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Fillory – die Zauberer von Lev Grossman

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1969 geborene Lev Grossman studierte Literatur an der Universität Yale und schrieb danach lange Jahre für das TIME-Magazine, ehe er sich dem Verfassen von Romanen zuwandte. Der erste Roman des in Brooklyn, New York, lebenden Autors, „Die Macht des Kodex“ wurde zu einem Bestseller, nun legt er mit einem weiteren Roman, der sich an Jugendliche richtet, nach.

 

Quentin Coldwater steht kurz vor dem Abschluss an der High School. Seine Zukunft sieht rosig aus, da er ein Vorstellungsgespräch bei der Princeton University eingeladen ist. Er hofft, wenigstens dort die Herausforderungen zu finden, die er auf der High School bisher vermisst hat.

Allerdings kommt der junge Mann auf der Fahrt von Brooklyn zu der Hochschule niemals an, sondern findet sich plötzlich vor den Toren eines ganz anderen College wieder, wo er eine seltsame Prüfung ablegen muss. Ehe er sich versieht, erfährt er, dass er sich im geheimen „Brakebills College“ wiederfindet, einer pädagogischen Hochschule, die sich um alle kümmert, die eine ganz besondere Begabung haben – die Möglichkeit, echte Magie zu wirken.

Quentin, dessen Lieblingsbücher im Fantasyland „Fillory“ spielen, ist dem Übersinnlichen nicht abgeneigt und bleibt in Brakebills, denn er erkennt, dass er genau hier die Herausforderungen findet, nach denen er so lange gesucht hat.

Schon bald muss er feststellen, dass das Erlernen des Umgangs mit der Magie kein Zuckerschlecken ist, denn zum einen muss er endlose Formeln und Gesten lernen, zum anderen ist die Welt der Zauberer auch nicht ganz ohne Gefahren.

Doch nach und nach wächst er in dieses neue Leben hinein und entfremdet sich immer mehr von seinen Eltern, die gar nicht wissen, was er eigentlich treibt. Von Studienjahr zu Studienjahr taucht er immer tiefer in die magische Welt ein und erkennt schon bald, dass das Fantasy-Land, dass ihn seit seiner Kindheit so beeindruckt hat, mehr zu sein scheint als nur Fiktion. Denn schon bald wagen er und seine engsten Freunde den Schritt in diese andere Dimension.

 

Lev Grossman macht keinen Hehl daraus, an welchen Romanserien er sich orientiert hat. Auch wenn das Brakebills College eher junge Erwachsene als Kinder aufnimmt und einige Sitten rauer sind als in Hogwarts, so erinnert die Schule in ihrem Aufbau und den Methoden doch sehr an „Harry Potter“. Und wann immer man etwas über das magische Land Fillory hört, denkt man unwillkürlich an „Narnia“, da die Schilderungen doch sehr denen von C. S. Lewis gleichen, ohne dass der Autor gleich kopiert.

Abseits von diesen Ähnlichkeiten ist bemerkenswert, dass der Autor keine edlen Helden in den Mittelpunkt stellt. Quentin und seine Kommilitonen wirken wie ganz normale Studenten, sie haben Zweifel, treffen Fehlentscheidungen, weil sie zu überheblich sind und ihre Fähigkeiten nicht einschätzen können, fallen dann böse auf die Nase und gehen auch nicht immer nett mit ihrem Mitmenschen um. Gerade Quentin gibt sich oft genug die Schuld für alles und übersieht dabei das Wesentliche. Allerdings bleibt sein Charakter auf diese wesentlichen Merkmale konzentriert und geht nicht sonderlich viel tiefer.

Lev Grossman lässt sein Szenario recht düster und realistisch erscheinen. Die Studenten der Magie geben sich wie andere auch Alkoholexzessen, Drogen und Sex hin, anstatt immer nur zu lernen, sie richten auch gerne schon einmal Unheil an, was dem ganzen Buch einen interessanten Anstrich gibt.

All das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass das Buch eigentlich keinen roten Faden besitzt, sondern eher aus vier Büchern zusammengesetzt wirkt. Auch kann sich der Autor nicht recht entscheiden, was ihm wichtiger ist – die Ausbildung Quentins zu beschreiben oder aber seine Abenteuer in Fillory, denn beides kommt zu kurz. Letztendlich fehlt das gewisse Etwas, das viele Leser an „Harry Potter“ und „Narnia“ gereizt haben dürfte – Lev Grossman gelingt es nicht, den Funken überspringen zu lassen und damit das Kopfkino in Gang zu setzen.

 

Alles in allem hat „Fillory – Die Zauberer“ zwar sehr interessante Ansätze und Ideen, die Umsetzung ist allerdings nicht ganz gelungen, da es nicht allein genügt eine etwas realitätsnahere und erwachsene Variante gewisser Erfolgsserien im Jugendbuchsektor zu schaffen und das ganze noch etwas mit Sex und Gewalt zu würzen.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 1 von 1.

FantasyFan01
Donnerstag, 21. Oktober 2010 18:54 Uhr
Wunderbares Buch!

Obwohl man teilweise erraten kann, was passiert hält Nina Blazon doch noch viele Überraschngen parat, die den Roman nie langweilig erscheinen lassen.

Die Liebesgeschichte wird zwar wichtig, aber nicht so präsent wie in anderen Büchern, was der Hadlug nur hilft.

Wenn auch das Ende sehr überraschend und plötzlich eintritt ist das gesamte Buch doch auf jeden Fall lesenswert!

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Buch:

Fillory – die Zauberer

Autor: Lev Grossman

gebunden, 618 Seiten

FjB, September 2010

Übersetzerin: Stefanie Schäfer

Titelbild: Franziska Witz

 

ISBN-10: 3841421008

ISBN-13: 978-3841421005

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.10.2010, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54