Es währt für immer und dann ist es vorbei (Autorin: Anne de Marcken)
 
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Es währt für immer und dann ist es vorbei von Anne de Marcken

Rezension von Matthias Hofmann

 

Seit drei Jahren gibt es einen neuen Literaturpreis. Nicht, dass es noch einen weiteren gebraucht hätte, denn die Genres SF, Fantasy, Horror oder Fantastik haben schon jede Menge Auszeichnungen, die in mannigfaltigen Kategorien extra für einschlägige Werke vergeben werden. Aber wenn ein neuer Preis nach einer herausragenden Autorin wie Ursula K. Le Guin benannt wird, dann ist das durchaus okay.

 

Nun sind die Kriterien für den Ursula K. Le Guin Prize etwas sperrig formuliert und basieren auf einer Rede Le Guins anlässlich der National Book Awards 2014. Der Preis soll an »Realisten und Realistinnen einer größeren Realität gehen, solche, die sich echte Gründe für Hoffnung vorstellen und Alternativen zu unserer heutigen Lebensweise sehen können«. Laut Webseite wird der Preis an Autoren und Autorinnen verliehen, deren Werk die Konzepte und Ideen widerspiegelt, die für Ursula Le Guins eigenes Werk von zentraler Bedeutung waren, darunter unter anderem Hoffnung, Gerechtigkeit und Freiheit, Gewaltlosigkeit und Alternativen zu Konflikten sowie eine ganzheitliche Sicht auf den Platz der Menschheit in der natürlichen Welt.

 

Der erste Le Guin Prize ging 2022 an die Kenianerin Khadija Abdalla Bajaber für ihren Roman The House of Rust. Im zweiten Jahr wurde die Auszeichnung an Rebecca Campbell für den Kurzroman Arboreality verliehen, der just im Frühjahr 2025 bei Carcosa auf Deutsch veröffentlicht wurde; unter dem Titel Arborealität.

 

Für die dritte Runde (2024) waren einige Hochkaräter am Start, u.a. die Booker-Preisträgerin Samantha Harvey (Umlaufbahnen) und die Hugo-Preisträgerin Emily Tesh (Die letzte Heldin). Gewonnen hat den Preis die US-Amerikanerin Anne de Marcken mit der Zombie-Geschichte Es währt für immer und dann ist es vorbei.

 

Zombies? Ja, richtig gelesen. Bei dem Werk handelt es sich um eine Art Zombie-Roman, aber – wie soll es auch anders sein – nicht einer, der für Fans von Splatter, Gore und möglichst sinnlosen Gewaltorgien geschrieben wurde, sondern für Leserinnen und Leser, die sich mit dem Jenseitigen beschäftigen. Ein Verlag wie Suhrkamp ist nicht bekannt für die Befriedigung trivialster Gelüste.

 

Wir befinden uns mitten in einer deprimierenden Dystopie. Die Protagonistin des Romans lebt nicht mehr. Sie ist eine Untote, wie viele andere auch, lebt in einem Hotel mit lauter »Menschen« mit dem gleichen Schicksal. Der Roman beginnt mit den Worten: »Heute habe ich meinen linken Arm verloren. Er löste sich glatt an der Schulter. Janice 2 hob ihn auf und brachte ihn zurück ins Hotel.«

 

Was sich wie den Beginn einer Zombie-Persiflage liest, entwickelt sich sehr schnell zum literarisch ausgefeilten Kunstwerk. Oder besser: zu einer Studie über das Nicht-Sein und das Verschwinden. Zwar hat die Hauptfigur ein bruchstückhaftes Gedächtnis und versucht dieses im Verlauf der Handlung zusammenzusetzen, aber sie kann sich nicht mehr an so etwas Wichtiges wie ihren eigenen Namen erinnern.

 

Was sie nicht vergessen hat, ist die Ahnung von einer Person, die sich möglicherweise geliebt hat als die Welt noch in Ordnung und sie ein lebendiger Mensch gewesen ist. Und eines Tages versucht sie, diesen Gedanken konkret nachzugehen. Sie verlässt das Hotel der Untoten und begibt sich auf die Suche nach Westen. Ihr Ziel ist das Meer. Angetrieben wird sie durch die Hoffnung herauszufinden, ob sie das Gefühl von Liebe wiederfinden kann.

 

»Es währt für immer und dann« ist es vorbei ist ein ruhiges Buch. Es ist voll von stillen Beobachtungen und im Ton ziemlich melancholisch. Es gibt Passagen, die aufheiternd, ja witzig, wirken, aber insgesamt ist es ein Buch über Verlust und die damit verbundenen mentalen Schmerzen sowie dem Versuch nicht aufzugeben. Der Roman ist daher keine leichte Lektüre und nichts für Zwischendurch, auch wenn man das auf Grund der Kürze des Werks vielleicht denken könnte.

 

Die Idee des Buchs, eine Geschichte von einer Person erzählen zu lassen, die nicht mehr am Leben und gleichzeitig nicht tot ist, und diesen Plot in eine schöne, mitunter gar poetische Sprache zu verpacken, hat Anna de Marcken wirklich gelungen umgesetzt. Ein bemerkenswerter Roman, der mit Gewinn mehrfach gelesen werden kann.

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Buch:

Es währt für immer und dann ist es vorbei

Original: It Lasts Forever and Then It’s Over, 2024

Autorin: Anne de Marcken

Übersetzung: Clemens J. Setz

gebundene Ausgabe, 152 Seiten

Suhrkamp, 31.03.2025

 

ISBN-10: 3518432222

ISBN-13: 9783518432228

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0DK2FPNZY

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition


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Erstellt: 02.05.2025, zuletzt aktualisiert: 02.05.2025 21:57, 24541