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Elite: Dangerous (PC)

Rezension von Cronn

 

Ich hebe von der Plattform der Coriolis-Station ab und schwebe elegant über dem Landing-Pad. Dann lege ich den Schieberegler der Schubkraftdrosselung nach vorn und fliege durch das Innere der Station dem Schlitz entgegen, hinter dem die Sterne verheißungsvoll glitzern.

Größer und größer wird der Ausgang aus der Station. Sein Rand leuchtet bläulich. Ich muss nur geradeaus fliegen, dann bin ich bald draußen.

Eben kommt noch eine Anaconda herein. Der sollte ich tunlichst ausweichen, sonst ist mein Kleinraumer Marke Sidewinder schnell zu einer Miniaturwolke aus feinsten Atomen zerstäubt.

Ich rolle nach rechts, ziehe die Schnauze der Sidewinder hinfort und bin knapp über der Anaconda hinweg gezogen. Geschafft!

Dann noch ein großer Schub, und ich düse durch das Ausgangsportal hinfort in die Finsternis des Weltraums.

Jetzt werde ich den Superdrive einschalten, um zur Flint Station zu kommen, wo ich einen Auftrag zu erledigen habe. Ich muss Tee dort abliefern und erhalte dafür rund 4000 Credits.

Doch noch kann ich nicht schneller fliegen. Ich bin zum einen noch in der Massesperre der Raumstation und zum anderen habe ich noch meine Landebeine ausgefahren.

Peinlich.

Schnell ziehe ich die Landebeine ein, lege den Schubhebel nach vorn und mache nun wesentlich mehr Geschwindigkeit.

Als die Raumstation hinter mir verschwindet, drücke ich den Knopf für den Superdrive und bin trete ein in den Hyperraum …


Eine Viper beim Andocken
Eine Viper beim Andocken

Rezension:

Elite: Dangerous ist das Spiel, auf das viele Weltraum-Enthusiasten viele Jahre gewartet haben. David Braben hat mit seiner Firma Frontier Development hart daran gearbeitet und tut es auch heute – nach Release – noch. Erhältlich ist »Elite: Dangerous« übrigens nicht per Kauf über einen Online-Handel oder im Laden, sondern wird direkt über die Homepage des Entwicklers verkauft.

Doch was ist »Elite: Dangerous« eigentlich und wie gelungen ist die Space-Sim?

 

Hintergrund:

Das PC-Game »Elite: Dangerous« wurde durch Crowd-Funding finanziert und im Laufe der letzten beiden Jahre in verschiedenen Beta-Phasen auch durch die Community getestet.

Das Spiel geht zurück auf die Ursprungsversion Elite, was im Jahr 1984 von David Braben und Ian Bell programmiert wurde. Darin spielte man einen Commander Jameson, der in Nachfolge seines Vaters eine Cobra MKIII übernahm und seinen Lebensunterhalt im Weltraum verdiente.

»Elite« war damals wegweisend in Sachen Open-World-Gameplay, da es den Weg des Spielers nur in Rahmen festlegte, aber ihn nicht zu einer bestimmten Spielweise zwang. Dies ist auch bei der Neuauflage der Fall.

Dennoch: »Elite: Dangerous« besitzt ebenfalls eine Hintergrundgeschichte, die es modernen Spielern ermöglichen soll, sich mit dem Game vertraut zu machen, welche eventuell sich schwer mit dieser völligen Freiheit tun.

Doch die Story rund um verschiedene Fraktionen, die in einem riesigen Weltraum um die Nachfolge eines Imperium-Reiches streiten, wird recht lose erzählt. Anders ist das auch in einem Open-World-Game mit den Ausmaßen wie »Elite: Dangerous« nicht zu machen. Dennoch ist es schade, dass die Hintergrundgeschichte nicht wirklich Fahrt aufnimmt und somit mehr verpufft als unterhält.

Wesentlich besser gelungen ist da das Gameplay selbst.

 

Gameplay:

»Elite: Dangerous« gibt dem Open-World-Subgenre neue Impulse. Allein die Ausmaße der riesigen Spielwelt können begeistern.

David Braben und sein Team haben es geschafft, die gesamte Milchstraßen-Galaxie mit ihren rund 400 Millionen Sonnensystemen zu integrieren. Dazu kommen noch Planeten und Asteroidengürtel. Somit wird ein Leben kaum ausreichen, um alle Bereiche von »Elite: Dangerous« gesehen zu haben.

Die Spielwelt wurde auch mit Leben gefüllt. Dabei erhält man anfangs ein Schiff mit wenig Ausstattung, das man nach und nach aufrüsten muss. Das ist die große Antriebsfeder von »Elite: Dangerous«. Dies und der Stufenaufstieg von »harmlos« bis hin zu »Elite«.

Wie man zu Geld kommt, bleibt dem Spieler selbst überlassen. Es gibt die Möglichkeit, Handel an den Raumstationen zu treiben. Dazu vergleicht man die Waren, kauft günstig ein und verkauft für einen höheren Preis. Es gibt auch einen Schwarzmarkt für illegale Waren, wie Drogen oder Sklaven. Das ist lukrativer als der normale Handel, aber auch gefährlicher, da man von der Polizei verfolgt werden kann.

Oder man verdingt sich als Söldner, indem man verschiedene Aufträge annimmt, die an den Stationen angeboten werden. Dabei gibt es einfache Frachtaufträge, Kopfgeld-Aufträge oder Spenden-Aufträge und noch weitere mehr. Es liegt am Spieler, welche er annimmt. Schade, dass es keine Video-Botschaften der Kunden gibt.

Auch eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist es sich als Minenarbeiter zu verdingen. Hierbei kauft man sich einen Minen-Laser und eine Raffinerie im Schiff, um dann Rohstoffe abzubauen und zu verfeinern, um sie zu verkaufen.

Oder man jagt anderen Händlern die Fracht ab, spielt also einen Piraten. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: schon bald wird auf den Kopf des Spielers ein Kopfgeld ausgesetzt und andere KI-Schiffe machen Jagd auf einen.

Wie man »Elite: Dangerous« angeht, bleibt einem also selbst überlassen. Das ist einerseits prima, aber auch ziemlich frustrierend für moderne Spieler, die sich überfordert und alleingelassen fühlen könnten.

»Elite: Dangerous« ist ein Spiel, das Geduld und Einarbeitungszeit erfordert. Das beginnt bereits beim Einstieg. Sobald man das Game startet, gibt es zwar einige Tutorials, aber die sind bei weitem nicht ausreichend, um das Spiel in Gänze zu verstehen. Sie geben einen ersten Einblick, eine Art »Schnupperkurs«, aber das war’s dann auch schon. Will man »Elite: Dangerous« spielen, braucht man mehr Tiefe, als die Tutorials bieten. Und da beginnt die Einarbeitungszeit.

Das Spiel ist ein wahres Bedienungsmonster. Sofern man sich aber darauf einlässt, erhält man in »Elite: Dangerous« die volle Kontrolle über ein realistisch simuliertes Raumschiff in einem riesigen Weltraum. Doch dazu bedarf es Wissen, und das muss man sich durch Bedienung erst erwerben. Wenige Schiffssysteme nehmen dem Spieler die Arbeit des Mitdenkens ab. Beispielsweise ist es heutzutage üblich, dass Spiele den Spieler überdeutlich anzeigen, wenn es Probleme gibt. Das ist bei »Elite: Dangerous« anders. Hier merkt man die Probleme erst, wenn man im All fliegt und die betreffenden Systeme nicht funktionieren. Wenn man zwar einen Mining-Laser besitzt, dann aber keine Raffinerie im Raumschiff untergebracht hat, wird wenig Freude haben, denn dann funktioniert das Mining nicht. Zwar zeigt das auch »Elite: Dangerous« an, doch nicht mit blinkenden Warnhinweisen, sondern eher klein gehalten als Textwarnung.


Interface
Interface

Auch die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt so viele Funktionen, dass es nicht vorstellbar ist, »Elite: Dangerous« auf einer Konsole zu spielen. Das Game ist für den PC gemacht. Allein die Steuerung mit den vielen Möglichkeiten, das Raumschiff zu rollen, zu pitchen und dergleichen mehr. Dazu noch die Tasten für Frachtgreifer, Landebeine, Scheinwerfer (!) und so weiter. Die Liste der Funktionen im Steuerungs-Menü ist lang. Sehr lang. Es lohnt sich bei »Elite: Dangerous« einen Joystick zu benutzen. Es ist zwar auch eine Mouse-Steuerung möglich, aber erst mit dem Joystick erhält man das wahre ELITE-Weltraum-Feeling. Man kann auch Flugsimulatoren mit der Maus bedienen, aber niemals wird dies das Gefühl der Joystick-Lenkung ersetzen können.

Viele Stunden ist man anfangs also damit beschäftigt, das Game zu erlernen. Das macht »Elite: Dangerous« zu einem Hardcore-Game, das viele moderne Spieler überfordern wird. Doch man sollte unbedingt durchhalten, denn dann belohnt einen das Spiel mit viel Spieltiefe.

Denn auch das Erkunden der Spielwelt bringt Geld. So kann man für das Scannen von unbekannten astronomischen Objekten, sprich Planeten und Sterne, Geld bekommen. Und das Erleben von Raumschlachten, die sich nahezu wie Schiffskämpfe auf dem Meer spielen, mit Ausmanövrieren, Breitseiten und dem geschickten Verteilen von Energie auf Schilde, Waffen und Antrieb, versöhnt auch moderne Spieler mit dem Game.

Das Aufleveln geschieht in »Elite: Dangerous« nicht mit obskuren Punkten, die man für Power-Ups eintauscht. In diesem Game wird noch in harter Währung bezahlt. Mit den erworbenen Credits baut man sich nach und nach sein Traumschiff zusammen. Erst baut man neue Systeme ein, wie mehr Frachtraum, tiefere Scanner, einen Docking-Computer, andere Waffen, Raketen, und anderes mehr. Später kauft man sich neue Raumschiffe, wie den Eagle oder auch die legendäre Cobra.

Man muss sich aber darauf einstellen, dass es bis zum Kauf der Cobra ein langer Weg ist. Für die nächsten Monate sollte man sich kein weiteres Spiel vornehmen, denn viele Stunden wird man dafür brauchen.


Screenshot aus Elite: Dangerous
Screenshot aus Elite: Dangerous

Grafik und Sound:

Das eigens programmierte Grafikgerüst von »Elite: Dangerous« ist überzeugend. Die Raumschiffe, Planeten und Stationen werden korrekt von Sternen und anderen Leuchtquellen angestrahlt. Sie sind hochdetailliert dargestellt, auch in der Nahansicht können sie noch vom Detailgrad her überzeugen, und dazu noch superb designt. Alle Schiffssysteme wirken durchdacht, sind sichtbar (beispielsweise die Steuerdüsen) und wirken glaubhaft.

Auch der Sound macht Laune. Zwar ist der Weltraum prinzipiell lautlos, aber man muss ja nicht alles so umsetzen, dass der Spielspaß darunter leidet. Also haben die Macher von Frontier Development eine sphärische Musik komponiert, die sich auch gut in Filmklassikern wie 2001 – A Space Odyssee machen würde.

Dazu kommt ein spartanischer, aber passender Sound, der nicht übertrieben wirkt, aber immer den Spieler stimmig über den momentanen Zustand der Systeme informieren.

 

Multiplayer:

»Elite: Dangerous« ist ein Always-On-Spiel, auch im Solo-Modus. Das bedeutet, dass man ständig online sein muss. Diese Tatsache hat viele Backer verärgert, vor allem angesichts der Tatsache, dass es vorher anders kommuniziert worden war. Doch anders war das riesige Universum laut David Braben nicht zu realisieren gewesen.

Man kann sich aber entscheiden, ob man solo oder mit Freunden gemeinsam kooperativ oder in einem freien Universum mit anderen Spielern unterwegs sein will.

Je nach Spielart unterscheidet sich das Spielerlebnis. Wo man als Solist vor allen Dingen sich um sich selbst kümmert und Spaß an der Entdeckung hat, ist man mit Freunden zusammen im Verbund wesentlich kommunikativer und hat Freude an gemeinsamen Tätigkeiten, was auch Piraterie bedeuten kann. Im Multiplayer-Spiel muss man auch damit rechnen, dass fremde Spieler Jagd auf einen machen, die wesentlich stärker und unberechenbarer als die KI-Piloten sind.

 

Fazit:

»Elite: Dangerous« ist ein gameplaytechnisch harter Brocken. Eine hinsichtlich der Geduld brutale Anfangsphase wird ergänzt durch ein langes Gameplay, das viele Wochen dauern wird. Vielleicht sogar Jahre!

Doch wenn man sich auf »Elite: Dangerous« einlässt, wird man mit einem reichhaltigen Spiel belohnt. Wo andere Games nur die Open-World andeuten, macht »Elite: Dangerous« ernst. Hier ist tatsächlich eine riesige Welt zu bereisen.

Das alles wird viele Spieler ängstigen, doch Spiele-Veteranen erkennen in »Elite: Dangerous« jenen Game-Baukasten wider, der sie vor Jahrzehnten (ist das wirklich schon so lange her…?) zum Joystick greifen ließ, um einzutauchen in eine Welt jenseits der alltäglichen Erfahrung.

Für all jene ist »Elite: Dangerous« gemacht und es wäre wünschenswert, wenn sich noch viele andere dazu bereitfänden, sich aufzumachen, das Universum von »Elite: Dangerous« zu erkunden. Es ist harte Arbeit, aber sie lohnt sich!

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Eure Meinung:

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PC-Spiel:

Elite: Dangerous

Frontier Development, 2014

 

Erhältlich bei: Frontier Development

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Erstellt: 08.01.2015, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50