofft der junge Kapitän wieder nach England beordert zu werden, aber es kommt anders als er denkt. Ein königlicher Befehl schickt ihn nach Istanbul, wo er und Temeraire Dracheneier holen soll. Denn der Krieg gegen Frankreich ist in eine entscheidende Phase getreten und hat sich ausgeweitet. Napoleon hat erkannt, das er so die Vorherrschaft auf See nicht erringen kann und geht einen anderen Weg.

Statt weiterhin nur zu schwelen ist er ausgebrochen, und die Engländer müssen nun ihren Verbündeten zur Seite eilen. Denn wenn Kontinentaleuropa fällt, dann ist unter Umständen auch die Insel nicht mehr zu halten. Und um dies zu bewerkstelligen wird jeder Drache gebraucht, den man in seine Finger bekommen kann.

Der Auftrag ist schwerer als gedacht, denn obwohl der Sultan das Geld annimmt, verweigert er die Herausgabe der Eier. Laurence und Temeraire müssen zu anderen Mitteln greifen und dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion fliehen. Dabei geraten sie allerdings mitten ins Kriegsgebiet.

 

Mit dem dritten Band leitet Naomi Novik eine Wendung in ihrem Zyklus ein. Nicht länger geht es überwiegend um die Probleme, die Laurence und Temeraire wegen ihrer Verbindung haben, nun geht es wieder um den großen geschichtlichen Hintergrund.

Dazu gehört einerseits der Coup der Engländer in Istanbul, der beinahe mit einem vollständigen Debakel endet, andererseits auch die Aktionen von Laurence und seinen Leuten in Österreich und Preußen. Dort versuchen sie nach besten Kräften und Gewissen zu helfen, was nicht immer von Erfolg gekrönt ist, zumal auch hier Verrat auf sie lauert.

Durch die Reisebeschreibungen und die actionreichen Geschehnisse kommt die Interaktion zwischen Temeraire und Laurence etwas zu kurz. Jeder der beiden ist in seinen Aufgaben gefangen, dazu gehört für den Menschen auch das Schmieden von Schlachtplänen, während sich der Drache um einen gerade geschlüpften und äußerst lebhaften Nestling kümmern muss, der noch voller Übereifer ist.

Zwar erfährt man wieder ein wenig mehr über die Drachen und ihr Verhältnis zu den Menschen, doch nur einmal wird es wirklich interessant, als sich die beiden Gefährten Gedanken um das moralische Dilemma machen, das im Verhältnis zwischen Mensch und Drache besteht, denn bedeuten Abhängigkeit und Gehorsam gleich Sklaverei?

Ansonsten konzentriert sich das Buch diesmal mehr auf das actiongeladene Abenteuer und die Vorbereitung zu der großen Völkerschlacht bei Leipzig, zu der sie vermutlich deren zweihundertster Jahrestag inspiriert hat. Die Autorin setzt dabei voraus, dass sich ihre Leser besser mit der europäischen Geschichte und den dortigen Völkern auskennt und verzichtet darauf, denen mehr Profil zu geben.

Da man zudem zunächst nicht so recht weiß, worauf das Ganze hinaus läuft, besitzt gerade die erste Hälfte des Romans Längen, er wirkt etwas zerfahren und kann insgesamt nicht mehr so fesseln wie die Vorgängerbände.

 

„Drachenzorn“ fällt gegenüber „Drachenbrut“ und „Drachenprinz“ etwas in Spannung und Qualität ab, ist aber immer noch besser als vergleichbare Geschichten. Vor allem Fans actionreicher Auseinandersetzungen und politischer Intrigen kommen diesmal auf ihre Kosten. Allerdings sollte einem der Hintergrund - das frühe 19. Jahrhundert - schon gefallen, um wirklich mit der Geschichte warm werden zu können.

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Drachenzorn

Reihe: Die Feuerreiter seiner Majestät, Bd. 3

Autorin: Naomi Novik

Klappbroschur, 512 Seiten

Blanvalet, erschienen Oktober 2007

ISBN 978-3-442-24445-4

Übersetzung von Marianne Schmidt

Titelbild von n.n. Illustrationen von Gayle Marquez

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 30.10.2007, zuletzt aktualisiert: 18.06.2021 20:59