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Everspace 2

Rezension von Cronn

 

 

Ein Werkstattbericht

 

Farbige Schlieren begleiten meinen Flug durch den Hyperraum. Als ich nahe genug an dem Planetensystem bin, schalte ich den Jump-Drive aus. Noch immer im Schwung rase ich auf ein Asteroidenfeld zu. Dort soll sich mein Ziel befinden.

Ich bin auf der Suche nach sogenannten »Beanies«, das sind stationäre Vorrichtungen, um Störsignale zu erzeugen. Diese Störsignale sollen verhindern, dass der Standort meiner Basis auffliegt. Denn ich bin auf der Flucht.

Die Asteroiden füllen mein Blickfeld aus. Ich bemerke eine Station von Outlaws, deren Geschütztürme mich ins Visier nehmen. Rote Strahlen zucken durch das Weltall und treffen meine Schilde. Ich kann zusehen, wie mein Schildbalken dahinschwindet wie Eis in der Sonne. Ich muss da weg!

Hektisch schalte ich den Boost-Drive ein und schwenke die Schnauze meines Raumschiffs hinfort. Noch immer treffen mich die Strahlen der Feinde. Verflucht, das wird eng!

Zusätzlich tauchen Feindschiffe auf und nehmen mich ins Visier.

Ich drehe mich und strafe dabei, um aus dem Fadenkreuz der Verfolger zu kommen. Es gelingt mir gerade noch, bevor meine Hülle von den Kampfmitteln der Gegner aufbricht.

Ein Outlaw kommt in Sicht. Ich jage ihm eine Rakete entgegen, die seinen Energieschirm nahezu völlig zusammenbrechen lässt. Anschließend lasse ich meine neu erworbene Railgun sprechen. Schnell schrumpft der Schildbalken des Gegners weg, dann auch noch seine Hülle und er vergeht in einer mehrstufigen Explosionswolke.

Ha, das gefällt mir!

Schnell noch die ein oder andere Drone quasi im Vorbeiflug erledigt, dann wende ich mich den restlichen Outlaws zu. Nach mehreren meiner Raketen und Railgun-Salven vergehen sie in spektakulären Explosionen. Nun wende ich mich der Station und ihren Turrets zu.

Ohne die Verteidigung durch Feindschiffe sind die Geschütztürme nicht mehr allzu schwer zu meistern. Ich strafe und lasse die Railgun sprechen, während die Salven der Türme an mir vorbeihuschen. Dann vergehen auch die Geschütze im Feuer meiner Kanonen.

Endlich kann ich die Suche nach dem defekten Störsender beginnen!

 

Everspace 2 ist die Action-Weltraum-Hoffnung aus Deutschland, die nun den Early-Access auf Steam betreten hat. Bereits mit dem Vorgänger Everspace hat sich der Hamburger Entwickler Rockfish Games einen Namen gemacht. »Everspace« beeindruckte vor allem durch das gelungene Handling, das Spielgefühl und die atemberaubende Grafik nebst stimmiger Soundeffekte. Von vielen Spieler wurde allerdings das Roguelike-Spielprinzip als weniger gelungen empfunden. Die Entwickler haben sich das zu Herzen genommen und beim Nachfolger »Everspace 2« umgesetzt.

Wie spielt sich das Game bereits im Early Access? Dem soll in diesem Werkstattbericht nachgegangen werden.

 

Hintergrund:

Die Story von »Everspace 2« setzt direkt an den Vorgänger an. Man spielt einen Klon, der auf einer Mission ist, um die Raumschiffe der Mining-Company zu beschützen. Dabei gerät er mit Outlaws in Kontakt und aus dem Hinterhalt entwickelt sich eine bedrohliche Situation, in deren Verlauf der Spielercharakter gefangen genommen wird. Auf der Basis der Outlaws wird er befragt und lernt einen weiteren Gefangenen kennen. Gemeinsam planen sie die Flucht.

 

Weiter möchte ich nicht auf die Story eingehen, die mit gezeichneten und teils animierten Comics erzählt wird. Sie ist durchaus spannend und man darf gespannt sein, was an Inhalten noch im Lauf der Entwicklung hinzukommt. Für eine abschließende Beurteilung reicht das noch nicht.

 

Was allerdings anzumerken ist: Die Abfolge der englisch untertitelten Dialoge während des Spiels folgt recht schnell, sodass man sich anstrengen muss, um mit dem Lesen hinterherzukommen. Hier sollte der Entwickler noch Anpassungen vornehmen. Im Laufe der Entwicklung wird zudem sicherlich noch eine deutsche Untertitelung hinzukommen, davon ist auszugehen.

 

Gameplay:

»Everspace 2« fühlt sich vom Gameplay her bereits in der Early-Access-Version sehr rund an. Das Handling des Schiffs erfolgt am besten mit Maus und Tastatur und geht dabei flott von der Hand. Das Game spielt sich mehr wie ein Action-Rollenspiel als wie eine Weltall-Simulation. Dazu trägt bei, dass das Spieltempo bei Actioneinlagen sehr hoch ist. Man kann Joysticks ebenfalls benutzen, allerdings warnen die Entwickler davor, da der Schwierigkeitsgrad stark ansteigt dadurch. Leider habe ich meinen Joystick (Speedlink Black Widow) noch nicht zum Laufen gebracht, so kann ich wenig dazu berichten. Der von mir benutzte Hotas-Stick wird aktuell noch nicht dezidiert unterstützt.

 

Aber kommen wir zurück zur Steuerung. »Everspace 2« leistet sich hier keine Patzer. Man kann seinen Raumer sehr direkt ansteuern, die Reaktionsgeschwindigkeit auf Eingaben ist sehr hoch und fühlt sich korrekt an. Auch das Zielen mit Vorhaltefunktion gelingt sehr gut, genauso wie das Boosten, Strafen und alle Bewegungen im Raum. Hier macht »Everspace 2« einfach alles richtig.

 

Hinzukommt das Loot-Gefühl. Überall findet man Gegenstände, die man ins Inventar packen kann. Somit erhält man neue Waffensysteme, Energiegeneratoren, Geschütztürme, aber auch weitere Inhalte, wie Erze, Credits und vieles mehr. Dazu kommt, dass diese Einheiten sich von den Werten unterscheiden, sodass man in die bekannte Loot-Spirale kommt und jedes gefundene Item daraufhin untersucht, ob es ein paar Prozentpunkte mehr Schaden verursacht oder dergleichen. Das spielt sich wie Diablo im Weltraum und funktioniert toll.

 

Das Handling des Inventars ist recht einfach, wobei der Überblick und der Vergleich der einzelnen Items durchaus Mikromanagement verlangt, was man mögen muss. Aber das ist bei Rollenspielen durchaus gewünscht.

 

Besonders gefallen konnte der Aspekt, dass man sich wie ein Entdecker fühlt. Immer wieder tauchen neue Signale auf, durchsucht man Schiffswracks und Asteroidenfelder, neugierig auf Entdeckungen mysteriöser Art. Dabei kommt es auch zu kleineren Rätseleinlagen, wobei man nach Möglichkeiten suchen muss, weiterzukommen, Schalter findet und drückt, welche an anderer Stelle ein Schott öffnen, etc. pp.

 

Auch darf man auf die Planetenoberfläche an bestimmten Punkten hinab, allerdings nicht zu Fuß. Dort findet man Panoramen vor, die ausgesprochen malerisch sind, sofern man ein Faible für Weltraum-Exkursionen hat.

 

Grafik und Sound:

Bei »Everspace 2« muss man unbedingt über die Grafik sprechen. Diese ist sehr gelungen. Ein hoher Detailgrad geht einher mit zahlreichen Effekten, die das Weltall und die Raumschiff-Action superb in Szene setzen. Mittels der aktuellen Iteration der Unreal-Engine sind derlei Effekte möglich in DirectX-11.

 

Wenn volumetrischer Nebel durch Asteroiden wabert, Raumschiffe in spektakulären Explosionen vergehen und Laser die Umgebung sensationell ausleuchten, ist man als Weltraum-Fan im siebten Himmel. »Everspace 2« sieht einfach zum Niederknien gut aus!

 

Es gibt eine Third-Person-Sicht, Cockpit-Sicht und eine Darstellung ohne Cockpit – damit sieht »Everspace 2« quasi wie ein Egoshooter aus. Die letztere Sicht konnte bei mir die höchste Immersion auslösen, da das Cockpit wenig aufregend gestaltet wurde. Aber da kann sich bis zum Release noch vieles ändern.

 

Beim Sound hingegen ist es zweigeteilt: Wo gelungene Soundeffekte das spektakuläre Geschehen untermalen, ist die Musik allerdings meist weniger gut gelungen. Sie ist schnell nervig und dröppelt vor sich hin. Ab und an erklingen sphärische Klänge in ruhigen Minuten, die durchaus von der Melodieführung interessant sind, aber die verwendeten Instrumentensounds können nicht überzeugen. Ich habe die Musik leise gedreht und konzentriere mich voll auf die Soundeffekte.

 

Fazit:

»Everspace 2« ist der wahr gewordene Traum all jener, die Weltraum-Sims zwar mögen, aber keine Lust haben noch länger auf Star Citizen zu warten, dessen Singleplayer-Part Squadron 42 vor Kurzem schon wieder verschoben wurde.

Es macht großen Spaß, das All von »Everspace 2« zu erkunden. Die Rollenspielanteile reizen zum Weiterspielen, die Story ist bereits erkennbar spannend angesetzt. Man darf mit Recht gespannt sein, wie die Umsetzung weiterer Inhalte in der Early-Access-Phase gelingt.

Wer vermisst schon »Squadron 42«, wenn er bereits jetzt »Everspace 2« haben kann?

Genau. Daher ergeht eine dringende Kaufempfehlung!

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PC-Spiel:

Everspace 2

Rockfish Games, 18. Januar 2021

 

Erhältlich bei: steam


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Erstellt: 05.02.2021, zuletzt aktualisiert: 16.11.2022 17:38