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Emma

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Jane Austen (1775-1817) gehört zu den wenigen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, deren Werke noch heute zu den Klassikern der angelsächsischen Literatur gehören, vor allem „Stolz und Vorurteil“ sowie der 1816 erstmals erschienene Roman „Emma“. Daher werden gerade diese beiden Werke immer wieder verfilmt oder dienen als Grundlage für andere Werke, die zwar nicht den Inhalt, aber die Idee adaptieren.

 

Auch die BBC hat sich nach vielen Jahren wieder einmal des Stoffes angenommen und präsentiert in der 2009 entstandenen Miniserie „Emma“ eine zeitgemäße Umsetzung des Klassikers mit einem erfahrenen, wenn auch unverbrauchten Cast.

England im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Die junge Emma Woodhouse wird nach dem Tod ihrer Mutter von ihrem Vater und einer Gouvernante aufgezogen. Sie erhält neben einer umfassenden Bildung auch noch viele Freiheiten und gehört später zu den wenigen Frauen, die nicht heiraten müssen, um auch weiterhin versorgt zu sein, sondern wenn, dann nur ihrem Herzen folgen dürfen. Daher kann sie unbesorgt in die Zukunft schauen und ihre eigenen Neigungen ausleben. Da sie auch die Führung des elterlichen Haushalts nicht besonders ausfüllt, beginnt sie sich jedoch irgendwann zu langweilen und nach einem anderen Betätigungsfeld umzusehen.

Dabei entdeckt Emma das „Ehen stiften“ für sich. Es gelingt ihr tatsächlich ihre Gouvernante mit Mr. Weston zu verkuppeln. Da sie sich nun sicher wähnt, beschließt sie weiter zu machen, auch wenn ihr Mr. Knightley, ein alter Freund der Familie, davon abrät, sich auf dieses Pflaster zu wagen. Doch die junge Frau hört nicht auf ihn.

Emmas nächstes „Opfer“ ist Harriet Smith, eine junge Frau aus einfachen Kreisen und von unehelicher Herkunft. Auch wenn diese eigentlich vor hat einen einfachen aber ehrlichen Bauern zu heiraten, sieht Emma in dem Pfarrer des kleinen Ortes, den arroganten Mr. Elton, eine bessere Partie.

Doch das will nicht so ganz gelingen, da dieser Harriet wegen ihrer Geburt ablehnt und das auch sehr deutlich macht. Er hat auch noch andere nicht gerade feine Ratschläge gegenüber Emma.

Die Situation verkompliziert sich, als Jane Fairfax, die etwa zur gleichen Zeit ihre Eltern verloren hat wie Emma ihre Mutter, zurückkommt, ausgebildet zu einer perfekten Lady. Ihre Situation lässt es allerdings nur zu, dass sie die Gouvernante oder Gesellschafterin einer adligen Dame wird. Oder aber doch das Glück hat, von einem Jungesellen wie Mr. Elton ins Auge gefasst zu werden, gerade weil sie keine familiären Bindungen mehr hat.

Doch für Emma entwickelt sich Jane nach und nach zu einem Dorn im Auge, denn sie kann nicht nur besser Klavier spielen, auch Mr. Knightley scheint mehr für das junge Mädchen zu empfinden als nur Freundlichkeit. Ist der etwa in sie verliebt, weil er so große Stücke auf zu hält und ständig über sie spricht?

Emma ist irritiert, da ihre Gefühle ein wenig durcheinander geraten. Daher sucht sie Ablenkung und freundet sich ein wenig mit Frank Churchill an, von dem ausgerechnet die Westons hoffen, dass er ihr Herz gewinnt.

 

Jane Austen greift in ihrem Roman „Emma“ den damals sehr beliebten „courtship plot“ auf: Junge Frauen aus dem gehobenen ländlichen Bürgertum finden nach einer Reihe von Problemen, die sie zum Teil auch selbst mangels Selbsteinsicht verursacht haben, den Mann ihres Herzens und heiraten ihn. Allerdings variiert sie in ihrem Spätwerk die Situation geschickt, da ihre Heldin als reiche Erbin nicht unbedingt gezwungen ist, zu heiraten, sondern eher der Meinung, anderen etwas gutes damit zu tun, sie an den ihrer Ansicht nach „richtigen“ Gemahl zu vermitteln.

Jedoch muss Emma im Verlauf der Geschichte merken, dass man Gefühle ebenso wenig wie Menschen manipulieren kann, selbst die eigenen nicht. Doch bis es zu dieser bitteren und für sie schweren Selbsterkenntnis kommt gibt es viele Irrungen und Wirrungen, die nicht nur in Emma toben, sondern auch Auswirkungen auf die Menschen haben, die sie mit in ihre Kuppelei in die ganzen Probleme verstrickt hat.

Die vierteilige Miniserie nimmt sich die Zeit, die Figuren und ihre Entwicklung genau auszuarbeiten. So beginnt sie nicht mit der Heirat der Gouvernante wie viele Filme, die sich des Stoffes angenommen hat, sondern in der Kindheit der drei zentralen Figuren: Emma, Jane und Frank.

Man bekommt mit, wie Emma auf den Geschmack kommt, sich als Kupplerin zu betätigen, wie sie mit den Gefühlen der anderen spielt, ohne selbst etwas dabei zu empfinden, bis sie selbst von Verwirrung und Eifersucht erfüllt wird.

Dazu kommen noch Mr. Knightley, der ihr mehr Ratgeber und Beschützer ist als der eigene Vater, der viel zu sehr mit der Pflege seiner eigenen Gesundheit beschäftigt ist, der hochmütige Pfarrer und die eher scheue Harriet.

Das geruhsame und ein wenig langweilige Landleben zum Beginn des 19. Jahrhunderts wird gekonnt in Szene gesetzt und wirkt sehr zeitlos. Das Ambiente ist hell und fröhlich, stimmt ebenso wie die Gestik und Mimik der Personen. Die Dialoge wurden ein wenig zeitgemäßer gestaltet ohne dabei gleich anachronistisch zu wirken.

Bild und Ton sind ausgezeichnet, sie geben alles klar wieder und man kann zwischen den beiden Sprachfassungen wählen. Auch die Extras können sich sehen lassen, Es gibt neben vier sehr liebevoll gestalteten Postkarten mit Szenenfotos auch noch eine Bildergalerie und vier Featurettes zur Musik, den Locations, den Kostümen und den Schauspielern.

 

 

Fazit:

Alles in allem bietet die Miniserie „Emma“ gehobene Unterhaltung und die lebendig frische Verfilmung eines Klassikers, die damals wie heute zeitlos ist. Die Umsetzung wirkt auf den ersten Blick vielleicht gediegen und ein wenig langatmig, ist aber dennoch spannend durch den heiter-naiven Unterton, die leidenschaftliche Arbeit der Schauspieler und die immer wieder zum schmunzeln reizenden kauzigen Figuren. Wer das Spiel um Liebe und Beziehungen vor historischer Kulisse schätzt, sollte ruhig einen Blick riskieren.

 

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DVD:

Emma

4-teilige Miniserie, BBC, GB 2009

Nach dem gleichnamigen Roman von Jane Austen

Regisseur: Jim O’Hanlon

Drehbuch: Sandy Welch

Komponist: Samuel Sim

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 2

FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 24. September 2010

Produktionsjahr: 2009

Spieldauer: 229 Minuten

 

ASIN: B003SF5Z5E

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Romola Garai

Jonny Lee Miller

Michael Gambon

Tamsin Greig

Blake Ritson

Laura Pyper

 

Extras:

Featurettes:

- Emmas Musik

- Emmas Locations

- Emmas Kostüme

- Emmas Mr. Woodhouse

Bildergalerie

4 Postkarten mit Szenenfotos

 

 


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Erstellt: 23.10.2010, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56