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Dracula: Origin (PC)

Rezension von Ingo Gatzer

 

“Dracula“ wurde durch den gleichnamigen Roman des irischen Schriftstellers Bram Stoker der berühmteste Vampir der Literaturgeschichte. Seitdem der Autor vor mehr als 110 Jahren dieses Kult-Buch verfasste, entstand eine kaum übersehbare Flut von Bücher, Hörspielen, Filmen und auch eine ganze Reihe von Computerspielen, die den Fürst der Finsternis zum Thema hatten. Nun hat das auf Abenteuerspiele spezialisierte Entwicklungsstudio Frogwares - bekannt durch die “Adventures of Sherlock Holmes“ - mit “Dracula: Origin“ ein weiteres PC-Spiel geschaffen, das vom berüchtigtsten aller Blutsauger handelt. Allerdings wurde das Spiel lediglich durch Bram Stokers Werk “inspiriert“, so dass die Handlung sich vom Roman unterscheidet. Die Altersempfehlung “ab 12 Jahre“ macht angesichts der teilweise recht blutigen Story durchaus Sinn.

 

Handlung

 

Der Spieler schlüpft in die Rolle des berühmten Vampirjägers Professor Van Helsing. Dieser erhält von seinem Freund und Schüler Jonathan Harker einen erschütternden Brief. Harker wird auf dem Schloss des finsteren Grafen Dracula gefangen gehalten. Wie seinen Zeilen zu entnehmen ist, dürfte ihn bereits ein schreckliches Schicksal ereilt haben. Sein letzter Wunsch ist aber, dass der Professor zu seiner Verlobten Mina eilt, um ihr mitzuteilen, dass seine letzten Gedanken ihr galten. Einige Nachforschungen ergeben bald, dass sich der Blutsauger in London aufhält. Van Helsing macht Jagd auf Dracula und entdeckt dabei, dass dieser rücksichtslos ein schreckliches Ritual - mit furchtbaren Konsequenzen für die Lebenden - plant, um seine große Liebe wieder zu erlangen. Der Vampirjäger muss dies verhindern und folgt dem Grafen nach London, Kairo, Wien und Transsilvanien.

 

Technik

 

Nachdem die etwa sechsminütige Installation abgeschlossen ist, wird dem Spieler eine Anfangssequenz präsentiert, in der Van Helsing den Brief von Jonathan Harker bekommt. Die Grafik dieser und anderer - leider im kleineren Bildformat gehaltenen - Zwischenspiele entspricht dabei der - für ein Adventure - durchaus gelungenen Spielegrafik. Besonders ansprechend sind hier die Gestaltung von Schatten und Licht, sowie die Animation einzelner Objekte wie der sich bewegende Uhrenpendel, die herab fallenden Blätter oder sie sich im Wind bewegenden Büsche, manchmal fliegen sogar Vögel durch das Bild. Dies alles ist für ein Spiel aus dem Adventure-Genre leider immer noch nicht selbstverständlich. Von den verschiedenen Orten, die zu besuchen sind, kann besonders der unheimliche Friedhof gefallen.

Positiv hervorgehoben werden muss auch der Sound. Die Musik ist stilistisch den jeweiligen Orten angepasst. So hört der Spieler etwa in London ansprechende klassische Orchester-Musik, bei der sich, wenn das Geschehen spannend wird, die Streicher dramatisch in den Vordergrund spielen. In Kairo hingegen ist der Sound eher orientalisch angehaucht. Auch die deutsche Sprachausgabe gefällt. Die Synchronstimmen sind gut gewählt und facettenreich. Folglich klingt der englische Totengräber ganz anders als ein ägyptischer Kamelhändler. Geräusche - wie das Quietschen von Türen oder die Schritte des Protagonisten - werden zwar recht sparsam, aber durchaus passend zur Untermalung des Geschehens verwendet.

 

Spielspaß

“Dracula: Origin“ ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure, das weitgehend mit der Maus bedient wird. In jedem Raum sucht der Spieler nach Dingen, die er betrachten, benutzen oder mitnehmen kann. Darüber hinaus interagiert er mit Personen und tauscht dabei oft einen Gefallen gegen einen anderen. Später wird es auch immer wichtiger Gegenstände miteinander zu kombinieren. Besonders wichtig ist die SPACE-Taste, die in jedem Bild die “Hotspots“ - also die Dinge und Personen die man verwenden bzw. ansprechen kann - anzeigt. So muss man nicht stumpf den ganzen Bildschirm mit der Maus abfahren.

 

Auffallend an dem Adventure ist die Vielzahl von Logik-, Knobel- und Puzzlerätseln, die es zu lösen gilt. Dabei reicht der Schwierigkeitsgrad von einfach bis sehr knifflig. Die Aufgaben sind zwar meistens fair gehalten, bei einigen hilft aber nur mehrfaches und unter Umständen langwieriges probieren, z. B. bei der Unterscheidung von Hunden und Wölfen in einem Bildrätsel. Manchem Spieler wird die Rätselflut womöglich etwas zu weit gehen. Auch leidet der Realismus darunter, wenn beispielsweise Diebe nichts besseres zu tun haben, als ihren Unterschlupf mit einer Rätselaufgabe statt mit einem sicheren Schloss zu schützen.

 

Spielspaß ist für Adventure-Fans dank der dichten Atmosphäre, die Grafik, Sound und Geschichte erzeugen sowie der unkomplizierten Spielbedienung zunächst garantiert. Auch Anfänger werden wohl kaum Mühe haben die ersten Rätsel zu lösen und dadurch Fortschritte erzielen. Negativ fällt allerdings der Mangel an Interaktionsmöglichkeiten auf. Viel zu oft erklärt die Spielfigur “zwecklos “oder “da möchte ich nicht hingehen“. Einige andere aktuelle Abenteuerspiele bieten hier deutlich mehr Optionen. Leider ist auch der Lösungsweg sehr starr vorgegeben. Es gibt in der Regel immer nur genau eine Möglichkeit, um zum Erfolg zu gelangen. Will der Spieler eine andere Idee, die durchaus probat erscheint umsetzen, so heißt es viel zu häufig “zwecklos“. Weitere Optionen oder wenigstens andere Kommentare und Erklärungen hätten sicherlich für dauerhafteren Spaß gesorgt. Denn hat man “Dracula: Origin“ durchgespielt - was insgesamt aber immerhin durchschnittlich über 20 Stunden dauern dürfte - gibt es trotz der interessanten Story kaum ein Grund die DVD wieder ins PC-Laufwerk zu schieben.

Negativ fällt der starre Aufbau der zu besuchenden Räume auf. Die Entwickler hätten erwägen sollen, ob man diese nicht - wie in anderen Spielen - rotieren lassen kann, wenn die Spielfigur sich entsprechend dreht. Das würde es an manchen Orten - wie im ägyptischen Museum - einfacher machen, wichtige Objekte zu finden, statt hin und her laufen zu müssen, bis der Betrachtungswinkel stimmt.

 

Fazit

 

“Dracula: Origin“ kann Adventure-Freunden empfohlen werden, die eine Affinität zum Horror-Sujet und Freude an Knobel-Rätseln haben. Die an Werke von Bram Stoker und H. P. Lovecraft angelehnte Geschichte kann genauso überzeugen wie Grafik und Sound, wodurch eine stimmige Atmosphäre geschaffen wird. Leider ist der Weg des Spielers sehr eingeengt und der Lösungsweg zu starr vorgegeben, was auch zur Folge hat, dass das Spielprinzip angesichts aktueller PC-Games etwas angestaubt wirkt. Trotzdem wird das Spiel Genre-Freunde einige Stunden lang fesseln und hoffentlich dazu verleiten dem Fürst der Finsternis gegenüber zu treten.

Eure Meinung:


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Dracula: Origin (PC)

von Koch Media GmbH

USK-Einstufung: ab 12 Jahren

Spiel und Handbuch auf Deutsch

ASIN: B001690I0Q

Erhältlich bei: Amazon

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: Windows XP / Vista

Prozessor: Pentium 4 mit 1,5 Ghz / Athlon XP 1500+

Speicher: 512 MB RAM

benötigter Platz auf der Festplatte: 2,5 GB

Grafikkarte: NVIDIA GeForce 6 Serie, ATI Radeon 8500 oder 3D-Grafikkarten des gleichen Typs

DirectX9.0 kompatible Soundkarte

Eingabegeräte: Tastatur, Maus

Laufwerk: DVD-ROM

 


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Erstellt: 01.08.2008, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50