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Fettsack von Rex Miller

Reihe: Edition Phantasia Paperback | Phantasia Crime 4002

Rezension von Christian Endres

 

Fast zweieinhalb Jahre mussten vergehen, bis die gelbe Crime-Subreihe im renommierten Paperback-Programm der Edition Phantasia einen zweiten Band spendiert bekam. Dieser nun ist, vergleicht man ihn mit »Bringen wir Constanze um!« von Ray Bradbury, dann auch direkt Kontrastprogramm par excellence! Keine verträumten Filmhintergründe des alten Kaliforniens mehr, keine blumigen Satzkonstruktionen, keine nostalgischen Hollywood-Detektive - stattdessen dominieren Gewalt, Blut und Verbindungen zur Schwarzen Serie »Fettsack«, das Roman-Debüt von Rex Miller (1939-2004), seinerzeit hochgelobt von etwa Stephen King, oder Xanth-Vater Piers Anthony.

 

Wieder einmal ist es also eine ungewöhnliche, schon etwas ältere, dafür aber ungekürzte Neuübersetzung, die ihren Weg ins EP-Paperback mit der obligatorischen Klappenbroschur findet. Wo die verlegerische Konsequenz allgegenwärtig scheint, wird dagegen schnell klar, dass Miller weit weniger Konsequenz an den Tag legt. Perspektiven, Zeiten - das alles schaltet er munter wie mit der Fernbedienung durch. Stilistisch bewegt er sich dabei zwar auf hohem Niveau - so richtig zünden oder immer gefallen mag das trotzdem nicht.

 

Im Mittelpunkt seines beinharten Thriller-Spiels mit allerhand Klischees stehen Henry Chaingang Bunkoswki, eine 500 Pfund schwere Killermaschine aus dem Vietnamkrieg, und sein Gegenspieler, der Serienkiller-Spezialist Jack Eichord, der sich nicht nur mit dem seelisch und moralisch völlig kaputten Chaingang anlegt, sondern sich auch noch in die Witwe eines der letzten Opfer des »Fettsacks« verliebt. Richtig übel wird die Sache natürlich, als der Fall für Jack plötzlich richtig persönlich wird ...

 

Nicht nur der Handlungsort Chicago legt den Schluss nahe, dass Miller sich an den Blackeyed-Privates der legendären Schwarzen Serie orientiert hat. Allerdings zeigt seine Nominierung für den Bram Stoker Award (1987), dass Miller zugleich noch etwas anderes im Sinn hatte - Tabus, die gebrochen werden, Grenzen des guten Geschmacks, die ausgelotet und des Öfteren ziemlich heftig angetastet werden. Und natürlich auch immer wieder Gewalt, Blut und explizite Brutalitäten. Ob der Band damit aber schon dem Horror-Genre so nahe ist, dass er damals für den BSA nominiert werden musste, sei einmal dahin gestellt - auf alle Fälle ist die Einordnung in einer Krimi-Reihe weitaus sinniger als jene Nominierung aus den späten 80ern.

 

Doch egal ob Krimi oder Horror: Der Funke will so oder so nicht immer überspringen. Millers Geschichte geht trotz vieler stilistisch brillanter, unglaublich atmosphärischer Kapitel und Szenen mit einem angenehm menschlichen Protagonisten zwischendurch immer wieder auf Talfahrt, was den Gesamteindruck zusammen mit den manchmal reichlich ideenlos bedienten Klischees doch etwas trübt.

 

Am Ende überzeugt vor allem eines: der wunderbare Kontrast zwischen den einzelnen Kapiteln. Der Unterschied zwischen dem »fetten Monster«, also dem innerlich kaputten Bunkoswki und seinen brutalen, kranken Eskapaden, und der Wiederentdeckung verloren geglaubter Gefühle auf Seiten von Jack und Edie - das ist ein sehr schönes Spannungsverhältnis, obwohl das Ganze die Eskalation am Ende natürlich auch recht schnell vorhersehbar macht.

 

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Fettsack

Reihe: Phantasia Crime 4002

Autor: Rex Miller

Paperback m. Klappenbroschur, 260 Seiten

Edition Phantasia, Juni 2008

ISBN: 3937897305

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.06.2008, zuletzt aktualisiert: 11.05.2021 21:25