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Erfolgsstory Mensch

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Viele Menschen glauben auch heute noch, dass die Geschichte der Menschheit erst mit den Hochkulturen an Indus, Nil und im Zweistromland begann. Die Zeit davor werden sie als uninteressant, sehen in den Menschen der Altsteinzeit halbe Tiere und wissen nicht viel mit der Jungsteinzeit anzufangen. Aber gerade dort wurden die Weichen für die rasante Entwicklung des Homo Sapiens gestellt.

 

Genau auf diese entscheidende Zeit, aus der aufgrund mangelnder Aufzeichnungen noch nicht viel bekannt ist, und die Archäologen und Historiker sich nur auf Mutmaßungen und Vergleiche stützen können, geht die Dokumentation „Erfolgsstory Mensch“ genauer ein. Wie kam es überhaupt zu den Entwicklungen, die der Menschheit half, seine Kultur zu entwickeln.

Die Geschichte wird anhand der Gaia-Sippe weiter erzählt: Wandernde Nomaden treffen gut 12.000 Jahre vor unser Zeit auf die ersten Sesshaften Menschen, die auf der Suche nach Nahrung und Wasser nicht mehr weiterziehen, sondern in fruchtbaren Tälern und an Flussniederungen bleiben.

Trotz der unterschiedlichen Lebensweise feindet man sich an – ein Mann, der seine Frau verliert, lässt die neugeborene Tochter sogar bei einem sesshaften Paar. Nur eines schenkt er ihr – den Anhänger der das Mädchen und seine Nachkommen begleiten wird.

Jahrtausende später ist aus den Hütten eine Dorfgemeinschaft entstanden, die Ackerbau betreibt und erste Tiere domestiziert. Doch die Menschen wissen noch nicht alles über die Wege der Natur.

In dieser Zeit liebt ein armer junger Mann ein Mädchen, das von seiner Sippe allerdings an einen viel Jüngling einer viel wohlhabenderen und geachteteren Familie gegeben wird. Die beiden Liebenden fliehen, werden jedoch entdeckt, und der Mann so zusammengeschlagen, dass er nur noch als Krüppel weiter leben kann. Doch er hat interessante Beobachtungen gemacht und einen so wachen Geist, dass er die richtigen Schlüsse zieht und seiner Familie bei der nächsten Dürre dabei helfen kann, die Felder zu bewässern.

 

Dies sind nur die ersten beiden der vier Epochen, die die Dokumentation behandelt. In Spielszenen wird gezeigt, wie der Menschen aus Beobachtungen die richtigen Schlüsse zog und so erst intuitiv, dann gezielt beginnt, die Natur zu beeinflussen und nach seinem Willen zu lenken. Das beginnt mit einfachen Dingen wie der gezielten Aussatz von Getreide, der Haltung von jungen Wildtieren, die man nach und nach zähmt bis hin zu der Erfindung von Bewässerungssystemen.

Auch die gesellschaftlichen Entwicklungen werden berücksichtigt. Welche Auswirkungen hat eine Entwicklung auf die Machtverhältnisse, wie kann Besitz das Leben der Menschen beeinflussen? Ab wann etwa zählt nicht mehr die Stärke und der Überlebenswille einer Sippe sondern das, was sie haben?

Aber auch die Schattenseiten des Lebens in größeren Gemeinschaften werden nicht außer Acht gelassen. Durch die domestizierten Haus- und Nutztiere lassen die Menschen auch Krankheiten und Seuchen in ihre Gemeinschaften. Vor ihnen liegt ein schmerzhafter Weg, bis sie wissen, wie sie damit umgehen müssen.

Besitz und Macht erwecken auch die dunklen Seite der menschlichen Psyche. Einige wissen ihre Position geschickt auszunutzen, um sich zu bereichern und die anderen zu kontrollieren. Könige, Häuptlinge und Despoten werden geboren. Wie fanden die Menschen heraus, effektiver Getreide anzubauen, die richtigen Tiere miteinander zu kreuzen und nicht zuletzt Metalle zu bearbeiten. Am Ende der Dokumentation steht die Entwicklung der Schrift – der Beginn der modernen Geschichtsschreibung, die sich nicht länger auf mündlich weitergegebene Sagen und Legenden verlassen muss.

Natürlich zeigen die ausgewählten Szenen nicht jeden Aspekt der Entwicklung, viele werden auch nur erzählt oder in den kleinen Geschichten angewendet. Man beschränkt sich auf die dramatischen Entwicklungen, die durchaus mit den ältesten Geschichten der Menschheit einher gehen – Liebe und Eifersucht, Gier nach Macht und Reichtum, aber auch Neid und Missgunst sind ebenso Triebfedern wie die Katastrophen, denen die Menschen erst noch auf den Grund gehen müssen – Dürre und Seuchen gehören dazu.

Die Dokumentation wägt geschickt zwischen Spannung und Wissensvermittlung ab. Aus diesem Grund kann man ihr manch klischeehafte und nur all zu bekannte Entwicklung in den einzelnen Szenen verzeihen, da die Handlung im Grunde nur die Informationen trägt, welche die Macher vermitteln wollen. Das merkt man daran, dass zwar ein gewisser Unterhaltungswert da ist, die Geschehnisse aber auch nicht all zu reißerisch aufgemacht sind, wie man es aus Filmen kennt.

Tatsächlich ist man am Ende um einiges klüger und beginnt nun auch die Jungsteinzeit mit anderen Augen zu sehen, in denen die Menschen einen vielleicht noch größeren Schritt nach vorne gemacht haben, als in den Jahren danach.

Die Altersfreigabe ist verständlich, da einiges, was gezeigt wird nicht ganz so harmlos ist und die Zusammenhänge für jüngere Zuschauer noch nicht so verständlich sind.

Interessant ist auch das Making-of das viel von der Intention der Macher verrät und die kleinen wie großen Hürden bei der Arbeit an dem Film zeigt.

 

 

Fazit:

 

Aus diesem Grund lohnt es sich einen Blick in „Erfolgsstory Mensch“ zu werfen. Die Dokumentation macht deutlich, dass nicht nur die frühen Hochkulturen sondern auch die 7500 Jahre davor maßgeblich bestimmt haben, wer und was wir heute sind.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202301281953077574c3ce
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DVD:

Erfolgsstory Mensch

(DVD; Dokumentation; FSK 12)

Film, Europa 2007/2010

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.78:1

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 28. Januar 2011

Spieldauer: 95 Minuten

Extras: Making-of (30 min)

 

ASIN: B0011U154S

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 06.02.2011, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01