Eigentlich können mich alle mal ... (Anita Bomba Bd.1)
 
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Eigentlich können mich alle mal ...

Reihe: Anita Bomba Bd.1

Rezension von Michael Nolden

 

Anita Bomba lebt in einer kaputten Welt. Mittelalterliches stößt auf höchste technische Ansprüche, aber letztlich macht auch die Technik den Eindruck vergessener Zeiten. Sie ist eine Einbrecherin, vielleicht nicht die beste ihres Fachs, dafür ist sie jedoch skrupellos, wenn es darum geht, ihre Partner abzuservieren.

Ihre letzten beiden Kumpane hat sie dem Polizisten Bottle und seinen Rattencyborgs überlassen. Diese kleinen Biester, kleine Roboter, ausgestattet mit den Gehirnen von Piranhas, sind in der Anwendung ihrer rasiermesserscharfen Metallzähne nicht zimperlich.

 

Für Anita geht es nur ums Geld. Allerdings muss sie feststellen, dass sich ihre Verhaltensweise gegenüber ihren Partnern herumgesprochen hat. Da trifft es sich, dass sie einen Roboter findet, der ihr fortan zur Seite steht: SIG 14.

Leider hat dieser äußerlich einem Schrotthaufen ähnelnde Roboter einen massiven Haken: Er verfügt über eine gespaltene Persönlichkeit. Attila, der Regulator, Ivanhoe, die Petze und viele andere machen Anita das Leben unnötig schwer, denn nie scheint gerade der zur Verfügung zu stehen, der wirklich gebraucht wird.

Einzig seine Treue steht außer Frage.

 

In höchster Bedrängnis ist er an ihrer Seite, als ein riesiges seeisches Monster die beiden auf dem Meer verschlingt. Anita erwacht später. In einem abgelegenen Winkel hat ein einsiedlerischer Eigenbrödler eine kleine Heimstatt geschaffen. Für Anita könnte er zu einem neuen Partner werden, denn er kennt das Geheimnis um Kamala, einem legendären Schatz.

 

Anitas Geschichte ist gegen den üblichen Comicstrich gebürstet.

Doch die Erzählweise benötigt nur ein Kapitel, um den Leser (in diesem Falle mich) einzufangen. Nach und nach lernte ich regelrecht dieses kratzbürstige und vorlaute Frauenzimmer zu mögen, das sich nach allen Regeln der Kunst und gegen alle Regeln der Gesellschaft in dieser harten Umwelt durchschlägt.

Ihre Aufmachung ist zweckmäßig, ein bißchen sexy, aber sie ist weit davon entfernt, daraus einen Nutzen zu ziehen. In dieser Welt scheint Freizügigkeit außerdem niemanden mehr hinter dem Ofen hervorzulocken. Ihr tellerförmiger Hut, gehalten in der Musterung eines Fliegenpilzes, hat eindeutig asiatische Anleihen, während die Welt um sie herum beinahe wie ein schmutziger Schwarzwald anmutet.

 

Überhaupt ist alles in Anitas Welt dreckig, auch sind die Farben so gehalten, dass der Leser den Eindruck einer vom Smog verseuchten Welt gewinnt und die Trostlosigkeit eine gute Erklärung für Anitas beißenden Humor liefert.

Sie ist Analphabetin. Zwar führt sie Tagebuch, aber sie kann es nicht aufschreiben. Als der seltsame Einsiedler später während der Phasen ihrer Fieberträume ihre ausgesprochenen Tagebucheinträge aufschreibt, kann sie damit leider nichts anfangen. Aber sie ist auch nicht bereit zuzugeben, dass sie nicht lesen kann. Lieber setzt sie sich der Lächerlichkeit aus und hält das Tagebuch falsch herum, im leeren Versuch aus den Schriftzeichen schlau zu werden.

 

So mancher Held bekommt einen witzigen Charakter an die Seite gestellt, einfach weil Mut und Bärbeißigkeit kein Garant für eine interessante Geschichte sind. SIG 14 ist in diesem Falle nicht nur ein Charakter, es sind derer viele und sie vereinigen wirklich alles in sich, was bei Anita nur verkehrt laufen kann. Seine verschiedenen Persönlichkeiten schwanken zwischen hohen und klassischen Berühmtheiten und windigen Gestalten. Keiner dieser Figuren bedarf einer Erklärung, nur sind alle irgendwie sehr naiv. Hilfreich ist SIG 14 in der Tat nur, als sich herausstellt, dass sein Körper unsinkbar ist. So wird er zu einem Floß, das Anita über Wasser hält. Sehr viel hilfreicher wird er dadurch nicht, da er seine Nervigkeit nicht loswird. Auf die Art hat er viel mit seinem weitaus berühmteren goldenen Kollegen C3-PO gemein.

Nur leider lässt sich SIG 14 nicht abschalten, um seinen furchtbaren Launen zu entgehen.

 

Der allgemeine Stil der Bilder ließe sich als Disney für Erwachsene beschreiben. Ihm fehlt die Zuckersüße der Disneyschen Bilder und Kompositionen, aber er besitzt den Humor bei der Gestaltung der Charaktere.

Erfreulich ist die Gestaltung der Seiten, die gänzlich von Hand gemalt wurden und sich dem allgemeinen Trend der Computerkolorierung entziehen. Die Machart ist sehr souverän. Die Aquarellartigen Farbaufträge sind sehr sicher gesetzt. Wegen der düsteren Farbgebung kommen die Bilder auch mit einer sehr eng gefassten Farbpalette aus, was aber keineswegs stört. Wäre es bunter, ginge der gewünschte Effekt verloren.

Einige sehr schöne Stadt- und Naturansichten arbeiten mit der Erzählerstimme aus dem Off Hand in Hand, so dass letztlich drei erzählerische Schichten entstehen. Anitas Erlebnisse sind die dritte Schicht.

 

Am Ende hat sich Anitas Leben komplett gewandelt, alle Hoffnungen sind zerstört und das eigentliche Abenteuer beginnt erst. Angesichts der Gesamtausführung, der schönen Andersartigkeit der Geschichte, der Erzählweise gehen beide Daumen rauf. Mehr davon!

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024022800551803237e52
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Comic:

Eigentlich können mich alle mal ...

Reihe: Anita Bomba Bd.1

Autor / Zeichner: Cromwell, Eric Gratien

Verlag: Speed Comics / Verlag Thomas Tilsner

ISBN: 3-936068-22-4

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 30.11.2005, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 1599