Rezension von Cronn
Blitze zucken über den Himmel. Donner grollt und Regen prasselt auf das Dach des Luftschiffs herab.
Ich schaue aus dem Fenster und habe so gar keine Lust, hinauszugehen. Aber da leuchtet verheißungsvoll ein Licht, draußen auf der Spitze der Eisenkonstruktion vor mir im Nebel. Es verheißt mir wichtige Ressourcen, vor allem eine Festkörperbatterie, die ich dringend brauche. Also atme ich tief durch und öffne die Tür meines Luftschiffs.
Sofort wird der Donner lauter, krachen die Blitze hell in meinen Augen. Ich habe auf einem Landepad angedockt und betrachte die waghalsige Konstruktion genauer:
Vor mir erheben sich Eisenkuben – schachtelartig gestapelt – in mehreren Etagen empor und hinauf zu einem Leuchtfeuer, wo Radarschüsseln und Antennen in den Himmel ragen. Leitern sind angeflanscht und so weiß ich auf einen abschätzenden Blick, dass ich bis nach oben kommen werde.
Ich laufe hinüber zum ersten Raum, wo ich synthetische Materialien in Flaschenform finde. Sie kann ich mit meinem Disruptor zerlegen, ebenso wie die Eisenwände und Glaswände. So erhalte ich weitere Ressourcen.
Eine Etage höher finde ich eine Leiche, daneben ein elektronisches Pad. Ich lese darauf einen Eintrag, der mir davon erzählt, dass hier Pflanzen ein Eigenleben entwickelt haben. Neugierig geworden, setze ich meinen Weg nach oben fort …
So ähnlich spielt sich eine typische Sequenz in Forever Skies, einem Spiel von dem Entwickler Far From Home. Das Game war im Early Access und hat es nun verlassen. Das polnische Team hat sich viel Mühe gegeben, dem Survival-Genre neue Impulse zu geben. Wie gut das gelungen ist, soll die nachfolgende Rezension aufzeigen.
»Forever Skies« trägt in sich die typischen Grundmuster des Survival-Gamings, wie man es auch von Subnautica und ähnlichen Spielen her kennt.
Stets ist man auf der Suche nach Rohstoffen, die man für das Herstellen von höherwertigen Gegenständen und Ausgangsmaterialien braucht. Zudem benötigt man sie für das Erforschen von Bauplänen, sodass man mit Hilfe eines Mobildruckers oder Gerätefabrikanten neue Dinge herstellen kann. Das motiviert stark, ist aber etwas zerfasert, da mit mehreren Fabrikationsgeräten hantieren muss und nicht immer genau weiß, welches Ding man mit welchem Herstellungsgerät zubereiten muss. Die Einstiegshürde ist bei »Forever Skies« also nicht zu verachten und einigermaßen hoch.
Doch sobald man die überwunden hat, macht es Klick und die einzelnen Mechanismen greifen ineinander. Auf diese Weise hat man zumeist wieder eine neue Karotte vor der Nase, auf die man hinarbeiten kann.
Vom Leveldesign her gesehen ist man zumeist oberhalb einer toxischen Wolkenschicht unterwegs in einem Luftschiff. Dies muss man im Spielverlauf ausbauen, um z. B. höhere Luftschichten erreichen zu können. Die Ressourcen erhält man in Strukturen, die zerstörten Wolkenkratzern ähneln. Sie haben unterschiedliche Funktionen, wie Windräder oder Leuchtfeuer. Anhand der Leuchtfarben kann man sie unterscheiden. Man sollte auch stets die Festkörperbatterie am Gipfel entnehmen, damit das Leuchtfeuer erlischt und man weiß, dass man den Ort dort schon besucht hat.
Zudem werden vom Wind seltsame Gebilde heran und vorbeigetrieben: Strukturen aus synthetischen Materialien, die an die Windbüsche erinnern, die es in den Wild-West-Filmen immer über die leere Straße vorm Saloon fegt, ehe die Cowboys sich duellieren.
Diese Strukturen dienen zum Farming, denn man kann sie mit dem Zerleger – nun ja – zerlegen. Darauf gewinnt man somit Ressourcen.
Schlussendlich ist man immer wieder gespannt darauf, was einem beim nächsten Leuchtfeuer erwartet. Denn es gibt auch Überraschungen.
Lobenswert: Den Schwierigkeitsgrad kann man in drei Stufen anpassen. Viele nervt das ständige Essen und Trinken müssen. Das kann man reduzieren, allerdings nicht völlig abschalten. Auch ein Koop-Modus existiert, bei dem es aber wenig öffentliche Sitzungen gibt. Hat man allerdings einen Koop-Partner an der Hand, kann man auch gemeinsam auf Streifzüge gehen.
Unter der Haube von »Forever Skies« arbeitet die Grafikengine von Epic Games. Mit der Unreal-Engine lassen sich selbstverständlich grandiose Grafikeffekte erzeugen und die Macher von Far From Home nutzen sie reichlich.
So ist gerade die Beleuchtung ein Augenschmaus. Wenn die Sonne untergeht und die Schatten unterschiedlich durch die Wolkenkratzerfragmente fallen, sieht das super aus. Auch wenn es stürmt und Regenschauer über das Luftschiff fegen, sind die Wassereffekte sehr gelungen. Auch die Animationen reihen sich in die hohe Qualität ein.
Was weniger gefällt, ist die Tatsache, dass die Schriftgröße in den Menüs teilweise etwas zu klein ist.
Soundtechnisch gibt es ebenfalls wenig zu meckern. Die Musik untermalt kongenial das Geschehen mit sphärischen Klängen und die Sounds des Spielgeschehens sind stimmig ausgewählt.
»Forever Skies« ist ein Spiel, das sehr gelungen mit den Survival-Mechaniken umgeht, wenngleich etwas fragmentiert eingesetzt. Die Story ist erfrischend und vor allem lebt das Spiel von seiner Atmosphäre der Einsamkeit und Fremdartigkeit. Wenn man allein in seinem Luftschiff über die toxischen Wolken gleitet und das nächste Leuchtfeuer näher kommt, fühlt man in sich die Neugier und Spannung steigen. Voller Vorfreude malt man sich aus, was wohl als nächstes auf einen wartet.
Wer ein Freund von Exploration ist und gerne Umgebungen erkundet, die mal andersartig sind als die x-te Open-World, der ist bei »Forever Skies« vollauf richtig.
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