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Flamme und Harfe von Ruth Nestvold

Rezension von Christel Scheja

 

Die Amerikanerin Ruth Nestvold wurden 1958 in Colville im Staat Washington geboren, lebt aber seit gut dreißig Jahren in Deutschland und arbeitete mehrere Jahre an verschiedenen Universitäten. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann in Stuttgart und arbeitet im IT-Bereich. Daneben hat sie bereits Kurzgeschichten und Sachbücher veröffentlicht. „Flamme und Harfe“ ist ihr erster Roman und nimmt sich des Mythos von Tristan und Isolde an.

 

Die Welt ist im Umbruch – das merken auch die junge Yseult und ihre Mutter gleichen Namens, die den Glauben an die alten Götter mit all ihren Riten noch aufrecht erhalten und sich damit Unabhängigkeit und Freiheit bewahren. Allerdings sind die Christenpriester auf dem Vormarsch und einige Häuptlinge nutzen deren Lehren allein zu ihrem Vorteil. So auch Yseults Vater, der seine Tochter aufgrund eines Bündnisses und Friedensschlusses an König Markus von Dumnonia verschachern will.

Was niemand außer ihrer Mutter und den engsten Freundinnen ahnt ist, dass die junge Frau bereits die Liebe ihres Lebens gefunden hat. Sie hat sich mit einem jungen Harfner namens Tandrys zusammengetan, der eines Tages schwer verletzt in die Halle ihrer Mutter gebracht wurde. Durch seinen Gesang und seine freundliche, zurückhaltende Art hat er das Herz der jungen Frau und während eines Festes der Götter auch ihren Körper für sich gewonnen.

Allerdings hat er Yseult in einem nicht die Wahrheit erzählt, und so kommt es zunächst zu einem Bruch zwischen den beiden, denn er ist eigentlich Drustan, Marcus Verwandter, und hat erst kurz vorher den Onkel des Mädchens getötet.

Da die Umstände es erzwingen, muss sich Yseult in die Verlobung und Heirat mit Marcus führen und ihre vertraute Heimat verlassen. In ihrem neuen Zuhause lernt sie schnell, dass ihre beiden Völker doch nicht so verschieden sind, auch wenn manche Bräuche unterschiedlich zu sein scheinen. Sie kommt auch mit König Artus und seinem verzweifelten Kampf gegen die Sachsen und innere Feinde in Berührung.

Schließlich kann sie auch ihre große Liebe nicht vergessen. Da Drustan ähnlich fühlt, finden die beiden im Haus des Königs heimlich zusammen und beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die ihnen zwar für eine Weile höchstes Glück beschert, dann aber auch in tödliche Gefahr bringt. Die Tragödie nimmt so ihren Lauf.

 

„Flamme und Harfe“ ist nicht das erste Buch, dass sich der Sage von Tristan und Isolde annimmt und in ein keltisch-historisches Umfeld einbettet. Auch „Der Zauber von Erin“ von Diana L. Paxon der in den späten 1990ger Jahren in Deutschland erschien hat eine ähnliche Gewichtung und schwelgt getreu „Der Nebel von Avalon“ in einem mystisch-verklärten Britannien und Irland, in dem die alte Religion noch gleichberechtigt neben dem Christentum existiert und vor allem für die weiblichen Angehörigen der keltischen Stämme eine besondere Bedeutung besitzt.

Auch Ruth Nestvold stellt Yseult, ihre Mutter und andere in beider Umfeld als selbstbewusste Frauen dar, die über sich und ihren Körper selbst bestimmen wollen, so wie es in der alten Zeit war und sich nicht unbedingt der Willkür der Männern fügen möchten, auch wenn sie dazu bereit sind, den Dialog zu suchen und in Frieden mit den Christen zu lieben. So stellt die Autorin auch nicht den Glauben in Frage, sondern konzentriert sich lieber auf die Taten und Leidenschaften der Menschen. Natürlich stechen Yseult und Drustan durch besondere Eigenschaften aus diesen heraus, so ist das junge Mädchen klug und erwachsen, durchschaut Fassaden und erkennt Hintergründe, während Drustan nicht nur ein tapferer Soldat, Krieger und Machtmensch ist, sondern mehr ein feinfühliger Musiker und Künstler, der das Leben in seinen lichten Facetten schätzt.

Die Handlung hält sich in groben Zügen an die Legende, auch wenn Ruth Nestvold den Anfang etwas verändert, um ihn ihrem Hintergrund anzupassen. Magie ist zwar vorhanden, hält sich aber eher im Hintergrund. Angenehm ist ebenfalls, das die Liebesgeschichte nicht alles überschattet sondern gleichberechtigt neben den Abenteuern und Gefahren steht, die beide bewältigen müssen. Das alles ist in eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Handlung verpackt, die vor allem die Figuren zum Leben erweckt und eine in sich stimmige Atmosphäre erzeugt.

 

„Flamme und Harfe“ erzählt letztendlich keine neue Geschichte und dürfte vor allem ältere Leser an die Romane erinnern, die im Gefolge von „Die Nebel von Avalon“ erschienen und über viele Jahre die Buchregale beherrschten. Der Roman setzt aber immerhin einige andere inhaltliche Schwerpunkte und zeigt so auf spannende Art und Weise, wie moderne Autoren die alten Mythen heute auslegen.

Letztendlich dürfte die Mischung aus Romantik, Mysterien und Abenteuer dennoch vor allem junge Frauen ansprechen, die Fantasy und Co. gerade erst für sich neu oder wieder entdeckt haben.

 

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Flamme und Harfe

Autorin: Ruth Nestvold

broschiert, 704 Seiten

Penhaligon, erschienen Januar 2009

Übersetzung aus dem Englischen von Marie-Louise Bezzenberger

Titelbild von Silvia Fusetti

ISBN-10: 3764530170

ISBN-13: 978-3764530174

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 30.01.2009, zuletzt aktualisiert: 10.02.2020 18:41