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Expedition Erde – Die Urkräfte unseres Planeten

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

„Expedition Erde“ ist eine fünfteilige Sendereihe, die das ZDF in Co-Produktion mit der BBC produzierte. Aus diesem Grunde ist auf den beiden DVDs auch nur eine deutsche Tonspur vorhanden, da hier nur die deutsche Fassung produziert wird.

Präsentiert wird die Sendereihe von dem ehemaligen ESA-Astronauten Thomas Reiter, der einen Blick auf die Erde werfen konnte, so wie er nur wenigen Menschen vergönnt ist.

 

Die fünf Folgen bereiten wieder einmal die Entwicklungsgeschichte der Erde auf. Sie zeigen in eindrucksvollen Naturaufnahmen und Simulationen, wie unsere Welt entstanden ist, die engen Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Naturkräften und wie sich das Leben auf ihr entwickeln konnte.

In der ersten Folge werden die Vulkane und ihre Kräfte genauer unter die Lupe genommen. Sie gelten als zerstörerisch und gefährlich, Lavaströme, Ascheregen und giftige Gase vernichten alles Leben um sie herum, wenn sie wieder einmal ausbrechen. Wenig bekannt ist allerdings, das ohne ihr Wirken die Erde immer noch eine kalte und leblose Eiskugel ohne Lebenszeichen wäre. Sie sorgen für Veränderung und Wandel.

Die Reise beginnt in Island und führt an die Klippen von Thingwellier, die den östlichsten Zipfel von Nordamerika markieren – an einem Ort, wo man das nicht einmal mehr vermuten würde. Die Dokumentation zeigt danach unter anderem auch, warum die Wanderung der Erdplatten so immens wichtig ist, auch wenn die dadurch verursachten Erdbeben immer sehr viel Unheil verursachen.

Eine in mehrfacher Weise gegensätzliche Kraft sind die Ozeane, die fast so alt sind wie die Erde selbst. Sie tragen die Landmassen wieder ab, die durch Vulkane und die Bewegungen in der Erdkruste entstehen, ihre Strömungen beeinflussen das Thema. Über die komplexen Bewegungen unter der Wasseroberfläche ist man sich erst durch einen kuriosen Vorfall bewusst geworden – als durch ein Schiffsunglück im Pazifik eine ganze Menge Gummienten über Bord gingen und an Orten der Welt wieder auftauchten, wo man am allerwenigsten mit ihnen gerechnet hätte.

Sie machten die Wissenschaftler auf etwas aufmerksam, das heute mehr denn je unter die Lupe genommen wird. Das „Globale Förderband“ ist für den Wärmeaustausch auf der gesamten Erde verantwortlich und der Europa klimatisch begünstigende „Golfstrom“ nur ein kleiner Teil davon.

Deutlich von den Ozeanen beeinflusst wird die Atmosphäre, die dünne Hülle, die ähnlich wie ein Meer unsere Welt umgibt und die Stoffe liefert, die für das Leben notwendig ist. Sie ist zudem eine wichtige Schutzschicht, die schädliche Strahlung aus dem All abhält oder zumindest filtert. Auch das Eis trägt seinen Teil dazu bei, das Leben auf der Erde existieren kann.

Alle Erkenntnisse der letzten Jahre führen schließlich hin zu letzten Folge, in der man sich mit dem Leben beschäftigt. Es werden aber nicht nur die Erkenntnisse zusammengefasst, die bereits in den anderen Folgen erwähnt wurden, sondern auch weiterführende Informationen. Welche Bedeutung hat das Leben im Zusammenspiel mit den anderen Urkräften des Planeten? Wie beeinflusst es die Auswirkungen durch Ozeane, Vulkane und die Atmosphäre und wird selbst davon beeinflusst.

Thomas Reiter führt als Präsentator durch die einzelnen Folgen. Er reist zu markanten Punkten der Erde, um dem Zuschauer dort vor Ort vor Augen zu führen, was die Urkräfte an Zeugnissen hinterlassen haben, sei es nun auf Island, in Ostafrika, wo nach der Ansicht einiger Wissenschaftler gerade ein neues Meer entsteht oder in den Dschungeln von Mexiko. Dazu gibt es immer wieder beeindruckende Naturaufnahmen, die mit wenig Text und stimmungsvoller Musik präsentiert werden, so wie man es von den bedeutenden Dokumentationen der BBC gewohnt ist. Sie demonstrieren die wilde Kraft der Vulkane, die beharrliche Stetigkeit der Ozeane und die kaum wahrnehmbaren Eigenschaften der Luft. Wissenschaftler oder Extremsportler kommen zu Wort und stellen ihre Erkenntnisse oder Erfahrungen vor.

 

All das geschieht auf sehr unterhaltsame Art und Weise. Thomas Reiter erweist sich als angenehm natürlicher Präsentator, der bewegt, aber sehr sachlich an die Themen heran führt und dabei nicht übertreibt. Seine ruhige, manchmal etwas steife Art wirkt sympathischer als das effekthascherische Gehabe mancher anderer Reporter, die zu sehr auf Show setzen wie etwa Nigel Marven.

Unterstützt wird er dabei von Christian Brückner, der die Informationen zu den Bildern sehr ruhig, aber lebendig spricht und dabei keine Langeweile aufkommen lässt. Leichtfüßig und unterhaltsam werden viele spannende und teilweise wenig bekannte Fakten so vermittelt, das eine Menge davon auch im Kopf hängen bleibt. Man merkt immer wieder, dass sorgfältig recherchiert und auf neue Forschungsergebnisse Rücksicht genommen wurde.

Die Informationen sind jedenfalls für Zuschauer ab zehn Jahren ohne Probleme zu verstehen und regen stellenweise sogar zum Nachdenken an, denn trotz aller Faszination für die Vergangenheit wird dafür auch nicht die Gegenwart vergessen, denn die Auswirkungen der Umweltverschmutzung und des Klimawandels werden nicht verschwiegen.

Indem die einzelnen Folgen deutlich machen, wie eng alles miteinander verknüpft ist, zeigen sie auch, wie wichtig es ist, nicht nur an einer Stelle an einer Verbesserung der Umstände zu arbeiten, sondern an mehreren. Und das die Schädigung eines Bereichs durchaus das ganze System betreffen kann, wenn nur genug Zeit vergeht.

Wie immer haben die Kameramänner von der BBC gute Arbeit geleistet und die neusten Entwicklungen der Technik genutzt. Superzeitrafferaufnahmen zeigen wie Gletscher zu Tal fließen, Sanddünen in der Wüste wandern oder gar Vulkankegel wachsen. Durch Satellitenaufnahmen und Radarbilder kann man sogar einen Blick in das Zentrum eines Hurrikans werfen und Schwerkraftmessungen helfen dabei den Einschlägen von Meteoriten auf die Spur zu kommen.

Die Aufbereitung auf der DVD ist dementsprechend sorgfältig – durch Kontraste erkennt man selbst unter schwierigen Lichtverhältnisse auch kleine Details und die Bilder wirken sehr realistisch. Ähnlich sieht es mit dem Ton aus, der rauschfrei und als Raumklang daher kommt.

Zur weiteren Information kann man auf ein schön bebildertes 28seitiges Booklet zurück greifen, dass die Inhalte der Folgen noch einmal in kompakter Form zusammen fasst. Weitere Extras gibt es allerdings keine.

 

 

Fazit:

„Expedition Erde“ ist eine Dokumentations-Reihe, die inhaltlich wie auch formell dem Qualitätsstandard gerecht wird, den man von der BBC und auch dem ZDF erwartet. Die einzelnen Folgen präsentieren ihre Informationen mit beeindruckenden Naturaufnahmen, und lebendigen Schilderungen, die weder zu wissenschaftlich, noch zu effekthascherisch aufbereitet wurden, so dass sie weder langweilen noch zu oberflächlich sind. Damit entsteht packende Unterhaltung auf hohem Niveau.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230205163045a75d9fb0
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DVD:

Expedition Erde – Die Urkräfte unseres Planeten

5-teilige Dokumentarserie des ZDF und der BBC

Deutschland/Großbritannien 2008

Produzent: Jonathan Renouf, Phil Doulin

Präsentator: Thomas Reiter

Bildformat: 16: 9, Synchro: dt.(DD 5.1)

Untertitel: dt. für Hörgeschädigte

Anzahl Disks: 2

Spieldauer: 225 Minuten (5 Folgen a 45 min)

Extras: 28seitiges, farbiges, bebildertes Booklet

Polyband & Toppic Video/WVG, 28. November 2008

 

ASIN: B001CDESZ2

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Episoden:

01. Vulkane

02. Ozeane

03. Atmosphäre

04. Eis

05. Leben

 


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Erstellt: 14.12.2008, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01