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Dunkelziffer von Arne Dahl

Rezension von Chris Schlicht

 

Irgendwo in der Schwedischen Pampas verschwindet ein 14-jähriges Mädchen bei einer Klassenfahrt. Obwohl zwischen der letzten Sichtung des Mädchens und einer großangelegten Suchaktion durch Eltern und Klassenkameraden kaum Zeit liegt, bleibt Emily verschollen. Da in der Nähe des Ortes mehrere Fahrzeuge mit Baltischen Kennzeichen gesehen werden und drei bekannte Pädophile in der Gegend wohnen, tritt die Sondereinheit der schwedischen Kriminalpolizei um Kerstin Holm in Aktion, doch auch die Ermittlungen ihrer drei Mitarbeiter bleiben zunächst erfolglos. Das Mädchen bleibt verschwunden, man findet sie weder tot noch lebendig.

 

In Stockholm wird ein Mann mit einer Klaviersaite nahezu enthauptet und dekorativ an prominenter Stelle abgelegt. Die Identität des Mannes ist unbekannt.

 

Auch die Motive des Elektrikers Steffe für den Diebstahl eines Kranwagens, mit dem er im historischen Kern von Schweden heimlich einen Sarg abtransportiert sind zunächst mysteriös und scheinbar ohne jeden Zusammenhang zu den anderen beiden Fällen.

 

Doch bei den Ermittlungen müssen die Mitarbeiter von Kerstin Holm erst erkennen, dass Emily alles andere als eine unschuldige 14-jährige ist. Mit Nacktfotos im Internet hat sie sich ihr Taschengeld aufgebessert und ist wirklich nicht auf den Kopf gefallen, wie sie ihr Geheimnis sichern konnte. Dann wird die Leiche eines der Pädophilen in dem Wald gefunden, in dem Emily verschwand, ebenfalls fast enthauptet.

 

Die Spuren führen zu einem Pädophilenring und einer ominösen Geheimgesellschafte, die sich einer ungewöhnlichen Form der Lebensenergie zugewandt hat. Licht und Dunkelheit – und einer Menge Graustufen dazwischen...

 

Es gibt sie noch, die echten, fesselnden Krimis die so ganz ohne bluttriefendes Gemetzel zu reinem Selbstzweck auskommen und dennoch bis zur letzten Seite fesseln, so dass man das Buch gar nicht zur Seite legen mag. Arne Dahl beherrscht diese Kunst. Auch Action fehlt, erst zum Schluss, als es zum klassischen Showdown kommt, gibt es so etwas in der Art. Man vermisst es aber auch nicht, nicht eine Seite lang.

 

Natürlich kommt auch Dahl (Pseudonym des 1963 geborenen Jan Arnald) nicht ohne ein paar Leichen aus, aber er schenkt sich die detaillierten Beschreibungen von der Art und Weise, wie diese Menschen zu Tode kommen oder die Sicht des Täters. Das bleibt der Fantasie des Lesers überlassen, wenn dann detailliert beschrieben wird, wie der Anblick der Toten auf die Betrachter wirkt – auf die Protagonisten, die Ermittler.

 

Scheinbar unzusammenhängende Handlungsfäden werden kunstvoll Stück um Stück verwoben, es geschieht zunächst nicht viel, wenig Action. Und doch hat man das Gefühl immer tiefer in einen Sumpf aus grotesken, vielschichtigen menschlichen Psychen hineingezogen zu werden, die man wie bei einer Psychotherapie Schicht um Schicht freilegt. Und dieser Sumpf hat grausame Abgründe. Die Ermittler können dem auch nicht entrinnen und schaffen es nicht, ihrem Leben ein Stück Normalität zu geben.

 

Dafür ist reichlich Schwarzer Humor, Galgenhumor enthalten. Die Ermittler des A-Team sind ein eingespieltes Gespann und es gibt durchaus auch mal eine Gelegenheit zum Lachen in der Art ihres Umgangstons, bei allem Ernst der Lage.

 

Rundum eine gelungene Mischung aus Spannung und Unterhaltung und eine Geisterbahnfahrt durch die Abgründe menschlicher Triebe. Fantastische Lektüre für die man sich Zeit nehmen sollte – Pausen sind schwer einzulegen.

 

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MEDIUM:

Dunkelziffer

Autor: Arne Dahl

Gebundene Ausgabe: 415 Seiten

Verlag: Piper; Auflage: 4 (März 2010)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3492053505

ISBN-13: 978-3492053501

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.06.2010, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57