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Flucht vor der Mafia

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Turi Leofonte war längere Zeit für die Mafia aktiv, sieht jetzt jedoch die einmalige Gelegenheit, die Angehörigkeit zur Organisation zu beenden und ein neues Leben zu beginnen. Der Staat überzeugt den anerkannten Buchmacher, bei einem gewichtigen Prozess gegen einige namhafte Paten auszusagen, und versichert ihm und seiner Familie Schutz und ein neues Leben unter neuem Namen. Doch schon der Weg zum Gerichtsgebäude in Mailand wird zum Fiasko. Turi und seine Eskorte werden von einer Killer-Einheit angegriffen, die ihn nur um ein Haar verfehlt. Fortan ist Leofonte auf der Flucht vor seinen ehemaligen Gefolgsmännern und entschließt sich, in Begleitung des Polizisten Nino di Venenziano selber den Weg nach Mailand anzutreten. Doch die Mafia lässt keine radikale Attacke aus, um den Kronzeugen ein für allemal auszuschalten…

 

Rezension:

Claudio Fragasso ist im cineastischen Underground Italiens längst kein unbekannter mehr. Vor allem im Horror-Segment landete er in den vergangenen beiden Jahrzehnten einige Produktionen, die stellenweise jedoch eher dem Trash-Sektor zuzuordnen waren. Mit Flucht vor der Mafia wagte er sich 1995 dann erstmals an einen ernsthaften Thriller heran und versuchte im Fahrwasser der gerade beendeten Pate-Trilogie noch ein wenig vom Glanz der Mafia-Streifen zu profitieren. Allerdings ist Fragassos Beitrag alles andere als ein typischer Film über Italiens schwergewichtige Verbrecherorganisation. Zwar ist sie Ausgangspunkt für den Konflikt zwischen Hauptdarsteller Leofonte und seinen Häschern, doch als korruptes Modul im eigentlichen Sinne tritt das Kartell dann doch nicht auf.

Entsprechend anders sind auch die Voraussetzungen für diesen recht brutalen Thriller, der größtenteils auf der inhaltlich bereits beschriebenen Verfolgungsjagd aufbaut, die wahren Hintergründe aber nur sehr oberflächlich beleuchtet. Der anstehende Prozess scheint in diesem Zusammenhang eher Mittel zum Zweck, erhält aber keine tiefgehende Reflektion, welche die Motivation beider Seiten etwas konkreter erscheinen ließe. Liebhaber der cineastischen Mafia-Kost dürften daher auch ein wenig enttäuscht sein, da die Organisation, die hier im Kreuzfeuer steht, im Grunde genommen austauschbar ist!

 

Was die eigentliche Handlung betrifft, gelingt es dem Regisseur allerdings ganz gut, einen spannenden Plot zu kreieren, der weder dramatischen Wendungen, noch rasanter Action entbehrt und zudem mit einer recht guten Stammbesetzung ausgestattet ist. Mal abgesehen davon, dass sich auch bei den Charakterzeichnungen der Tiefgang in Grenzen hält, lösen Giancarlo Giannini und Raoul Bova als Turi Leofonte respektive Nino di Venenziano ihre Rollen absolut befriedigend und punkten gerade in den überraschend häufigen emotionalen Momenten. Nichtsdestotrotz ist die Grundstimmung weitestgehend eiskalt und bringt die Ernsthaftigkeit der Story immer wieder klar auf den Punkt. Flotte Sprüche oder vergleichbare Amerikanismen hat sich Fragasso lobenswerterweise komplett geschenkt.

 

Und dennoch: „Flucht vor der Mafia“ will nicht als typischer Italo-Thriller moderner Machart durchgehen, da die Handlung in gewisser Weise schematisch wirkt und das Drama um die Mafia-Vergangenheit des Protagonisten nicht ins rechte Licht gerückt wird. Die Action steht im Vordergrund, nicht aber die Tragik, die den Background liefert, und das ist beim Potenzial der Geschichte stellenweise wirklich ernüchternd. Zwar mögen die Ideen, die hinterm dem Skript stecken, nicht sonderlich neu oder gar innovativ sein, aber dennoch scheint die Basis viel versprechend, wird aber – wenn man denn so will – aufgrund der deutlichen Fokussierung der Action und des Erzähltempos an typische Hollywood-Elemente verschenkt.

 

Nichtsdestotrotz bietet „Flucht vor der Mafia“ sicherlich gute Unterhaltung, und dies im Rahmen einer glaubwürdigen Story. Allerdings hätte dem Handlungskomplex etwas mehr Tiefgang definitiv nicht geschadet.

 

Fazit:

Fans von Camorra und Co. sollten sich vom Titel dieses Streifens nicht in die Irre führen lassen. „Flucht vor der Mafia“ hat zwar oberflächlich etwas mit der Organisation am Hut, ist aber im Grunde genommen einfach nur ein anständiger, wenn auch nicht herausragender Italo-Thriller mit leichter Affinität zum amerikanischen Markt!

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DVD:

Flucht vor der Mafia

Italien, 1995

Regisseur: Claudio Fragasso

Komponist: Pino Donaggio

Format: Dolby, PAL, Widescreen

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Italienisch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

1 DVD

FSK: 16

Ascot Elite, 23. Oktober 2008

Spieldauer: 100 Minuten

DVD Features: Film Specials, Interviews, Drehorte zum Film

 

ASIN: B001EH0Z4O

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 15.01.2009, zuletzt aktualisiert: 25.03.2018 19:01