Fantastische Kreaturen von Wolfgang Hohlbein

Rezension von Christel Scheja

 

Seit dem Wettbewerb im Jahr 1981, der Wolfgang Hohlbeins Karriere zu einem großen Sprung verhalf, ist die Fantasy im Jugendbuchsektor des Ueberreuter-Verlages nicht mehr weg zu denken. Bestand die Reihe anfangs fast nur aus den Romanen des Autorenehepaares Hohlbein, so hat sich das Bild mittlerweile doch sehr stark verändert und auch viele andere Autoren haben Aufnahme gefunden.

 

Neben seinen Romanen und Reihen betreut Wolfgang Hohlbein gelegentlich auch noch Anthologien. So sind in „Fantastische Kreaturen“ die aufstrebenden deutschen Autoren vereint, die derzeit den deutschen Markt beherrschen und nicht wenige davon sind auch bei Ueberreuter vertreten. Die vierzehn Geschichten zeigen, wie unterschiedlich „Fantastische Kreaturen“ gesehen werden können.

Wer denkt da nicht zuerst an die Wesen aus Märchen und Sagen. Und so finden gleich mehrere davon Eingang in Christoph Marzis Geschichte um das „Erlkönigskind“, das zusammen mit seinem Bruder in die Gewalt einer bösartigen Hexe gerät und alle List aufbringen muss, um dem Backofen zu entkommen, in dem es zubereitet werden soll.

Katja Brandis erzählt in „Der Greif von Xandria“ von einem jungen und naiven Fabelwesen, dass Freundschaft mit einem jungen Prinzen schließt und ihn all die Jahre begleitet. Doch aus Kindern werden Erwachsene ... und diese vergessen schnell den Wert der Freundschaft wenn Macht wichtiger wird. Zurück bleibt ein zutiefst verstörtes unsterbliches Wesen, das erst durch die Ehrlichkeit eines weiteren Kindes wieder geheilt werden kann.

Auch „Der Drache des dunklen Wassers“ von dem „Hohlbein-Preis“-Gewinner 2009, Bernd Rümmelein, fällt auf die Menschen hinein und bezahlt teuer dafür. Aber die Liebe ist es, die sein Vermächtnis weiter in die nächste Generation trägt.

Von einem „Pfad der Bestimmung“ den ein junger Ork gehen muss, um zu einem Führer seines Volkes zu werden erzählt Stephan R. Bellem, während Lynn Raven mit „Hic sunt Vampyres!“ ein derzeit sehe beliebtes Thema aufgreift und Monika Felten in „Doron-Fennas“ zeigt, dass auch Feenwesen und Elfen mit der Zeit zu gehen wissen, wenn es um den Schutz ihres Lebensraumes geht, der aufgeforstet werden soll. Blanker Horror ist dagegen „Return of the Living Fred“ in dem Brigitte Melzer munter Zombie-Filme zitiert und auch eine kleine Anleihe Janice R. Davidsons erstem „Betsy Taylor“-Roman nimmt.

 

Dies sind nur einige der Geschichten, die in diesem Band versammelt sind und von klassisch epischer Fantasy mit den dort vorkommenden Fantasy-Völkern und –wesen bis hin zu Geshcichten aus unserer Zeit reichen. Man mag sich darüber streiten, ob Elfen und Orks oder Vampire wirklich fantastische Kreaturen im traditionellen Sinne sind, da sie eine humanoide Gestalt haben, die sich nur wenig von der der Menschen unterscheidet, wichtiger ist wohl, ob die Geschichten ihren Anspruch erfüllen können, spannend, magisch oder mystisch und nicht zuletzt Fantasy zu sein.

Tatsächlich sind die meisten Erzählungen sehr spannend und wissen auch schon auf wenigen Seiten eine Atmosphäre aufzubauen, aber es gibt auch einige Durchhänger, bei denen das ein oder andere nicht stimmt, sei es, dass keine Stimmung aufkommt wie in „Hic sunt Vampyres“ oder die Spannung eher gering ist wie in „Ewigkeit“ von Christoph Hardebusch. Und „Return of the Living Fred“ ist eher klassischer Horror, der besser in eine reine Phantastik-Anthologie gepasst hätte. Alles in allem sind die Geschichten so abwechslungsreich, dass jeder seine Favoriten finden kann und nicht enttäuscht sein muss, wenn nicht alle Geschichten nach seinem Gusto sind.

Gelungen ist auch die Aufmachung, die an ein altes Märchen- oder Sagenbuch erinnern soll, wie nicht zuletzt auch das ungewöhnliche Format des Buches, das breiter ist als üblich.

 

„Fantastische Kreaturen“ deckt alle Spielarten der Fantasy ab und bietet eine bunte Mischung aus unterhaltsamen Kurzgeschichten. Nur sollte man nicht erwarten, dass hier wirklich nur Fabelwesen ins spiel kommen, die sonst eine eher untergeordnete Rolle spielen, sondern auch gängige Rassen wie Vampire, Elfen oder Orks.

 

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Fantastische Kreaturen

Herausgeber: Wolfgang Hohlbein

gebunden, Überformat 316 Seiten

Ueberreuter, erschienen Juli 2009

Titelbild von Jörg Hartmann

ISBN-10: 3800054833

ISBN-13: 978-3800054831

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49 | Users Online
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