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Flucht

Reihe: Angor, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Zu den in Deutschland eher unbekannten Künstlern gehören Jean-Charles Gaudin und Dimitri Armand, denn bisher ist hierzulande nur die Reihe „Marlysa“ aus der Feder des Szenaristen Gaudin bei einem größeren Verlag – nämlich Carlsen erschienen, nun aber von Splitter übernommen wurde. Da man sich dort sehr auf Alben mit phantastischem Inhalt konzentriert, fiel es vermutlich auch leicht, die Reihe „Angor“ ins Programm aufzunehmen, die genau das beinhaltet.

 

Die Bewohner des weitläufigen Reiches Angor schätzen Traditionen. So ist es bereits den Kindern vorherbestimmt, das Gleiche zu werden wie ihre Eltern. Wurden sie einmal in die Kaste der Bauern und Viehzüchter hinein geboren, so können sie vielleicht davon träumen, eines Tages etwas Besseres zu werden, erfüllen wird sich diese Hoffnung für sie aber nicht unbedingt, da ein Aufstieg in eine höhere Kaste weitestgehend unmöglich ist..

Aus diesem Grund hadern auch Talinn, Evrane und Lorky mit ihrem Schicksal. Die drei Jugendlichen kommen langsam aber sicher in das Alter, in dem sie den Pflichten eines oder einer Erwachsenen nicht mehr davon laufen können und sich der Realität stellen müssen. Da mögen sie noch so sehr gegen die Traditionen rebellieren und diese hinterfragen, ihre Lehrherren und Eltern haben schon ein Auge darauf, dass sie nicht nach den Sternen greifen und etwas Dummes anstellen.

Dennoch versucht Talinn alles, um wenigstens die Möglichkeit zu bekommen, in den Ritterstand aufzusteigen. Zusammen mit seinen Freunden Evrane und Lorky bricht er immer wieder aus dem beengenden Alltag aus und trifft sich mit ihnen im Wald.

Eines Tages entdecken sie dort zwei Männer, die offensichtlich gegeneinander gekämpft haben. Der eine liegt bereits im Sterben, erdolcht von dem anderen, der ebenfalls schwere Wunden davon getragen hat. Als Talinn nach dem Toten sieht, erhebt der Verletzte sich noch einmal und greift den jungen Mann an, der inzwischen ein kostbares Amulett in den Händen hält. Evrane tötet den Angreifer, um ihren Freund zu retten – doch durch diesen Zwischenfall verändert sich alles für die drei Jugendlichen. Ihnen bleibt nur eine Möglichkeit, um nicht noch mehr Unheil auf sich und ihre Familien herunterzubeschwören, die Flucht in ein ungewisses, aber auch aufregendes Schicksal.

 

Man merkt sehr deutlich, dass „Flucht“ nur der Auftakt der Reihe ist, denn es passiert nicht wirklich viel. Der Band dient in erster Linie dazu, die Gesellschaft von Angor, deren Traditionen und Gebräuche ebenso wie die drei Helden und ihr normales Umfeld vorzustellen, ehe es dann zur Sache geht, denn das Abenteuer selbst beginnt erst gut nach der Hälfte der Seiten und kommt auch noch nicht wirklich in Gang, auch wenn erste wichtige Weichen gestellt werden, da sie einige wichtige Tipps und Hinweise erhalten. Aber ob die wirklich so uneigennützig sind und waren ist noch nicht klar.

Die drei Jugendlichen sind jedenfalls die typischen und unvorbereiteten Junghelden, die unbedarft in das Abenteuer stolpern, das sie immer haben wollten, aber noch nicht ahnen, was sie mit ihrem Eingreifen angerichtet haben und wirklich auf sie zukommen wird.

Auch der Leser bekommt nur einige wenige Andeutungen vorgesetzt, aus denen er dann selbst rätselt darf, was es mit dem magischen Artefakt auf sich haben könnte. Genau diese beiden Dinge sorgen aber erst für die Spannung in dem sonst doch eher ruhig verlaufenden Band.

Alles in allem bedienen sich Autor und Künstler sehr vieler gängiger Fantasy-Klischees. Das fängt schon bei den Figuren an.. Da ist einmal das Mädchen, das ihre Zukunft nicht unbedingt an der Seite ihres Mannes und mit einem Kind in den Armen sieht, der junge Bursche, der um jeden Preis Ritter werden will und nicht zuletzt der etwas jüngere Träumer Lorky, der vermutlich die wichtigste Person der Geschichte werden wird, da er bereits jetzt viele Dinge hinterfragt und sich wichtige Informationen einholt. Aber immerhin gibt es am Ende einen Twist, der die Sache noch etwas interessanter machen könnte, da Äußerlichkeit nicht unbedingt das innere Wesen kaschiert.

Alles in allem ist die Geschichte aber dennoch so solide aufgebaut, dass man ihr gerne folgt und neugierig auf den kommenden Band wird, da es den beiden Künstlern gelingt, Sympathien für die Figuren zu wecken. Auch die Zeichnungen können sich sehen lassen, entsprechen sie doch ebenfalls dem Standard und besitzen keine Ausreißer nach unten.

 

Fazit

 

Insgesamt ist „Flucht“ der klassische Auftakt einer typischen Fantasy-Abenteuer-Reihe, in der noch fast alles offen ist, sich aber bereits einige Gefahren und Geheimnisse am Horizont andeuten. Wer diese Art von Comics gerne liest, sollte ruhig einmal einen Blick riskieren und schauen, ob ihn die Reihe vielleicht sogar anspricht.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Flucht

Reihe: Angor, Bd. 1

Autor: Jean-Charles Gaudin

Zeichner: Dimitri Armand

Farben: Dimitri Armand & Ariatib

Original: Angor: Fugue, FR 2008

Übersetzerin: Monja Reichert

Hardcover-Album, 46 Seiten

Splitter Verlag, erschienen im August 2010

ISBN-10: 3868691634

ISBN-13: 978-3868691634

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 09.10.2010, zuletzt aktualisiert: 23.06.2019 12:39