Freitag der 31. (Hack/Slash Bd. 3)
 
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Freitag der 31.

Reihe: Hack/Slash Band 3

 

Rezension von Olaf Kieser

 

Rezension:

In vielen Slasherfilmen gibt es am Ende jemanden, der das Massaker überlebt. Oft ist das ein Mädchen. Das Gesetz der Serie führt dann meist dazu, dass der- oder diejenige in der obligatorischen Fortsetzung mit großer Sicherheit zu Tode kommt. In der Comic-Serie Hack / Slash von Tim Seeley und Stefano Caselli, deren deutsche Ausgabe bei Cross Cult erscheint, geht es um so eine Überlebende. Cassie Hack hat ein Massaker überlebt, will aber dem Gesetz der Serie trotzen und es gar umdrehen. Sie reist mit ihrem hühnenhaften Partner Vlad, der selbst aus einem Slasherfilm entsprungen sein könnte, Jagd auf Serienkiller und perverse Mörder aller Art. Seit August ist der 3. Band der Reihe erhältlich. Er trägt den schön anspielungsreichen Titel Freitag der 31..

 

Der Band enthält drei Storys, die hier knapp umrissen werden sollen. In Hack / Slash vs. Chucky gibt es ein Zusammentreffen der Slasher-Jägerin mit der berühmt berüchtigten Killerpuppe Chucky. Eine körpertauschende Mörderin zwingt sie zu einer Zusammenarbeit, hat sie doch mit Hilfe eines Voodoo-Amulettes, das Chucky gehört, Besitz von Cassies Freund Vlad ergriffen. Das ungleiche Duo will ihr das aber nicht durchgehen lassen und will sie zur Strecke bringen. Das Bändigen von Chucky erfordert dabei fast eben soviel Aufmerksamkeit von Cassie, wie die Mörderin.

 

In der zweiten Geschichte sieht es am Anfang gar nicht gut für unsere Heldin aus. Sie ist dem völlig irren Psychologen Dr. Edmund Gross in die Hände gefallen. Dr. Gross, der zunächst als Vergewaltiger über Studentinnen herfiel, hat sich irgendwann dazu entschlossen, seine Haut abzuziehen, um so seinem „wahren Ich“ näher zu kommen. So sieht Dr. Gross so aus, als sei er direkt aus einem Hellraiser-Film entsprungen. Hoch erfreut eine so interessante Person wie Cassie Hack in die Finger bekommen zu haben, beginnt er mit unserer Heldin eine sehr eigenwillige Analysesitzung. Dies wird für Cassie eine körperlich und seelisch recht schmerzhafte Erfahrung. Ihr treuer Freund Vlad versucht derweil verzweifelt, sie zu finden.

 

Die dritte Geschichte schließt nahtlos an diese für Cassie recht schmerzhafte Episode an. Dieses Mal wird sie durch einen ihrer Freunde auf die Spur der Metal-Band Acid Washed gebracht. Es verschwinden immer wieder weibliche Fans der Band nach den Konzerten. Merkwürdig ist auch, dass die Band bis vor Kurzem eigentlich eher durch die Abwesenheit von Erfolg und Talent geglänzt hat. Seit ein paar Monaten ist sie aber auf der Überholspur. Dank ihrer neuen Freundin Georgia Peaches, einer jungfräulichen Stripperin, gelangen unsere Helden auf ein Konzert von Acid Washed. Fast zu spät kommen sie hinter das grausame Geheimnis des Erfolgs der Band.

 

Als Abschluss enthält der Band noch ein wenig Bonusmaterial. Es gibt einige Cover und Skizzen der Zeichner. Dazu gewährt Cassie noch Einblick in ihre Psychofiles, in denen man komprimiert Infos über die Gegner dieses Bandes findet.

 

Die Geschichten in dem dritten Band der Serie „Hack / Slash“ sind insgesamt unterhaltsam. Darin wird gehauen und gestochen und viel Blut vergossen. Das wird mal mehr, mal weniger mit schwarzem Humor und einigen lockeren Sprüchen oder Ideen gebrochen. Das Crossover mit Chucky lebt natürlich besonders vom Auseinandertreffen von Cassie und Chucky, ist aber ansonsten eher Horror-Durchschnittsware. Die zweite Story lehnt sich stark an Folter-Filme wie „Hostel“ oder „Saw“ und erfordert schon ein gewisses Maß an Abgebrühtheit beim Leser. Dr. Gross bietet schon einen schaurig-ekeligen Anblick mit seinem blutigen Äußeren. Man sieht Muskelstränge, von denen Blut tropft. In dieser Geschichte wird Cassies schwere Jugend ein wenig beleuchtet. Außerdem erfährt man wofür man Tierhalsbänder alles sinnvoll einsetzen kann. Die Auseinandersetzung mit der Mörder-Band Acid Washed ist sicherlich die ironischste Story des Bandes. Hier werden immer wieder Metal-Klischees zitiert. Viele Bands dieser Musikrichtung geben sich ja ziemlich finster und huldigen dunklen Mächten, man muss nur auf die Cover der Alben schauen. Acid Washed ist da seinen Konkurrenten einen Schritt voraus, so viel soll hier verraten werden. Aber auch Groupies und die berüchtigten After-Show-Partys werden hier ironisch verarbeitet. Mit Cassie Hack hat die Serie ein hartes Mädchen als Heldin, das sexy-düstere Gothic Outfits trägt. Durch die coole Pose sollte jedoch nicht übersehen werden, dass Cassie bestimmt eine recht tragische Hauptfigur ist. So bekommt sie etwas charakterliche Tiefe. Das macht sie menschlicher und unterscheidet sie sich ziemlich deutlich von ihrer Beute.

 

Die Zeichnungen des Bandes sind insgesamt ordentlich und manchmal etwas unappetitlich. Dennoch gehören die Zeichner nicht zur Elite der gegenwärtigen Comic-Kunst. Manche Zeichnungen sind doch etwas einfach, ja grob geraten. Die Storys decken verschiedene Bereiche des Slasher-Genres ab und beweisen, dass der Autor sich in diesem Gebiet gut auskennt. Er folgt den Konventionen des Genres. Allerdings ist das alles nicht wirklich neu und oft wird Spannung Splatter und Gore geopfert. Aber das sollte wahrscheinlich so sein und funktioniert als Genre-Comic.

 

Fazit:

Wer seine Comics gerne blutig und deftig mag, der wird mit „Hack / Slash: Freitag der 31.“ zufrieden, ja glücklich sein. Genre-Fans können beruhigt zugreifen und sich über die Zitate und Anspielungen freuen. Wem der Draht zu diesem Genre allerdings fehlt, der sollte etwas anderes lesen.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240624170021c2f80b90
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Comic:

Freitag der 31.

Reihe: Hack / Slash 3:.

Originaltitel: Hack / Slash: Friday the 31, 2007

Autor: Tim Seeley

Zeichner: Emily Stone, Matt Merhoff

Übersetzer: Frank Neubauer

Gebundenen, 152 Seiten

Cross Cult, August 2009

Empfohlenes Lesealter: 16 +

 

ISBN-10: 3941248189

ISBN-13: 978-3941248182

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 22.11.2009, zuletzt aktualisiert: 11.04.2024 08:09, 9596