Der Dark Knight im 19. Jahrhundert? Genau das bietet der Elseworld-Entwurf "Batman: Gotham by Gaslight". Der neueste Band "Eine Liga für Gerechtigkeit" knüpft dabei nahtlos an den Vorgänger "Das kryptonische Zeitalter" an. Wie der Titel bereits andeutet, haben sich um den Fledermausmann zahlreiche weitere Streiter für das Gute geschart. Das sind aber nicht die einzigen Charaktere, die DC-Fans sehr bekannt vorkommen dürften. Allein scheint die Liga für Gerechtigkeit gegen einen übermächtigen Gegner jedoch wenig ausrichten zu können. Gut, dass ein ebenso altbekannter wie kettenrauchender Antiheld auf den Plan tritt.
Andy Diggle fungiert auch hier wieder als Hauptautor. In diesem Band gelingt es ihm, die zahlreichen Superhelden und ihre Schicksale zusammenzuführen. Das tut der Handlung gut, die so fokussierter als beim Vorgänger wirkt. Unter Mitwirkung von Co-Autor Rob Williams gibt es dieses Mal auch einen packenden Kampf gegen einen ikonischen Schurken. Leider führt Diggle dessen angedeutete Verbindung zu der Vision eines bekannten Horrorschriftstellers jedoch nicht weiter aus. Das hätte richtig spannend werden können! Steampunk-Elemente spielen weiterhin eine Rolle. Etwas überzogen wirken hier aber die Transformers-Referenzen. Zudem bleibt es wohl (weiterhin) für Teile des Lesepublikums problematisch, dass es sich zwar um eine "Batman"-Publikation handelt, der Dark Knight aber viel zu oft nur Nebenfigur ist. So stiehlt ihm John Constantine in diesem Band ziemlich oft die Show, was der recht düsteren Geschichte durch mehr Komik aber oft auch gut tut. Allerdings neigt Diggle in einigen Passagen dazu, seine Figuren Geschichte und Zusammenhänge zu sehr erklären und kommentieren zu lassen, wodurch die Handlung Tempo einbüßt und kleine Längen entstehen.
Auch bei der visuellen Umsetzung herrscht Kontinuität. Leandro Fernández beweist weiterhin ein gutes Händchen, wenn es gilt, die Optik altbekannter Helden ins 19. Jahrhundert zu überführen. Eine Ausnahme bildet lediglich das Charakterdesign von John Constantine, das nicht ganz überzeugen kann. Dafür punktet Fernández mit cineastisch angehauchten und einigen großen, stimmungsvollen Panels – setzt jedoch insgesamt zu selten auf das Großformat. Zudem wirken die Hintergründe häufig ein wenig spartanisch. Auch die Darstellung der Phantomzone wirkt zunächst relativ unspektakulär. Allerdings hat Fernández hier eine packende Enthüllung parat – die jedoch definitiv ein größeres Format verdient hätte.