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Dunkler Dämon von Jeff Lindsay

Rezension von Markus Mäurer

 

Als Ungeheuer hat man es nicht leicht. Man muss nach außen hin die perfekte Fassade waren, damit man mit seinem politisch nicht korrekten Treiben weiter machen kann. Genauso macht es Dexter. Eine Freundin, einen respektablen Job im Labor der Polizei, ein herzliches Lächeln im richtigen Augenblick, ein Witz zur passenden Zeit, und niemand kann sich wirklich vorstellen, dass Dexter ein passionierter Serienmörder ist. Niemand außer Sergeant Doakes, Dexters neuer Kollege. Doakes macht Dexter das Leben schwer, indem er ihn fast rund um die Uhr beschattet. Von seinem leidenschaftlichen Hobby abgehalten, driftet Dexter immer mehr in die Normalität ab, und findet sich schließlich mit einer Dose Bier in der Hand vor dem Fernseher seiner Freundin wieder. Ein bisschen Abwechslung bekommt er dann doch noch, als er mit seiner Schwester – einer Polizistin – zu einem Tatort gerufen wird, der selbst den Hobbyserienmörder ein wenig schockiert. Die abscheuliche Gräueltat weckt ab auch Dexters Interesse, und so macht er sich mit seiner Schwester, einem zwielichtigen Agenten aus Washington und dem ihm verhassten Sergeant Doakes auf die Jagd nach dem grausamen „Chirurg“. Dabei stellen sie fest, dass es sich um mehr als einen gewöhnlichen Serienmörder handelt. Hinter seiner Vorgehensweise steckt ein System, dass unter anderem auch auf die Vergangenheit von Sergeant Doakes verweist.

 

Kurt Wallander, Harry Bosch, Lincoln Rhymes, Kommissar Brunetti, Kay Scarpetta usw., das sind die Krimihelden unserer Zeit mit denen sich der Leser identifizieren kann. Keine perfekten Menschen, sondern realistische Personen mit persönlichen Problemen, aber moralisch über jeden Zweifel erhaben. Ob sich viele Leser mit Dexter Morgan identifizieren können wage ich zu bezweifeln. Auch wenn er für die Polizei arbeitet und nur Jagd auf „Bösewichte“ macht, bezeichnet er sich doch gerne selber als Ungeheuer. Dass er die Schurken gerne in Scheiben schneidet und auf nimmer Wiedersehen verschwinden lässt scheint Dexters Selbstwahrnehmung nur zu bestätigen. Als Ich-Erzähler erwähnt er immer wieder, dass er keine menschlichen Gefühle hat, und nur nach außen hin den freundlichen Kerl von nebenan mimt. Stattdessen hat er einen „Dunklen Passagier“ der ihn dazu animiert seinen Jagdtrieb auszuleben. Durch die Ich-Perspektive gelingt es dem Autor gut Dexters zynische Weltsicht zu vermitteln. Dexter ist sich nämlich durchaus Bewusst was er da tut, und dass es nicht unbedingt rechtens ist. Allerdings ist ihm dass scheißegal. Dass er aber nicht nur das Monster ist, als dass er sich gerne sieht, zeigen die Beziehungen zu seiner Schwester, seiner Freundin und deren Kinder. Auch wenn Dexter vorgibt, dass es sich nur um eine Tarnung für die Öffentlichkeit handelt.

Durch die starke Fokussierung auf Dexters Persönlichkeit dauert es ein wenig bis die Geschichte an Spannung gewinnt. Durch die perfide Tötungsmethode des Mörders, gelingt dies dem Autor letztendlich doch noch.

 

Jeff Lindsay bringt etwas Abwechslung in den überfrachteten Thrillermarkt, der von glänzenden und gebrochenen Helden nur so wimmelt. Dexters Welt ist eine interessante neue Perspektive, in die der Leser aber nicht zu tief hineinschauen sollte. Denn wie sagte Nietzsche einst: Wenn du lange genug in den Abgrund schaust, so blickt der Abgrund auch in dich.

 

Eure Meinung:


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Buch:

Dunkler Dämon

Autor: Jeff Lindsay

Broschiert - 378 Seiten - Droemer/Knaur

Erscheinungsdatum: Juni 2006

ISBN: 3426628082

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.05.2006, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27