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Forbidden Kingdom (Collectors-Edition)

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Seit sie als billige Honkong-Produktionen in den 1960er und 1970er Jahren in die deutschen Kinos kamen, haben die Martial-Arts-Filme, auch liebevoll „Eastern“ genannt, da sie sich immer wieder auch sehr gerne an den Geschichten der Western orientierten und genau so als reines Unterhaltungskino gedacht waren, ihre treuen Fans. Auch Fernseh-Serien wie „Kung Fu“ oder „Die Rebellen vom Liang-Shan-Po“ faszinierten die Zuschauer mit fernöstlichen Weisheiten und ungewöhnlicher Kampfkunst.

Hochglanz-Produktionen der letzten fünfzehn Jahre brachten die Filme und ihre mehr wie ein Tanz wirkende Choreogreaphie auch einem größeren Publikum nahe, man denke nur an Epen wie „Crouching Tiger, Hidden Dragon“, „Hero“ oder „House of Flying Daggers“.

Neben Bruce Lee sind heute vor allem Jackie Chan und Jet Li als Meister der Kampfkunst bekannt, weil sie neben Filmen in ihrem Heimatland auch immer wieder in Hollywood zu Gast waren.

 

Als Hommage an all diese Filme und Schauspieler ist „Forbidden Kingdom“ gedacht. Das Fantasy-Spektakel, das als Koproduktion entstand, wurde an Originalschauplätzen in China und sorgfältig nachgebauten Kulissen gedreht.

Die Geschichte beginnt allerdings in Boston. Der schüchterne Jason, der in Schule und Freizeit immer untergebuttert wird, ist vernarrt in allerlei Kung-Fu-Filme. Er träumt davon sich wie diese eines Tages seiner Haut erwähren und die Bösen in ihre Schranken verweisen zu können.

Die Filme findet er vor allem im Laden eines alten Chinesen, der ihn offensichtlich auch sehr gerne hat. Um so grausamer wird es, als eine Straßengang Jason zwingt, dabei mitzumachen, den alten Mann auszurauben. Einer der Jungs verliert die Nerven und erschießt den Greis. Dieser vertraut dem Jungen einen kostbaren Stab an und bittet ihn, diesem seinen rechtmäßigen Besitzer zurück zu bringen. Deswegen muss Jason auch vor der Gang fliehen und stürzt schließlich von einem Dach.

Als er wieder zu sich kommt, findet er sich in einem magischen Reich wieder, in dem die Mythen und Legenden der Filme wahr geworden zu sein scheinen. Der Jade-Kriegsherr, einer der Acht Unsterblichen überzieht das Land mit Grausamkeit und Gewalt und überfällt auch das Dorf, in dem sich die Menschen um den Jungen gekümmert haben.

Ehe er sich versieht, wird Jason zum Gejagten, weil sie den Stab in seinen Händen wieder erkennen und offensichtlich gerne in ihren Besitz bringen möchten. Ein ständig betrunkener Gelehrter rettet ihm das Leben und weiht ihn schließlich in das Geheimnis seines Auftrags und des Artefakts ein.

Der Stab gehört dem Affenkönig, der mit seinen Späßen vor Tausenden vor Jahren das himmlische Reich in Unordnung brachte und durch mehrere gravierende Fehler dem Jade-Kriegsherren in die Hände spielte. Der stürzte den weisen Herrscher und verbannte den Affenkönig in Stein. Erst wenn dieser eines Tages wieder den Stab in Händen halten wird, kann er alles wieder in Ordnung bringen. Und Jason ist der Auserwählte.

Da der Junge aber weder ein Zauberer noch ein Krieger ist und nicht einmal kämpfen kann, kümmert sich der Gelehrte um ihn und wird sein Lehrmeister. Auf der Reise in das Gebirge, in dem der Affenkönig gefangen ist, schließen sich ihnen ein gerne geheimnisvoll schweigender Mönch und eine schöne Kriegerin namens Goldener Sperling an. Jeder von ihnen hat seinen Grund Jason auf seinem Weg zu helfen und den Jade-Kriegsherren zu bekämpfen.

Doch auch der Feind schläft nicht. Er schickt die „weißhaarige Dämonin“ eine gefährliche Kriegerin und Mörderin aus, um Jason und die anderen aufzuhalten.

 

„Forbidden Kingdom“ entfaltet seinen Zauber vor allem für die Freunde der asiatischen Kampfkunst, die sich sehr gut an die alten Filme und neueren Werke erinnern, die gelegentlich im Fernsehen laufen sind und auf der anderen Seite die Filme mit Jet-Li und Jackie Chan mögen. Denn die Geschichte selbst ist eher dünn und bedient sich schamlos aus dem reichhaltigen Sagenschatz insbesondere der auch im westlichen Kulturraum bekannten und dort bereits mehrfach adaptierten Legende „Der Weg nach Westen“. Der Affenkönig und die Acht Unsterblichen haben die magische Welt geprägt, in die es den Jungen von der Erde wie durch Zauberhand verschlägt.

Jason dient als Mittler zwischen dem Zuschauer und dem Abenteuer. Er ist ein ganz normaler und durchschnittlicher Junge aus der Gegenwart, ohne besondere Begabung oder Fähigkeiten und eher schwach. Doch er hat das Herz auf dem rechten Fleck. Das merkt man ganz deutlich, als ihn seine Gefährten unter ihre Fittiche nehmen und ihm überlebenswichtige Dinge bei bringen.

Am Ende sind es nicht die Kampfkunst und der Mut Jasons, die den Sieg bringen, sondern sein Mitgefühl und sein Wille, seinem Herz und Instinkt zu folgen. Garniert ist das ganze mit flotten Sprüchen, kunstvollen Kämpfen, magischen Spezialeffekten, dramatischen Verfolgungsjagden und nicht zuletzt einer bittersüßen Romanze.

Die Stars des Films sind ganz eindeutig Jackie Chan und Jet Li, die die anderen Darsteller gegen die Wand spielen. Humorvoll und mit einem Augenzwinkern zitieren sie genüsslich aus den Filmen und setzen die daraus bekannten und verschiedenen Kampfstile in Szene. Hin und wieder erlauben sie sich auch einen Scherz mit Jason, der in der ganzen Sache etwas untergeht.

Dafür stehen mit Goldener Sperling und der Weißhaarigen Dämonin zwei Frauen ihren Mann und stehen dabei für zwei archetypische Frauenrollen in den Eastern – die von Rache für ihre Familie beseelte Kriegerin, die am Ende einen hohen Preis zahlen muss und die gefährliche skrupellose Hexe, die mächtiger als die meisten Männer ist.

Alles in allem wird der Film nie langweilig. Er ist buntes Unterhaltungskino ohne Tiefgang und mit vielen Klischees, aber mit gut gelaunten Schauspielern, einem niemals albernen Witz und einem guten Gemisch aus spannenden und ruhigen Szenen. Die Atmosphäre ist zudem mehr als stimmig.

Auch an Extras wird in der Collectors Edition einiges geboten. Neben einem ausführlichen Making of, das in mehrere Features zu den beiden großen Stars, den Schauspielerinnen, den Locations in China und der Mythologie unterteilt ist, gibt es noch Autokommentare, Trailer, Deleted Scenes und Outtakes, die ebenfalls sehr unterhaltsam gemacht, wenn auch nur deutsch untertitelt sind. Auch die Bild- und Tonqualität ist ausgezeichnet.

 

Fazit:

Wer munter umgesetzte fernöstliche Mythologie mag, die ein wenig dem westlichen Empfunden angepasst wurde und zudem auch noch Jackie Chan und Jet Li gerne sieht, kann ohne Gewissensbisse bei „Forbidden Kingdom“ zugreifen.

Der Film bietet zwar keine tiefschürfende aber nichtsdestoweniger spannende und kurzweilige Unterhaltung, in der man niemals dazu kommt, sich zu langweilen.

 

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Eure Meinung:

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DVD:

Forbidden Kingdom (Collectors-Edition)

USA/China 2008

Regisseur: Rob Minkoff

Komponist: David Buckley

Drehbuch: John Fusco

Sprache: Chinesisch, Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1 und DTS)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 1

FSK: 12

Koch Media, 11. September 2009

Spieldauer: 100 Minuten

 

ASIN: B002AOUQO4

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Extras:

Disc 1:

 

  • Audiokommentar mit Regisseur Rob Minkoff und Drehbuchautor John Fusco
  • Deutscher Trailer
  • Originaltrailer
  • Trailershow

 

 

Disc 2:

 

  • Das Kung Fu Dream Team
  • Gefährliche Schönheiten
  • China entdecken
  • Dreharbeiten in Chinawood
  • Der Monkey King und die acht Unsterblichen
  • Storyboard und Previz
  • Die Besten Patzer
  • Deleted Scenes mit Audiokommentar der Regisseure
  • TV Spots:

 

DarstellerInnen:

  • Jackie Chan
  • Jet Li
  • Collin Chou
  • Li Bing Bing
  • Liu Yifei
  • Michael Angarano

Eintrag in der PhilmDB:

Forbidden Kingdom


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Erstellt: 01.11.2009, zuletzt aktualisiert: 23.04.2019 17:16