Secia und ihren neuen Freunden fällt es schwer, sich eindeutig zu positionieren. Von den Engeln, die sie als Versuchsobjekte missbraucht haben, wollen sie nichts wissen, mit den Entscheidungen des Ältestenrats der Dämonen können sie sich aber auch nicht anfreunden. Eine unverhoffte Entdeckung könnte Engel und Dämonen allerdings zwingen, für ihr Fortbestehen zusammenzuarbeiten.
In Band 1 (Essenz) ihrer Urban-Fantasy-Dilogie Daimonion zeichnete Sylvia Kaml ein Bild, das die Dämonen den Engeln moralisch überlegen erscheinen ließ. In diesem abschließenden 2. Band relativiert sich dieser Eindruck allerdings.
Plötzlich werden die Dämonen oder konkreter gesagt deren Anführer doch recht negativ dargestellt. Besonders als die weitere Existenz beider Seiten infrage gestellt erscheint, zeigen sie wenig Verständnis. Zudem wird enthüllt, dass es schon länger eine ganze Gruppierung abtrünniger Dämonen gibt und die sogar mit ebenfalls abtrünnigen Engeln zusammenarbeitet.
Zwischen all diesen Gruppierungen sitzen die Protagonistin und ihre Freunde quasi zwischen allen Stühlen. Eine wirklich überraschende Auflösung zu den Zusammenhängen, wie ich sie nach Band 1 ehrlich gesagt erwartet hätte, erfolgt allerdings nicht. So bietet dieser Band zwar eine durchaus interessante Handlung, erfüllt meine Erwartungen auf ›einen großen Hammer« aber leider nicht. In dieser Hinsicht kann die ›Schuld‹ aber natürlich auch einfach nur an meinen Erwartungen liegen.
Stilistisch bleibt alles wie vom Vorgänger gewohnt, wobei diesmal aber auch deutlich wird, wie viel Zeit nach menschlicher Zeitrechnung indessen verflossen ist.